Spock: Kontrolliere, was das Web über Dich weiss!

von Andreas Hobi am 7. Dezember 2007 · 12 Kommentare

Die wenigsten von euch kennen sie vermutlich. Doch in meinen Augen steht ihr eine grosse Zukunft bevor, ob es uns nun passt oder nicht. Die Rede ist von Spock, der grössten Personen-Suchmaschine der Welt.

Im deutschsprachigen Raum, wenn nicht sogar in ganz Europa, hält sich der Bekanntheitsgrad von spock.com noch in Grenzen. Anders sieht es in den Staaten aus. Und wie es die Vergangenheit immer wieder gezeigt hat: Was heute in Amerika populär ist, wird morgen auch bei uns beliebt sein.

Wobei “beliebt” unter Umständen das falsche Wort für Spock ist. “Bekannt” trifft es schon eher. Nicht jedermann freut sich über die Personen-Suchmaschine, welche 2006 von Jay Bhatti und Jaideep Singh gegründet wurde.

Denn: Du kennst Spock heute vielleicht noch nicht, aber sie kennen Dich bestimmt schon längst! Ich war erstaunt, als ich sah, was Spock schon über mich wusste… (Bereits bevor ich anfing, die Ergebnisse zu bearbeiten.)

Welche Daten sammelt Spock?

Nach eigenen Angaben hat die Suchmaschine bereits “über 100 Millionen Menschen indexiert und 1.5 Milliarden Datensätze gesammelt”. Die Jungs von Spock haben es sich zum Ziel gesetzt, jeden Menschen der Welt zu indexieren, der Zugang zum Internet hat. Denn sobald man sich im weltweiten Netz befindet, hinterlässt man Spuren. Diese werden von Spock gefunden und verzeichnet.

Die Suchmaschine durchsucht laufend Biografie-Seiten, Verzeichnisse, Blogs, News-Seiten, Wikipedia, Foto-Seiten und Social Networks (LinkedIn, XING, Myspace, Friendster, Facebook) nach bestimmten Personen und setzt die Ergebnisse danach zusammen. Jeden Tag kommen so Millionen von neuen Datensätzen zusammen.

Im Grunde genommen macht Spock also nichts anderes, als bereits im Internet existierende Daten zu sammeln und einzuordnen.

Wie kann ich auf Spock nach Personen suchen?

Es gibt verschiedene Arten, um jemanden auf Spock zu finden: Am einfachsten ist es natürlich, gleich den Namen einzugeben. Man kann aber auch die Stadt der Person angeben und erhält danach alle indexierten Menschen in dieser Stadt. In meinem Beispiel wäre das Chur mit 384 Suchergebnissen, darunter H. R. Giger, Mario Frick, Angelica Kauffmann, Kurt Huber, Johanna Spyri, Wolfgang Haas, Giorgio Rocca, Christian Menn und Hans Gmür. Irgendwo tauche dann auch ich auf.

Natürlich kann man auch das Land eingeben, und erhält dann im Beispiel Schweiz über 187,000 Personen. Interessanterweise bestehen die ersten Suchresultate beinahe ausschliesslich aus Fussballern. ;o)

Interessant wird es, wenn man nach bestimmten Stichworten sucht. So ist es zum Beispiel möglich, nach Leuten zu suchen, welche blaue Augen haben, weiblich sind und in Basel wohnen, wie dieses Suchergebnis zeigt. Ok, diese Suchergebnis-Seite lässt noch zu wünschen übrig, aber gute Ansätze sind vorhanden.

Ein grosses Plus von Spock sind die sogenannten “Tags”. Dank ihnen ist es möglich, die Menschen zu kategorisieren (geografisch, Geburtstag, Hobbies etc.). Das zweite grosse Plus – die Selbstkorrektur durch die Nutzer – wird im nächsten Abschnitt erklärt.

Wie kann ich Spock für mich nutzen?

Die Suchmaschine wird Dich früher oder später indexieren. Egal ob Dir das passt oder nicht. Deshalb kommst Du wohl kaum drum herum, Deine Online-Identität zu “pflegen” und darauf zu achten, dass Spock nichts falsches über Dich erzählt.

Um Spock für sich zu nutzen geht man ganz einfach auf die Startseite und sucht nach dem eigenen Namen.

Danach sucht man in den Ergebnissen nach der eigenen Person und klickt sie an.

Und sogleich öffnet sich das Profil mit allen gesammelten Daten. In der rechten Seitenleiste befinden sich nun die Daten zu Name und Geschlecht. Gleich darunter siehst Du das unten stehende Kästchen. Hier klickst Du nun auf “Claim Your Search Result”, um zu bestätigen, dass Du diese Person bist.

Nun befolgst Du die angegebenen Schritte, um deine Identität zu bestätigen. Et voilà, es ist getan!

