Ich lästere ja nur ungern über meine Fahrgäste, aber folgenden Dialog muss ich euch einfach mal weitergeben, er hat sich sinngemäss so abgespielt:

Kundin (Deutsch, weiblich, ca. 55 Jahre alt)
Sie, Herr Schaffner, sagen’se mir bitte mal, wann fährt mein nächster Zug von Zürich nach Bern? Könn’se bitte mal nachschauen, sein’se so gut.

Ich
Gerne doch, da muss ich nicht mal nachschauen. Wir kommen mit 11:23 Uhr in Zürich an und Ihr Anschlusszug nach Bern fährt um 11:32 Uhr.

Kundin
Nee, des kann aber nicht sein!

Ich
Mmh… Ist Ihnen die Umsteigezeit von 9 Minuten zu knapp? Um 12:00 Uhr fährt noch ein Zug nach Bern; so haben Sie eine halbe Stunde mehr Zeit um das Gleis zu wechseln.

Kundin
Nee nee, des ischt mir zu spät. Ich brauch’nen früheren.

Ich
Dann wird es wohl beim 11:32 Uhr-Zug bleiben.

Kundin
Nee, aber des stimmt doch ned!

Ich
Ähm… Doch doch, das stimmt schon. Um 11:32 Uhr fährt ein Zug nach Bern.

Kundin
Sagen’se mal, erzählen’se mir hier jetzt ‘nen Quatsch oder was? Meine Freundin hat mir eine andere Zeit genannt, und auf meine Freundin ist Verlass, das sag’ ich Ihnen!

Ich
Ach so. Ja was für eine Uhrzeit hat die Freundin Ihnen denn genannt?

Kundin
Weiss ich doch nicht mehr; aber es war aber sicher nicht 11:32!

Ich
Mmh… Also Sie wollen schon nach Bern, oder? Also in die Bundeshauptstadt. Oder habe ich Sie da falsch verstanden?

Kundin
Aber klar will ich nach Bern! Sonst würde ich ja nicht fragen? Also, wann fährt nun der Zug.

Ich
Wie gesagt: 11:32 und 12:00 kann ich Ihnen anbieten.

Kundin
Sie sind wohl neu hier, was? Deshalb haben Sie wohl keine Ahnung!

Ich
Naja, kommt darauf an, was Sie unter neu verstehen… Wissen Sie was: Gehen Sie doch am besten in Zürich an den Bahnschalter oder zum Informationsstand und fragen dort nach. Ich kann Ihnen versichern, dass Sie genau die gleichen Informationen erhalten werden, wie von mir. Vielleicht können die Mitarbeiter dort Ihnen weiterhelfen. Schönen Tag noch.

Gleich darauf wendete ich mich ab und kontrollierte die nächsten Fahrgäste. Zwei Abteile weiter vorne schaut mich eine junge Dame an: “Meinst Du wirklich, am Bahnschalter könne man ihr weiterhelfen?” Ich runzle die Stirn: “Mit Sicherheit!” Worauf die junge Dame erwidert: “Mal ganz ehrlich, ich denke der Oma ist nicht mehr zu helfen.” Das denke ich auch…

Ich erlebte das schon einige Male, interessanterweise vorallem bei Deutschen: Sie fragen nach einer Auskunft, das Zugpersonal gibt eine Antwort, sie glauben die Antwort nicht und verlangen eine “richtige” Antwort. Trauen uns die Deutschen so wenig? Finden die Deutschen uns unehrlich? Haben sie schlechte Erfahrungen mit uns Schweizern gemacht? Oder wird in Deutschland so viel gelogen, dass man davon ausgeht, im Ausland werde man ebenfalls ununterbrochen angelogen? Ich weiss es nicht…

Wenn ich im Ausland jemandem eine Frage stelle, akzeptiere ich die Antwort im Normalfall. In seltenen Fällen frage ich vielleicht noch nach, ob die Person sich sicher ist. Wenn sie das bejaht, richte ich mich nach der Antwort. (Bleibt mir ja eigentlich auch nicht viel anderes übrig; ich könnte höchstens noch eine weitere Person fragen.)