SBB-Züge stehen im Stau
aargau, china, europa, mgb December 17th. 2007, 17:11Etwas das man bisher nur im Autoverkehr kannte, kommt nun auch je länger je öfter auf dem Schienennetz der SBB vor: Stau!

Besonders auf den Paradestrecken zwischen Zürich-Bern und Zürich-Basel sind Staus keine Seltenheit mehr. Das Schweizer Schienennetz ist so stark ausgelastet, wie kaum woanders in der Welt. Dies spürt man, wenn dann mal ein Zug verpätet ist: Es ist schwierig, ihn wieder in den planmässigen Betrieb einzufügen, ohne dass er den Fahrplan anderer Züge durcheinander bringt.
Vorallem nach technischen Störungen, Suiziden und Zügen, welche Anschlüsse abwarten, kommen die Fahrdienstleiter der SBB ins Schwitzen. Kaum ein Laie kann sich vorstellen, wie schwierig es in diesen Fällen ist, den Fahrplan einigermassen aufrecht zu erhalten und die Züge rechtzeitig an ihr Ziel zu bringen.
SBB-Sprecher Roland Binz sprach von einem “Dominoeffekt”, als er von der Berner Zeitung auf die Problematik angesprochen wurde:
“Wir haben kaum noch Spielraum, um Störungen kompensieren zu können. Die abfahrenden Züge warten aber jeweils drei Minuten auf verspätete Verbindungen.”
Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass es auch mal mehr als drei Minuten sein können; je nach Destination des Zuges. Und der letzte Zug am Abend in eine bestimmte Richtung wartet sowieso grundsätzlich alle Anschlüsse ab.
Je dichter der Takt einer Linie jedoch ist, desto unwahrscheinlicher wird es, dass der Anschlusszug wartet. In Regionen mit einem Halb- oder Viertelstunden-Takt kann man davon ausgehen, dass der Zug nicht wartet und man den nächsten nehmen muss.

Abhilfe werden erst die Ausbauten im Rahmen der “Zukünftigen Entwicklung der Bahninfrastruktur (ZEB)” schaffen. Dank ihnen wird das Netz für rund 5 Milliarden Franken verbessert und Problemstrecken ausgebaut. Doch bis dahin wird die SBB weiterhin am Limit fahren. Zum Ärger der Kunden und des Personals.
Bilder © (cc) K2D2vaca / Dom Dada (flickr.com)
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December 17th, 2007 at 17:27
Ja, dieses leidige Abwarten! :( Gerade damit werden Verspätungen weitergereicht, denn die lokalen Anschlussverkehrsmittel können häufig nicht abwarten … dann steht man eine halbe Stunde oder länger bei Regen und Kälte draussen … :(
December 17th, 2007 at 17:40
Man kann es nie allen recht machen…
Das absolute “Highlight” habe ich mal im St. Galler Rheintal erlebt: Der Zug fuhr von Chur nach St. Gallen. In Buchs SG mussten wir den Anschluss von Österreich abwarten, danach fuhren wir weiter nach Altstätten, Heerbrugg und St. Margrethen. Ich hatte Reisende, welche in St. Margrethen auf den Zug nach Bregenz (Österreich) mussten.
Der Zug nach Österreich wartete nicht…
Kurz zusammengefasst: SBB wartet auf ÖBB, aber ÖBB wartet nicht auf SBB! Ich freue mich auf die Euro08! ;o)
December 18th, 2007 at 09:56
Langsam müssen wir uns mit dem eigentlichen Problem auseinandersetzen, nämlich unsere Mobilität.
Bis anhin haben wir nur dem privaten Personenverkehr (Auto) dem Kampf angesagt und den Umstieg auf die Bahn propagiert. Nun kommt bald auch die Bahn an ihre Kapazitätsgrenze. Somit hat unsere Mobilität nicht nur ökologisch gesehen ihre Grenzen erreicht.
