Hilfe! Der Kondukteur lügt mich an!
Uncategorized January 23rd. 2008, 16:11Ich lästere ja nur ungern über meine Fahrgäste, aber folgenden Dialog muss ich euch einfach mal weitergeben, er hat sich sinngemäss so abgespielt:
Kundin (Deutsch, weiblich, ca. 55 Jahre alt)
Sie, Herr Schaffner, sagen’se mir bitte mal, wann fährt mein nächster Zug von Zürich nach Bern? Könn’se bitte mal nachschauen, sein’se so gut.
Ich
Gerne doch, da muss ich nicht mal nachschauen. Wir kommen mit 11:23 Uhr in Zürich an und Ihr Anschlusszug nach Bern fährt um 11:32 Uhr.
Kundin
Nee, des kann aber nicht sein!
Ich
Mmh… Ist Ihnen die Umsteigezeit von 9 Minuten zu knapp? Um 12:00 Uhr fährt noch ein Zug nach Bern; so haben Sie eine halbe Stunde mehr Zeit um das Gleis zu wechseln.
Kundin
Nee nee, des ischt mir zu spät. Ich brauch’nen früheren.
Ich
Dann wird es wohl beim 11:32 Uhr-Zug bleiben.
Kundin
Nee, aber des stimmt doch ned!
Ich
Ähm… Doch doch, das stimmt schon. Um 11:32 Uhr fährt ein Zug nach Bern.
Kundin
Sagen’se mal, erzählen’se mir hier jetzt ‘nen Quatsch oder was? Meine Freundin hat mir eine andere Zeit genannt, und auf meine Freundin ist Verlass, das sag’ ich Ihnen!
Ich
Ach so. Ja was für eine Uhrzeit hat die Freundin Ihnen denn genannt?
Kundin
Weiss ich doch nicht mehr; aber es war aber sicher nicht 11:32!
Ich
Mmh… Also Sie wollen schon nach Bern, oder? Also in die Bundeshauptstadt. Oder habe ich Sie da falsch verstanden?
Kundin
Aber klar will ich nach Bern! Sonst würde ich ja nicht fragen? Also, wann fährt nun der Zug.
Ich
Wie gesagt: 11:32 und 12:00 kann ich Ihnen anbieten.
Kundin
Sie sind wohl neu hier, was? Deshalb haben Sie wohl keine Ahnung!
Ich
Naja, kommt darauf an, was Sie unter neu verstehen… Wissen Sie was: Gehen Sie doch am besten in Zürich an den Bahnschalter oder zum Informationsstand und fragen dort nach. Ich kann Ihnen versichern, dass Sie genau die gleichen Informationen erhalten werden, wie von mir. Vielleicht können die Mitarbeiter dort Ihnen weiterhelfen. Schönen Tag noch.
Gleich darauf wendete ich mich ab und kontrollierte die nächsten Fahrgäste. Zwei Abteile weiter vorne schaut mich eine junge Dame an: “Meinst Du wirklich, am Bahnschalter könne man ihr weiterhelfen?” Ich runzle die Stirn: “Mit Sicherheit!” Worauf die junge Dame erwidert: “Mal ganz ehrlich, ich denke der Oma ist nicht mehr zu helfen.” Das denke ich auch…
Ich erlebte das schon einige Male, interessanterweise vorallem bei Deutschen: Sie fragen nach einer Auskunft, das Zugpersonal gibt eine Antwort, sie glauben die Antwort nicht und verlangen eine “richtige” Antwort. Trauen uns die Deutschen so wenig? Finden die Deutschen uns unehrlich? Haben sie schlechte Erfahrungen mit uns Schweizern gemacht? Oder wird in Deutschland so viel gelogen, dass man davon ausgeht, im Ausland werde man ebenfalls ununterbrochen angelogen? Ich weiss es nicht…
Wenn ich im Ausland jemandem eine Frage stelle, akzeptiere ich die Antwort im Normalfall. In seltenen Fällen frage ich vielleicht noch nach, ob die Person sich sicher ist. Wenn sie das bejaht, richte ich mich nach der Antwort. (Bleibt mir ja eigentlich auch nicht viel anderes übrig; ich könnte höchstens noch eine weitere Person fragen.)
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January 23rd, 2008 at 17:51
Das hat der Kondukteur falsch verstanden, das Schlüsselwort ist “weiblich” Hie wurde keine eigene Meinung oder gar eine korrekte Information verlangt, sondern nur die Bestätigung einer vorhandenen Information. Den merke, was die Freundin sagt ist immer richtig (auch wen es falsch ist).
