Die Soldaten mit ihren Sturmgewehren

von Andreas Hobi am 12. Dezember 2007 · 12 Kommentare

Eine Frage, dich ich mir bei meiner Arbeit immer wieder stelle: (Insbesondere am Freitagabend / Samstagmorgen und am Sonntagabend): Wie wirken wohl die zahlreichen Rekruten und Soldaten auf die Touristen, welche in der Schweiz ihre Ferien verbringen?

Diesbezüglich habe ich schon die verschiedensten Reaktionen seitens der Fahrgäste gesehen. Von erstaunten Blicken (wenn wieder mal eine ganze Gruppe Rekruten aus einem Zug steigt) bis hin zu direkten Fragen war alles dabei. Ich wurde schon öfters gefragt, ob diese “Militärs” aus einem anderen Land zurückkehren oder in ein anderes Land gehen.

Ist das wirklich das Bild, welches wir den Touristen vermitteln wollen? Die Schweiz, das Land das sich in fremde Angelegenheiten einmischt und seine Soldaten in den Krieg schickt. Super!

Wenn man dann noch schaut, wie sich viele Rekruten in den Zügen aufführen (Alkohol und Gegröle bis zum abwinken), dann drängt sich wirklich die Frage auf, ob hier nicht etwas schief läuft. Die Schweiz, das Land mit den grölenden Soldaten. Das ist es, was die Touristen sehen wollen, die von weit her für viel Geld zu uns reisen.

Noch ärgerlicher, wenn diese Soldaten ihre Sturmgewehre auf den Rücken tragen. Ich persönlich wäre schon längst dafür, dass die Waffe nicht in den Privatbereich der Soldaten gehört. Zahllose Beispiele haben in der Vergangenheit gezeigt, wozu eine zu Hause aufbewahrte Armeewaffe führen kann.

Leider gibt es nach wie vor einige kranke Menschen (insbesondere aus dem rechten Lager), welche bis heute nicht begriffen haben, dass die Waffe nicht nach Hause gehört. Im Kalten Krieg mag diese Massnahme noch ihre Daseinsberechtigung gehabt haben; heute aber ist dieses Vorgehen blanker Unsinn. Die Waffe gehört ins Zeughaus. Ohne Diskussion. Ich applaudiere dem Kanton Genf für sein fortschrittliches Denken. (Im Kanton Genf kann die Waffe freiwillig im Zeughaus abgegeben werden.)

Doch zurück zum Thema: Wie würden wir uns fühlen, wenn wir an einem Strand in der Toskana liegen und plötzlich tauchen auf den Strassen ganze Heerscharen von Soldaten auf? Wie würden wir uns fühlen, wenn am Times Square in New York plötzlich ganze Busse voller Soldaten auffahren würden?

Ein beklemmendes Gefühl, wie ich am 14. Juli dieses Jahres in Paris merkte. Ich machte eine Woche Ferien in der französischen Hauptstadt und reiste am Nachmittag des 14. Juli (=Nationalfeiertag) ab. Am Morgen sah ich dutzende Cars durch die Strassen fahren, voller Soldaten. Auf den Strassen: Soldaten soweit das Auge reicht. Auch die Jungs mit den weissen Käppli (Légion Étrangère) waren überall vertreten. Ein grässlicher Anblick! Und genau so fühlen sich wohl die Touristen in der Schweiz.

Muss das sein?

Gestern nun hörte man in den Medien von einer weiteren Meldung, welche die Schweizer Armee und den Tourismus betrifft: Die Flüge der F/A-18-Düsenjets ab Meiringen nehmen nächstes Jahr zu. Auch in den Sommerferien. Schade, denn diese Touristen sind bestimmt nicht so blöd, als dass sie jemals ein zweites Mal in die Schweiz zurückkehren, um hier ihre Ferien zu verbringen. Volkswirtschaftlicher Blödsinn sondergleichen. Danke Sämi. Hast du geil gemacht.

Den “Schweiz aktuell”-Beitrag zum Thema gibt es unter folgendem Link:

Wie werden die vielen Fussballfans an der Euro08 wohl über die Schweiz denken, wenn sie an den Wochenenden überall die Armee sehen? Könnte da vielleicht sogar der Eindruck entstehen, die Schweizer Armee sorge sich auch um die Innere Sicherheit des Landes, gleichberechtigt mit der Polizei? Wäre das nicht sogar problematisch? Was, wenn sich ein Soldat gegenüber einem ausländischen Gast als Ordnungshüter ausgibt?

Ach, ich weiss nicht, wie ich über all dies denken soll. Die ganze Geschichte hinterlässt bei mir ein ungutes Gefühl.