Jetzt hast Du endlich die Möglichkeit, Deine Daten zu bearbeiten. Zu jedem Datensatz kannst Du Deine Meinung abgeben: Trifft die Aussage auf Dich zu oder nicht? Um gleich das Beispiel hier unten zu nehmen: Bist Du Student an der Universität Bern?

So nimmst Du Einfluss auf die Ergebnisse und kannst sie zu Deinen Gunsten anpassen. Denn Du weisst nie, wer auf Spock nach Dir sucht. Es kann Dein Nachbar sein, dein nächstes Date oder auch der zukünftige Arbeitgeber. Es ist daher wichtig, auf welche Daten Personen stossen, wenn sie nach Dir suchen.

Natürlich hast Du auch die Möglichkeit, völlig neue Daten hinzuzufügen, um Dein Profil zu vervollständigen. Und zu guter Letzt bietet Spock Dir an, eine Nachricht zu schicken, sobald die Suchmaschine etwas neues über Dich gefunden hat. So bleibst Du bezüglich Deinem Profil immer auf dem Laufenden.

Manche werden den Sinn und Nutzen dieses Dienstes heute vermutlich noch nicht sehen. Da es aber nur noch eine Frage der Zeit ist, bis Spock auch bei uns in aller Munde ist, lohnt es sich, darauf vorbereitet zu sein und das Profil von falschen Daten “bereinigt” zu haben, bevor der Chef oder Nachbar es sich anschaut. :)

Siehe dazu auch: 5 Tipps für eine bessere Online-Reputation auf imgriff.com

Wer sollte sich um seine Online-Reputation kümmern?

Jeder, der eine (private) Website oder einen Blog betreibt oder auf StudiVZ, Xing und in Singlebörsen aktiv ist. Natürlich müssen sich auch alle jene um ihre Reputation kümmern, welche in Foren aktiv sind oder in Blogs und News-Sites Kommentare schreiben.

Welche Gefahren gehen von Spock aus?

Jeder Benutzer kann nicht nur seine eigenen Daten bearbeiten, sondern auch die Profile anderer Menschen. Hier besteht die Gefahr von Missbrauch. Was wäre, wenn plötzlich jemand “Alkoholiker” in Dein Profil schreibt oder wenn jemand Micheline Calmy-Rey als Hure bezeichnet? Es besteht natürlich auch die Gefahr, dass Profile zugespammt werden. Ich bin gespannt, wie das Spock-Team diese Aufgaben lösen wird.

Auch aus Datenschützer-Sicht sind Dienste wie Spock bedenklich, lassen sich jedoch nicht aufhalten. Besser ist es also, man arrangiert sich mit ihnen.

Hat Spock Zukunftschancen?

Angeblich beziehen sich um die 30% aller durchgeführten Suchen weltweit auf Personen. So gesehen steht der Personen-Suchmaschine Spock eine glänzende Zukunft bevor. Heute schafft es Google (noch) nicht, eine gute Personesuche durchzuführen. Wenn ich nach einer bestimmten Person suche, will ich zum Beispiel mehr wissen über ihre Hobbies, ihr Alter, woher sie kommt, wie sie aussieht. Spock kann mir diese Fragen zum Teil beantworten.

Einen weiteren Vorteil von Spock erkläre ich euch im folgenden Beispiel: Nehmen wir mal an, ich suche nach “Bill Clinton”. Auf google.com erhalte ich dazu 1.27 Millionen Suchergebnisse. Ich suche aber nicht den Ex-Präsidenten Bill Clinton sondern den italienischen Finanz-Manager Bill Clinton. Bei Google würde dieser – wenn überhaupt – erst nach tausenden von Seiten auftauchen. Bei Spock ist er bereits auf der zweiten Seite zu finden. Spock scheint für Personensuchen also besser geeignet zu sein.

Es ist daher nicht auszuschliessen, dass Spock zu jenen Firmen gehört, welche irgendwann von Google geschluckt werden. :)

Hat Spock Konkurrenz?

Ja, es gibt einige Internetdienste, welche im gleichen Feld tätig sind wie Spock. Jedoch verfügen diese kaum über die gleiche Qualität:

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Andreas Hobi arbeitet seit 2001 bei der SBB und dort seit 2004 beim Zugpersonal. In seiner Freizeit schreibt er auf schweizweit.net von seinen Erlebnissen und über andere spannende Stories aus der Welt des öffentlichen Verkehrs.

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{ 12 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }

Puppet Master Dezember 7, 2007 um 18:46

bin gespannt wie es sich entwickelt. Bin selber der Meinung das man auch auf seine Identität im Internet acht geben muss. All zu oft ist es auch ein einfaches Mittel über Geschäftspartner und andere Bekanntschaften Informationen zu sammeln.
Spannend wird es vor allem wenn man einen Namen hat der nicht all zu verbreitet ist. Ev. gibt es ja noch Personen da draussen die den gleichen Namen tragen wie ich…

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Andreas Hobi (schweizweit.net) Dezember 7, 2007 um 19:33

Angeblich soll Spock fähig sein, Personen mit gleichen Namen voneinander unterscheiden zu können, alleine aufgrund der gefundenen Daten. Ob das auch immer so klappt, wird sich zeigen.