January 23rd, 2008 at 17:52
wen = wenn
January 23rd, 2008 at 20:06
Ev. meinte die Kundin einfach, dass der Zug in Zürich früher ankommen müsste.
Aber auch das hätte ihr nicht wirklich viel geholfen. Viel machen lässt sich in solchen Fällen wohl nicht.
January 23rd, 2008 at 20:13
Die Dame schien mir ein wenig verwirrt… Sie konnte mir ja nicht mal wirklich sagen, was genau ihrer Meinung nach denn nun nicht stimmt… Irgendwie stimmte wohl “einfach alles” nicht.
January 23rd, 2008 at 20:48
Bundesstadt, nicht Bundeshauptstadt, die Schweiz kennt keine Hauptstadt.
Witzig-peinlich heute Abend bei “Tele Züri”: Die wohl dümmste ÖV-Staatsangestellte der Welt. Da hat man am Morgen im vollen Zug wenigstens etwas zu lachen!
January 23rd, 2008 at 21:01
Naja, solange auf parlamaent.ch der Begriff “Bundeshauptstadt” verwendet wird, darf ich das auch. ;o)
Merci trotzdem für den Hinweis!
Übrigens: Gib nächstes Mal bitte eine gültige Email-Adresse an, ansonsten muss ich Deinen Kommentar leider löschen.
January 23rd, 2008 at 22:12
Das liegt doch nur daran, dass in Deutschland die Bahn an sich schon unzuverlässig ist. (Die Bahn kommt.. irgendwann!)
Und somit dürften dort (ohne dass ich jemanden direkt angreifen will) die “Schaffner” entsprechend zuverlässig sein. Und wenn man sich an Verspätungen, Streiks und Ausfälle gewöhnt hat, ists schwer, das im Ausland abzulegen ;)
January 24th, 2008 at 00:04
Vielleicht war die Dame auch einfach nur verblüfft, dass Deine Antwort so prompt kam. Wenn ich bei uns das Zugpersonal nach einem Anschlusszug frage bekomme ich entweder gar keine oder eine falsche Auskunft.
January 24th, 2008 at 11:57
Ich plädiere auch dafür das Attribut weiblich anzuwenden. Wenn es denn doch vornehmlich deutsche sind, die ungläubig sind, so möchte ich mich in aller Höflichkeit präventiv für meine Landsleute entschuldigen. ;)
January 24th, 2008 at 12:08
Vergiss nicht, Deutschland ist ein Entwicklungsland, insbesondere in Sachen Service. Ich mein, die Deutsche Entwicklungsland Bundesbahn, die so zwischen nie und gar nicht fährt, da hätte der Schaffner etwa so reagiert:
“wat fragen sie da mich? Guckn se gefälligst im Reisebegleiter nach! Icke hab kene Ahnung!”
Und Guten Tag oder auf wiedersehen wird schon mal gar nicht gesagt! (Gut, das ist nun etwas überzeichnet dargestellt)
Aber, der Deutsche an sich, der weder Kultur noch sonst was hat, schließlich aus dem Bauern- und Arbeitslosenstaat, kann mit Freundlichkeit nicht umgehen, und muss auch im Ausland zeigen, was für ein Arrogantes Land Deutschland ist.
Ich weiss, wo von ich red, ich hab zwei Jahre in Berlin gelebt! Die Deutschen sind einfach so! Und die, die das nicht mehr aushalten (also ziemlich viele) wandern aus dem Entwicklungsland aus, kommen zu uns, ins “Paradies”, wo Service und Freundlichkeit von vielen noch angewendet werden.
Bleibt zu hoffen, das dies auch in Zukunft so ist.
January 25th, 2008 at 14:14
Hm, ich denke, man sollte nicht den Fehler machen, das was in Teilen von Deutschland passiert, auf das ganze Land zu übertragen. Das Bild von den netten freundlichen Schweizern hat man ja auch eher in der Deutschschweiz, wobei sicher nicht alle Westschweizer und Tessiner unfreundlich sind. Also, ich kann aus Erfahrung sagen, dass man z.B. auch als Stuttgarter mit bestimmten Bevölkerungsteilen seine Probleme hat. Und Berlin ist halt ein Extrembeispiel, da sollte man nicht hin, wenn man nicht mit der “Berliner Schnauze” umgehen kann.
