Kürzlich drückte mir eine Dame bei einer Kontrolle ihre Sitzplatzreservation in die Hände. “Danke schön, das wäre schonmal die Reservation”, sagte ich. “Nun bräuchte ich noch das Billett.” Die Dame schaut mich verwirrt an. “Die Fahrkarte bitte, your ticket please.” Fahre ich fort. Denn anscheinend ist sie eine Touristin oder aus sonstigen Gründen der deutschen Sprache nicht mächtig. Sie versteht mein Englisch: “Yes, yes! Ticket”, sagt sie und zeigt auf die Reservation, welche ich in den Händen halte.

Nun erkläre ich ihr auf englisch, dass dies nicht das Ticket sei, sondern “nur” die Platzreservation. Sie schaut verärgert drein. Das sei das einzige, was sie am Schalter erhalten habe. Ich erkläre ihr, dass sie bei mir noch ein Ticket nachlösen müsse, wenn sie nur diese Reservation gekauft habe. Doch sie widerspricht mir, sie habe auch für das Ticket bezahlt.

Ich frage sie nochmals, ob sie wirklich nur diese eine Karte erhalten habe, ob sie nicht vielleicht nochmals im Couvert (in welchem die Reservation anfänglich steckte) nachschauen wolle, ob dort wirklich nichts sei. Ich sei mir ganz sicher, dass sich dort drin noch ein Billett befinde.

Nein, sagt sie ohne nachzuschauen, dort drin sei sonst nichts. “Dann bleibt Ihnen nichts anderes mehr übrig, als jetzt bei mir ein Billett zu lösen. Haben Sie Bargeld dabei oder eine Kreditkarte?”

Sie wehrt sich immernoch vehement dagegen, zu bezahlen und sagt nach wie vor, sie habe bereits ein Billett gelöst. Also versuche ich es auf die andere Tour: “Wieviel haben Sie denn für das Billett ungefähr bezahlt?” Worauf sie mir umgehend antwortet: “95 Franken!”

“Voila”, sage ich. “Nun schauen Sie mal, was hier auf der Reservation steht: “5.00″

“Demnach müssten Sie doch bestimmt noch mindestens eine weitere Karte erhalten haben. Sind Sie sich ganz sicher, dass sich in Ihrem Couvert absolut nichts mehr befindet?” Ja, sie sei sich sehr sicher, bestätigt sie mir. Und sie werde bestimmt nicht nochmals zahlen.

“Dann tun Sie mir bitte den Gefallen, und schauen Sie nochmals in Ihr Couvert.”

Sie wirft mir einen äusserst bösen Blick zu, bevor sie ihr Couvert öffnet. Und siehe da, was kommt zum Vorschein? Ein Billett für CHF 90.00.

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