Die Pilgerströme bestehend aus Soldaten, welche von den Kasernen nach Hause und am Sonntagabend wieder zurück in die Kaserne reisen, lassen sich kaum verhindern. Dass aber jeder 10. Soldat seine Waffe auf sich trägt, liesse sich bestimmt ändern.

Wir Schweizer sind es uns vermutlich gewöhnt, im Zug in der Nähe eines Menschen zu sitzen, der seine Waffe offen zeigt. Viele Gäste aus fernen Ländern fühlen sich in einer solchen Situation jedoch bedroht oder können die Situation nicht einschätzen, fühlen sich dadurch zumindest verunsichert. Das muss nicht sein.

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Bild 1 © (cc) Kecko (flickr.com)
Bild 2 © (cc) Thomas Beck (flickr.com)


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tma Dezember 12, 2007 um 17:01

Wegen der Sorge um den Tourismus die Armee einschränken oder gar abschaffen wollen, das find ich ziemlich glatt ;). Womöglich ist dir der Auftrag der Armee gemäss Bundesverfassung nicht bekannt. Wenn wer was anderes von der Armee will, gibts das Instrument der Volksinitiative.

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Chris Dezember 12, 2007 um 17:34

Etwas überspitzt finde ich, ist die ganze Problematik dargestellt, finde ich.
Auf der anderen Seite muss ich sagen: So unrecht hast du nicht mit deinem Artikel.

So verstehe ich zum Beispiel sehr gut, dass Adelboden für den FIS Weltcup am 5./6. Januar nicht die Armee im Einsatz wollte (die Diesen sogar gratis angeboten hat), sondern den Zivilschutz aufbot (Ende Oktober wurde die nötigen 150’000 Franken für dieses Jahr vom Kanton gesprochen)…
Ich persönlich möchte keine Armeeleute in ihren Uniformen auf und neben der Piste haben…

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Andreas Hobi (schweizweit.net) Dezember 12, 2007 um 20:09

Neee, ganz abschaffen liegt auch nicht wirklich in meinem Sinne. Aber das Auftreten der Armee-Angehörigen in der Öffentlichkeit, das gefällt mir nicht.

Und dass die Armeewaffe offen gezeigt werden darf, behagt mir wie gesagt auch nicht.

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Dave Dezember 12, 2007 um 22:31

Bin mehr per Zufall über die Seite gestossen.

Aufrteten der Rekruten: Es ist meist ein Problem der Rekruten, die sich so arogant in Zügen und Bahnhöfen verhalten. Dies ist aber meist ein Problem der Eltern (Erziehung), des Anstandes. An 2. Stelle ein Problem der Armee.
Aber seit doch stolz, dass in der Schweiz ein Armeeangehöriger noch auf der Strasse frei herumspazieren darf, ohne gleich überall schlecht behandelt zu werden (Geschäfften, Restaurants usw).

Von allen Waffendelikten in der Schweiz (jährlich ca. 400), geschehen gerademal 1% mit einer Armeewaffe. 1% zuviel, aber diese würden auch sont passieren. Dies verschweigt die ebenso dummen Linken gerne. Somit ist das Intelligenzniveau wieder hergestellt ;)

Was ich dafür bin, ist ein zentrales Waffenregister über alle Waffen und Bewohner dieses Landes zu führen. Denn somit können Täter schneller gefasst werden, und Waffen können nicht mehr einfach so im See versenkt werden, bzw. Diebstähle würden so viel schneller gemeldet.

Ob Waffe zuhause oder nicht, da scheiden sich die Geister oder Lager, aber hier ein paar Beispiele oder Konsequenzen die gemacht werden müssten:

- Wer lagart wo die Waffe.
Wir haben im Moment 600’000 AdA’s, d.H. es sind 600’000 Waffen in Schweizer Haushalten (+/-). Wenn Ende jedes WKs die Waffe abgegeben werden muss, muss die irgendwo gelagert werden, und im nächsten Jahr irgendwo abgeholt.
Annahme: Ich hab die Waffe in Zürich (meinem ehemaligen Wohnort) abgegeben, und wechsle meinen Wohnort aus irgend einem Grund nach Genf, und hab den nächsten WK im Tessin. Wie kommt die Waffe von Zürich nach Tessin?

- Wer ist zuständig für die Waffe
Ist der AdA noch selber zuständig für die Waffe? Es wird automatisch (und sie sind naiv, die mir widersprechen) weniger Rücksicht auf etwas genommen, dass nach kurzer Zeit wieder abgegeben werden kann. Unsere Waffen sind so funktionstüchtig, weil jeder AdA mindestens 1x im Jahr mit der Waffe das obligatorische schiessen muss, und es in seinem Interesse ist, die Waffe sauber zu halten.