Und na ja, zur DB AG sage ich jetzt besser nichts, aber da kann es schon vorkommen, dass man von drei verschiedenen Menschen vier verschiedene Antworten bekommt. :-)
Und generell bin ich der Meinung, dass man, wenn man seinen “Raum” verlässt, sich eben integrieren muss. Also, wann sollte weder in der Schweiz noch in Baden-Württemberg erwarten können, dass man dort wohnen kann ohne die Sprache der Menschen dort zu verstehen. Und da sehe ich ähnliche Probleme in der Schweiz und in Süddeutschland. :-)
Fabi
January 25th, 2008 at 16:30
Na, Köln ist freundlich, und Baden auch, Würtemberg ein bisschen, aber nicht so sehr.
Ich sags mal so, ich denke, ich kenne Deutschland schon recht gut. Ich mein, es ist ja nicht nur Berlin als extremes Beispiel, auch der grosse Rest von Deutschland macht seine Wirtschaft selbst kaputt.
Tja, ich mein, es gibt immer ein Gesammtbild der Bevölkerung, und das gilt nie für alle, aber halt für einen teil und meistens für den grösseren.
January 25th, 2008 at 16:54
Hm, das hört sich ja schon besser an. :-)
Das grosse Vorurteil kann man ja bestätigen, erlebe ich ja oft genug, wenn ich Richtung Schweiz unterwegs bin. Aber, ich mag mich halt nicht gerne in einen Topf mit dem Rest werfen lassen, dazu lebe ich vom Restdeutschland zu distanziert. Na ja, das geht recht gut, man muss sich nur einen Freudeskreis ab Stuttgart Richtung Süden aufbauen.
Na ja, ich schätze, dass ich da sowieso nicht unbedingt der perfekte durchschnittliche Bundesbürger bin…und ich bin stolz drauf. :-)
Fabi
May 29th, 2008 at 11:31
Auch hier muss ich mal wieder meinen Senf dazugeben.
Ein wenig entsteht für mich das Gefühl, dass in den Kommentaren der eigentliche Sachverhalt ins Hintertreffen gerät zugunsten einer Qualitätskritik an einer Bevölkerungsgruppe respektive einem benachbarten Staatsunternehmen.
Dazu einige kleine Anmerkungen:
1.
Die beschriebene Situation hätte gleichermassen ein 44-jähriger Schweizer aus dem Kanton Zürich sein können, der dem Begleiter seiner S16 nicht glaubt, dass sein Zug um 22:50 Uhr ab Meilen nicht mehr zum Flughafen, geschweige denn nach Winterthur oder Schaffhausen fährt.
Was ich damit sagen möchte, nicht die Person ist hier das entscheidende, sondern der eigentliche Inhalt des Gesprächs.
2.
Grundsätzlich halte ich nicht viel davon, eine bestimmte Nationalität, egal ob im Ausland oder als Ausländer in der Schweiz, allgemein zu bewerten respektive bestimmte Eigenschaften als zwingend mit ihr in Verbindung zu bringen.
Vielleicht denkt der ein oder andere mal darüber nach, welche Empfindungen es in ihm auslösen würde, wenn in einem öffentlichen Forum über seine Menschen seiner Nationalität (eher abwertend) zu lesen ist.
3.
Die Vergleiche mit der DB sind mehr als hinkend. ebenso wie die SBB auch ist die DB ein Unternehmen, dass sich als Gastgeber versteht und sicher nach Möglichkeit alles zur Kundenzufriedenheit auf den Zügen unternimmt. Aber wie hier auch bringt ein grosses Streckennetz auch seine Tücken mit sich, die bedingt durch unvorhergesehene Situationen auch die ein oder andere Störung und Verzögerung nach sich ziehen.
Was den Streik bei der DB im Jahr 2007 betrifft, so will ich mal zu bedenken geben, dass dies nach vielen Jahren der erste Gross-Streik gewesen ist (im Vergleich zu weiteren europäischen Staatsbahnen). Innerhalb der SBB ist dann im Jahr 2008 auch gestreikt worden, wenn auch nur bei SBB Cargo.
Somit halte ich es vermessen, hier Massstäbe setzen zu wollen und mit einer “Arroganz”, die ja sonst eher immer den Deutschen vorgeworfen wird, die Nachbar-Bahn völlig negativ darzustellen.
Erst, wenn wir selbst keine Fehler mehr im eigenen Land machen, dann können wir uns über die der Nachbarländer amüsieren ;-)