Die Gesellschaft muss sich überlegen ob die rein wirtschaftlichen Kriterien die unsere Mobilität prägen noch tragbar sind. Wir können nicht grenzenlos Strassen und Bahnlinien bauen und ständiges Wachstum haben. Wir sind gefordert und vor allem unsere Politiker sind gefordert, Wege und Mittel zu finden, um Mobilität im Allgemeinen zu reduzieren. Etwas anderes als Reduzieren können wir uns weder ökologisch noch ökonomisch mehr leisten.
December 18th, 2007 at 23:16
Sicher ärgerlich für die, welche davon betroffen sind, Personal inbegriffen.
Aber haben sich dies nicht unsere SBB-Manager nicht selber eingebrockt, die immer wieder behaupten, ein paar wenige Minuten rascher von A nach B sei was der Kunde wünsche! Ich meine Quatsch, ich als Kunde mit GA wünsche Zuverlässigkeit, also Anschlüsse die erfüllt werden können und keine oft verlogene Ausreden wie “Lok defekt wenn der Führer noch in einem andern Zug steckt” und für diesen Zug fehlt!
Oder bin ich kein Kunde?
E gueti Nacht, John
December 18th, 2007 at 23:32
@Andreas: Wer am HB strandet, kann sich wenigstens verpflegen, sich ans Personal wenden und und und … strandet man an einem Regionalbahnhof, gibt es keine solchen Möglichkeiten und man muss draussen warten – unerfreulich! :(
December 18th, 2007 at 23:36
Da hast Du natürlich Recht… :(
December 18th, 2007 at 23:38
Abgesehen davon sehe ich natürlich den Zielkonflikt der SBB … aber wenn ein Zug wie beispielsweise der Churer Zug ab Zürich HB am Abend fast nie pünktlich verkehrt, dann wirft das für mich auch Fragen zur Fahrplangestaltung auf – bei den SBB, aber auch im ZVV (regionale Anschlussverbindungen).
December 18th, 2007 at 23:46
Da kommt dann wohl wieder das altbekannte Problem zum Zuge: Anschlüsse abwarten, Ankunftsverspätung von (Brüssel / Hamburg -) Basel her etc.
Und die S-Bahnen sind dann natürlich in Thalwil, Wädi und Pfäffikon weg, da Regionalzüge grundsätzlich nicht warten. (In Ziegelbrücke schaut es wieder anders aus (Regio ins Glarnerland), weil dieser Zug nur stündlich fährt.)
Ich denke, es wurde schon darauf geachtet, dass der Fahrplan möglichst optimal gestaltet wird. Vermutlich geht es teilweise kaum anders, da sich die Züge sonst in die Quere kommen. (Gegenzüge, Güterzüge etc.)
December 18th, 2007 at 23:57
Leider fehlt es in solchen Fällen meistens an der rechtzeitigen Information. Thalwiler und Wädenswiler beispielsweise könnten häufig auf die S2 ausweichen, die ein paar Minuten vor dem Schnellzug fährt … bloss müsste man halt wissen, dass der Schnellzug verspätet verkehrt, was leider meistens erst NACH der fahrplanmässigen Abfahrtszeit des Schnellzuges mitgeteilt wird. Dabei verspäten sich die Züge, die es abzuwarten gilt, wohl nicht erst auf den letzten paar km vor Zürich …
December 19th, 2007 at 00:15
Mmh… Also ich gebe die Informationen im Zug wenn immer möglich sofort weiter, sobald ich sie selber habe. :)
Nur in Deinem Fall nützt das nichts, da dort die Infos im Bahnhof kommen müssten. Melde das doch mal dem Kundendienst.
Bei Abwarten von Anschlüssen erfahren wir leider auch oft erst im letzten Moment davon. So dass wir die im Zug sitzenden Personen auch nicht mehr auf die S-Bahnen hinweisen können…
December 19th, 2007 at 13:12
Umsteigen in die S-Bahn!
