Sachbeschädigungen an Anti-WEF-Demo in Bern, St. Gallen und Davos?

von Andreas Hobi am 18. Januar 2008 · 7 Kommentare

Anti-WEF-Demo

Alle Jahre wieder fährt die SBB die WEF-Chaoten zu ihren Saubannerzügen. Morgen demonstrieren sie in Bern und St. Gallen gegen das nächste Woche stattfindende WEF.

Ich habe rein gar nichts gegen Globalisierungsgegner, welche ihre Anliegen in friedlichen Demonstrationen und Veranstaltungen darlegen und konstruktiv Kritik am WEF üben.

Was jedoch morgen mit hoher Wahrscheinlichkeit in Bern und St. Gallen geschehen wird, kann ich nicht akzeptieren. Es wird zu Sachbeschädigungen und zu einem Polizeieinsatz auf Kosten der Steuerzahler kommen, davon ist leider auszugehen. Die Organisatoren haben ausdrücklich KEINEN Aufruf zum gewaltlosen Protest gemacht. Wir dürfen gespannt sein. Die Bewohner der Berner Altstadt und die St. Galler tun mir jetzt schon leid.

Die Demo in Bern wurde bewilligt, die Auflage war unter anderem, dass die Organisatoren einen eigenen Sicherheitsdienst bereitstellen. Direkt nach Bekanntgabe der Bewilligung teilten die Linken jedoch mit, dass sie dies nicht tun werden. Ausserdem wurde gleich nochmals betont, dass es keine Garantie auf Gewaltverzicht gäbe. Politiker aller Parteien forderten daraufhin einen Rückzug der Demo-Bewilligung und ein hartes Vorgehen der Polizei gegen die Chaoten. Gestern Abend nun wurde die Demo-Bewilligung zurück genommen, woraufhin die Organisatoren zu einer unbewilligten Demo und zu Nachdemonstrationen aufriefen. Sie betonten dabei, dass nun mit Ausschreitungen gerechnet werden müsse.

Vor einigen Wochen noch ging ich davon aus, dass nach dem Verschwinden des linksextremen Berner Stadtrats Daniele Jenni die führende Kraft der Chaoten fehlt. Leider hat ein gewisser Giovanni A. Schumacher (Bündnis für globalen Widerstand) die Position Jennis eingenommen. Hoffen wir, dass auch er nicht allzu lange in der Lage sein wird, die Chaoten anzuführen.

Giovanni A. Schumacher (Fashion)

Giovanni “Fashion” Schumacher ist der Polizei sehr wohl bekannt, wie er in diesem Interview stolz erzählt. Hier ein paar Auszüge davon:

  • Unsere Militanz kam aus dem Bauch. Wir klauten zum Beispiel in der Migros (…) für tausende von Franken, immer wieder rein und raus.
  • Als dann später während dem Kampf ums AJZ die Schmier hoch aufgerüstet eingefahren ist, haben wir zum ersten Mal die Staatsgewalt erlebt und impulsiv darauf reagiert. Ich war der Erste, der kriminalisiert wurde, weil die Bullen meinen Namen hatten und weil ich für sie schon der Rädelsführer der Ästhetikgruppe gewesen bin. Meistens bin ich vor oder nach den Demos verhaftet worden.
  • Wenn wir mit dem Polizeidirektor reden wollten, sind wir einfach in sein Büro gegangen: Da sind wir, und sie müssen mit uns reden! Dann kam meistens die Schmier.
  • Ich war immer wieder in Untersuchungshaft. Alle Urteile, die ich aus dem Jahr 1980 hatte, habe ich bis 1985/86 weitergezogen. Ich hatte sie deshalb noch gar nicht abgesessen ausser in Form von Untersuchungshaft. Ich war also immer wieder tagelang im Knast. 1983 wurde ich offiziell ausgeschrieben, weil ich abgetaucht war.
  • Wir schlagen alles kurz und klein.

Jetzt will mir doch wohl niemand angeben, dieser Mann wolle eine friedliche Demo? Auch für die nächste Woche hat Schumacher “Aktionen” angekündigt. Diese sollen nach seinen Angaben “spassig und kreativ” sein. Naja, hoffen wir mal, dass nicht nur die Chaoten “Spass” haben.

Anti-WEF-Demo

Die Homepage des Bündnis Globaler Widerstand trägt übrigens den bezeichneten Namen: bloodywef.__ (Blutiges WEF)

Zum Schluss noch eine Aussage von Giovanni Schumacher, die er am vergangenen Mittwoch in Bern vor den Medien machte:

“Wir werden uns nicht von militanten Aktionen distanzieren.”

