Heute bin ich auf den Artikel Klassentrennung - Alles egal bei der Bahn auf faz.net gestossen. Tilmann Lahme schreibt darin über die Deutsche Bahn und deren Vorgehen gegen Zweitklass-Reisende, welche sich in der 1. Klasse aufhalten.

SBB: Dame in der 1. Klasse

Vorallem beschreibt er ein Phänomen, welches ich zum Beispiel beim Zürcher Hauptbahnhof selber auch immer wieder beobachte: Kurz vor der Ankunft in Zürich bewegen sich ganze Völker von Zweitklass-Reisenden durch den ganzen Zug in die Erste Klasse, um so weiter vorne aussteigen zu können. Sehr zum Ärger der Reisenden in der 1. Klasse.

In Kopfbahnhöfen wie Frankfurt, München oder Leipzig, in denen Züge mit der Ersten Klasse voraus einfahren, Reisende der Zweiten Klasse aber den Vorsprung der privilegierten Passagiere nicht hinnehmen wollen, schiebt sich regelmäßig ein Rudel von Rollkofferziehern nach vorne durch die bessere Gesellschaft - zu deren Ärger.
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Tilmann Lahme

Lange Zeit hat die Deutsche Bahn nichts gegen diese Völkerwanderung unternommen, nun aber erfolgt jeweils kurz vor Ankunft in grösseren Bahnhöfen die Durchsage: “Mit Rücksicht auf die Gäste der Ersten Klasse bitten wir Passagiere der Zweiten Klasse, nur die Ausgänge in der Zweiten Klasse zu benutzen.”

Ich finde es toll, dass nun zumindest in unserem Nachbarland etwas gegen dieses immer grösser werdende Problem unternommen wird. Auch bei uns gibt es regelmässig viele Fahrgäste der 1. Klasse, welche sich über das Verhalten der “Zweitklässler” beschweren. Leider muss ich denen immer die Antwort geben, dass die SBB in dieser Sache momentan nichts unternehmen will.

Es gab sie früher mal, die Klassendiszplin. Jeder, der einen Fuss in die Erste Klasse setzte, bezahlte einen Klassenwechsel. Ein Aufenthalt auf den Treppen oder auf der Plattform der 1. Klasse war nicht erlaubt. Dies wurde unverständlicherweise abgeschafft. Die Klassendisziplin gilt nur noch bei den Sitzen.

Ich persönlich habe nichts dagegen, wenn Reisende die Toiletten in der 1. Klasse aufsuchen, falls die WCs in der zweiten Klasse mal besetzt oder defekt sein sollten. Auch habe ich nichts dagegen, wenn ausnahmsweise mal der Ausgang in der Ersten Klasse benutzt wird, falls man es eilig hat. Was sich jedoch jeden Morgen in den Pendlerzügen abspielt, ist nicht mehr akzeptabel.

Oftmals müssen die Fahrgäste der 1. Klasse (welche rund 60% mehr für ihr Billett gezahlt haben) warten, bis die Zweitklass-Fahrgäste ausgestiegen sind. Das darf nicht sein!

Wie gesagt, momentan erlaubt es die SBB, sich mit einem Zweitklass-Billett im Eingangsbereich der 1. Klasse aufzuhalten. Doch diese “Erlaubnis” wäre eigentlich für Ausnahmefälle gedacht. Nun wird der Druck seitens der Fahrgäste (1. Klasse) und des Zugpersonals immer grösser; beim Zugpersonal wird schon seit ein paar Wochen gemunkelt, dass es wohl nur noch eine Frage der Zeit sei, bis die Klassendisziplin wieder eingeführt werde. Dann wird es vorbei sein mit der Grosszügigkeit: Ausnahmefälle wird es dann nicht mehr geben.

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