Auch dies ist nicht das Gelbe vom Ei. Kürzlich abends in Biel. Verspätet von St. Gallen herkommend reicht es mir mit einem Spurt noch den Reginal-Express nach Lyss-Bern zu erreichen. Doch das übliche Gelafer (Begrüssung) tönt heute anders: “Wegen Lok-Defekt erhält der Zug eine unbestimmte Verspätung”. Sofort verlasse ich den RE im Wissen dass zwei Gleise weiterhinten die S-Bahn üblich 3 Minuten nach dem RE auch nach Bern unterwegs sein wird.
Doch in der S-Bahn wird die BLS-Begrüssung jäh unterbrochen mit der Durchsage (der Stimme nach aus dem Zug) dieser Zug erhalte wegen fehlendem Lok-Führer eine unbestimmte Verspätung. Dann sehe ich wie eine Person aus dem Führerstand mit seinem Köfferli den Zug verlässt und der Unterführung zustrebt. Und dann das Unverständliche: Nach kurzer Zeit fährt der RE weg und die S-Bahn bleibt stehn! Lokführer ausgetauscht?! …
December 19th, 2007 at 13:41
Mein erster Gedanke: “Da fehlte wohl im IR Lyss-Bern ein Lokführer…”
Aber irgendwie erscheint mir das unlogisch, denn die S-Bahn wird ja von der BLS betrieben und der IR von der SBB… Oder sehe ich da was falsch?
December 19th, 2007 at 16:11
Richtig, die S-Bahn Bern ist grösstenteils von der BLS betrieben, ein Teil (Richtung Burgdorf und Emmental) von der RM (Regionalverkehr Mittelland).
December 19th, 2007 at 16:51
Ja, diese Gedanken habe ich mir auch gemacht. Doch seit ich weiss für wen die BLS (ausser mit DB-Loks durch die Schweiz) auch noch fährt, schliesse ich nichts mehr aus!
December 19th, 2007 at 17:16
Naja, ausschliessen will ich es auch nicht. Nur halte ich es nicht für sehr wahrscheinlich, dass ein BLS-Lokführer für einen “verloren gegangenen” SBB-Kollegen einspringt.
Blieb die S-Bahn danach noch lange stehen?
December 19th, 2007 at 17:52
Von der Ankunft in Bern zurückgerechnet etwa 11 Minuten!
December 20th, 2007 at 01:26
@ Raff (Kommentar 3): Es ist wohl unbestritten, dass Mobilität zum Wirtschaftswachstum beiträgt. (Man stelle sich mal vor, wir würden immer noch mit Pferdekutschen herumfahren. Wo wäre unsere Wirtschaft dann?) Man müsste also Lösungen finden, die Mobilität zu reduzieren, ohne die Wirtschaft zu schädigen.
Oder aber man sucht nach Möglichkeiten, das wachsende Mobilitätsbedürfnis zu befriedigen. Ein Beispiel dafür könnte der längst überfällige Bau der Swissmetro sein. Oder aber das System “Ultra”, welches ich in diesem Wochenrückblick unter “Video der Woche” bereits kurz vorgestellt habe. (Momentan arbeite ich noch an einem Beitrag zu diesem Thema.)
December 20th, 2007 at 08:23
Nein von Pferdekutschen wollen wir ja gar nicht reden. Aber auch in den 50er und 60er Jahren hatten wir Wirtschaftswachstum, ohne das Tausende von Menschen jeden Tag von Zürich nach Bern, von Basel nach Zürich usw. fuhren.
Es geht eher darum, dass man den Wirtschaftswachstum von der immer mehr steigernden Mobilität abkoppeln muss.
Es mag vielleicht irgendwann mal wirtschaftlich sein, dank Swissmetro & Co. im Tessin zu wohnen und jeden Tag nach Basel zur Arbeit zu fahren, aber ob wir uns das ökologisch leisten können, wage ich stark zu bezweifeln?