- Wer zahlt die Logistik?
Die heutige Armeelogistik (und dies ist aus meiner Sicht ein Fehler an der Armeeführung), ist heute schon beim normalen WK-Betrieb ausgelastet. Ich freue mich auf die Euro 08, ich höre schon QM und LogOf’s fluchen wegen fehlendem Personal, Material und fahrbaren Untersätzen. Wer organisiert die Logistik für Punkt 1 (wer lagert wo die Waffe).

Schlusswort:
Falls die Waffe abgegeben werden muss (ich hoffe nicht), muss sich das Volk und die Armee 2 Sachen bewusst machen:
1. Eine persönliche Waffe ist so nicht mehr realistisch, man hat dann wahrscheinlich Deutsche verhältnisse (1 Gewehr auf 3 Rekruten, 1 Gewehr auf 10 Soldaten generell)
2. Die Armee wird teurer, da die Logistik wieder hochgefahren werden muss.

So long:
Dave

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Andi Dezember 12, 2007 um 22:32

Ganz Deiner Meinung. Ich kam mir als Rekrut reichlich bedeppert vor, mit einem Mordinstrument, das sonst zu fast nichts taugt, öffentlich herumzupazieren. Das ist so birnenweich und peinlich! Gerade nach Fällen wie “Hönggerberg” gehts mir nicht in den Schädel, dass das öffentliche Tragen von Waffennicht umgehend verboten wird.

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RAFF Dezember 13, 2007 um 09:38

@Dave:
Du siehst eben Probleme, wo keine sind.
Wenn die Armee für ihre Kanonen, Panzer und Flugzeuge platz hat, wird sie auch platz für die Armeewaffe haben. Und da jeder Rekrut schon heute eine eigene Armeewaffe hat, werden wir keine Verhältnisse wie in Deutschland (1 Gewehr auf 3 Rekruten) haben. Schliesslich haben wir ja so viele Armeewaffen, dass man die am Ende des Militärdienstes sogar für ein Taschengeld erwerben kann. Wir werden also kein Mengenproblem haben.
Eins ist aber klar: Die persönliche Waffe wird abgeschafft. Du kriegst deine Waffe (und eben irgend eine) dort, wo du einrückst, und musst halt diese neu einstellen. Im Ernstfall musst du ja auch fähig sein irgendein Gewehr benutzen zu können. Du kannst dann nicht einfach nach Hause gehen, weil du deine persönliche Waffe nicht mehr hast, oder?
Das braucht alles keine ausserordentliche Logistik.

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Dave Dezember 13, 2007 um 19:11

Ein Panzer ist nicht gleich einem Gewehr. Ein Panzer kann nicht einfach so geklaut werden, ohne dass man es nicht merken würde. Zudem ist Panzermunition wesentlich schwerer zu beschaffen als normale GP90.

Ein StGw müsste sicher verschlossen werden, und niemand dürfte einen Schlüssel haben. Sonst haben wir dasselbe wie beim Waffendiebstahl anfang dieses Jahres. Ein verdammtes Theater, und dann sind nicht “nur” 20 Waffen weg, sondern 20’000.
Heute müsste, für die gleiche Anzahl Waffen, ca. 10’000 Haushalte überfallen werden (Familie mit ca. 2 Kinder (aufgerundet), einer davon Sohn, Vater hat seine Waffe behalten, Sohn ist Dienstpflichtig).

Ich bin überzeugt, es gäbe einen Einbruchsrun auf diese Lager ,wo die immer liegen würden. Denn für ein StGw kriegt man auf dem Schwarzmarkt je Stück ca. 2000 US$. Wenn es sich nicht lohnt so kurz 20’000 Waffen (bei einem geglückten Einbruch) abzustauben, was dann?

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Andreas Hobi (schweizweit.net) Dezember 13, 2007 um 19:17

Habe gar nicht gewusst, dass die Armee einen Raum hat für 20,000 Waffen… :)

Nein, die Waffen könnte man natürlich auch dezentral lagern und von unseren “top ausgebildeten” (so sagt es die Armee) WK-Soldaten bewachen lassen. Denen ist ja oft sowieso langweilig.

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Dave Dezember 13, 2007 um 19:24

Und über das Wochenende? Weihnachten? Pfingsten? Ja, Wochenendwache. Aber: Über Weihnachten und Pfingsten ist niemand im Dienst. Während dieser Zeit ist die Schweiz Schutzlos *gg*

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RAFF Dezember 13, 2007 um 19:46

Hey dann klaue ich den Panzer an Weihnachten! *gg*

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Andreas Hobi (schweizweit.net) Dezember 13, 2007 um 20:28

Bin dabei! Suche nämlich noch nach einem Weihnachtsgeschenk für meinen Vater… :)

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Hermi August 25, 2009 um 17:33

Ich frage mich sowieso weshalb alle anderen Armeen ausser unsere für die Waffen Taschen haben. wär zumindest eine lösungsvariante. und wohl auch die günstigste.

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