Na dann, gute Nacht.

Anti-WEF-Demo Umfrage

Bilder © Schweizer Fernsehen SF / 10vor10

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Andreas Hobi arbeitet seit 2001 bei der SBB und dort seit 2004 beim Zugpersonal. In seiner Freizeit schreibt er auf schweizweit.net von seinen Erlebnissen und über andere spannende Stories aus der Welt des öffentlichen Verkehrs.

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Sven Januar 18, 2008 um 16:41

“Es wird zu Sachbeschädigungen und zu einem Polizeieinsatz auf Kosten der Steuerzahler kommen[...]” Der Steuerzahler muss leider Gottes auch schon für das WEF aufkommen, ob er will oder nicht. :(

“Die Demo in Bern wurde bewilligt, die Auflage war unter anderem, dass die Organisatoren einen eigenen Sicherheitsdienst bereitstellen.”Und das WEF stellt auch einen eigenen Sicherheitsdienst bereit? Zählt die Schweizer Armee jetzt dazu?

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Andreas Hobi | schweizweit.net Januar 18, 2008 um 18:27

Das WEF kostet nicht nur, sondern bringt uns auch Geld. Das Institut für öffentliche Dienstleistungen und Tourismus der Hochschule St. Gallen führte unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Bieger eine umfassende Studie über die wirtschaftliche Bedeutung des WEF durch.

Wirtschaftliche Effekte (Gesamtumsätze 2004):
Davos: ca. 23 Millionen Franken
Graubünden: ca. 24 Millionen Franken
Schweiz: ca. 42 Millionen Franken

Natürlich dürfen auch die Kosten für die Sicherheit nicht unerwähnt bleiben, welche uns entstehen. Die Daten sind ebenfalls wie oben auf das Jahr 2004 bezogen:
Ausgaben Gemeinde Davos: 1.25 Millionen Franken
Ausgaben Kanton Graubünden: 2.5 Millionen Franken
Ausgaben Bund: 3.75 Millionen Franken

(Das WEF selbst bezahlt 2.5 Millionen Franken alleine an Sicherheitskosten.)

Uns bleibt ein Gewinn von CHF 34.5 Millionen Franken.

Die Demonstrationen jedoch kosten nur, bringen aber keinen einzigen Rappen ein.

Der Grund für die Bedingung, dass die Demonstranten einen eigenen Sicherheitsdienst auf die Beine stellen, war wohl, dass mit Krawallen gerechnet wurde. Somit erklärt sich wohl auch, weshalb das Gleiche nicht vom WEF erwartet wird: Niemand rechnet damit, dass die WEF-Teilnehmer randalierend durch die Städte ziehen… :)

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Roland Januar 18, 2008 um 18:51

Man muss halt etwas machen um aufzufallen. Ich sehe das jetzt nicht so eng mit den Krawallen. Die bringen einem dazu, sich vielleicht auch mal Gedanken darüber zu machen, was hinter den Kulissen abgeht.

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Andreas Hobi | schweizweit.net Januar 18, 2008 um 22:39

Vermutlich sehen es viele nicht unmittelbar betroffene Personen “nicht so eng mit den Krawallen”… :)

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St. Gallerin Januar 20, 2008 um 00:57

Die Anti-WEF Demonstration in St. Gallen war sehr friedlich und aufschlussreich.. Passanten beobachteten die Demonstration mit Interesse! Es geht also auch ohne..

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Zofia Kowalska Januar 20, 2008 um 01:13

…Was jedoch morgen mit hoher Wahrscheinlichkeit in Bern und St. Gallen geschehen wird, kann ich nicht akzeptieren. Es wird zu Sachbeschädigungen und zu einem Polizeieinsatz auf Kosten der Steuerzahler kommen…

Diese Aussagen sind sehr wage, man muss sich zuerst mit dieser Szene in den beiden Städten auseinander setzen.
Die Demo in Bern wurde von revolutionären kräften organisiert. Hingegen wurde die Demo in St.Gallen von reformistischen kräften durchgeführt.
Diesen Unterschied sollte man bei einer analyse nie vergessen.

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St. Gallerin Januar 20, 2008 um 10:46

Das stimmt so nicht.. die Demo in St. Gallen war von revolutionären und reformistischten Kräften organisiert. Und vielleicht war genau diese Zusammenarbeit gut. Organisationen wie “Revolution” oder die Anarchisten, aber eben auch die Juso, die Grünen etc..

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