Ein Beispiel das genau das Gegenteil zeigt, habe ich auch schon gefunden. Es gibt einen Eintrag auf den Namen “Wolfgang Haas” und einen auf “Bishop of Chur”. In Tat und Wahrheit handelt es sich aber um ein und dieselbe Person.

Die User haben für solche Fälle die Funktion “Merge duplicates”, können also die Suchergebnisse miteinander “verschmelzen”. Na wenn das mal nicht zu Missbrauch führt… ;o)

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Peter Yasni Dezember 9, 2007 um 21:24

Aus meiner Sicht sehr guter Artikel. Kleine Ergänzung:
Spock bildet automatisiert Personenprofile. Also Profile aufgrund von Internetdaten. Dies ist nach deutschen und m.W. auch europäischem Datenschutzrecht nicht erlaubt. Bei Bill Clinton ist das weniger ein Problem, der ist öffentlich. Was ist aber, wenn Ihr Name zufällig in Zusammenhang mit Ihrem Wohnort und z.B. Drogensucht im Web auftaucht? Wie sieht dann das Personen-Profil bei Spock aus? Ist das so intelligent, die Wahrheit zu erkennen? Wir sehen das kritisch. yasni (deutschsprachige Personensuche für Deutschland, Österreich, Schweiz) verhält sich datenschutzkonform.

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Daniel Dezember 18, 2007 um 11:20

Schon ein wenig erschreckend, wie einfach man heute ein Persönlichkeitsprofil erstellen kann. Die automatische Bildung von Personenprofilen empfinde ich auch als rechtlich bedenklich. Da wird es mit Sicherheit nicht lange dauern, bis erste Beschränkungen hinsichtlich des Zugriffes rechtlich durchgesetzt werden.

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jamie Dezember 18, 2007 um 19:26

Bevor ich ein Profil bei denen claime um die daran zu hindern mich offenzulegen werde ich sie auffordern die Daten zu löschen und notfalls dagegen klagen. Ich lass mich doch nicht vor deren Karren spannen, und claime auch noch ein Profil!

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Mathias April 1, 2008 um 20:30

Schon erschreckend was alles so gespeichert werden kann. Man soltle deshalb auch bei den ganzen Web 2.0 Seiten dann auch kein Mist bauen, denn wenn der neue Arbeitgeber eine Recherche macht, dann könnte es ein schlechtes Bild auf einen werfen.

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lukas Juli 15, 2008 um 11:18

spock ist ganz nett, aber http://www.123people.de ist doch um einiges besser und akkurater bzgl. suchergebnisse und usability!

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Andreas Hobi Juli 15, 2008 um 14:04

Mmh… Bisher konnte mich Spock noch leicht besser überzeugen. Habe mir 123people damals auch angeschaut, aber was meine Person betrifft stimmen doch sehr viele (über 50%) sogenannte “Treffer” nicht.

Ausserdem habe ich das Gefühl, dass man bei Spock mehr Kontrolle über die Daten hat und besser beeinflussen kann, was angezeigt wird und was nicht.

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Sandra Januar 15, 2010 um 01:29

Die Gefahr ist immer, dass was aus jugendlichem Leichtsinn im Internet preisgegeben wird sich irgendwann einmal recht. Immer megr Arbeitgeber informieren sich vorher bei Bewerbungen im Internet…

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fschuetz Januar 18, 2010 um 12:58

Den eigenen Online-Ruf zu kennen und zu pflegen, gewinnt in der Tat zunehmend an Bedeutung! Leider ist der Begriff “Online Reputation Management” noch nicht bei allen Teilen der Bevölkerung angekommen…wir versuchen daher, in diesem Bereich viel Aufklärungsarbeit zu leisten und bieten mit unserem Angebot ein 360 Grad-Service zum Managen der eigenen Reputation im Internet:

1. Schritt:
Der Check der eigenen Person über http://www.yasni.de/ => wir durchsuchen bei unserem Personen-Check alle gängigen Suchmaschinen wie Google, Yahoo und Co. sowei knapp weitere 100 frei im Netz verfügbare Quellen wie Facebook, Xing, MySpace sowie Blogs und Foren.

2. Schritt:
Mit einem eigenen Yasni-Profil sich gezielt eigene Suchergebnisse und Links zuordnen, sich dadurch von Namensvettern abzugrenzen und so den eigenen Ruf aktiv zu beeinflussen und zu managen!

3. Schritt:
Yasni Premium => für alle, die im Hinblick auf eine Bewerbung oder den Beruf mit ihrem Profil zu bestimmten Begriffen besonders gut gefunden werden wollen => http://www.yasni.de/premium

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Georg Februar 22, 2010 um 20:52

@Sandra: Ja, es ist ein Trend der Arbeitgeber, sich auch im Netz zu informieren. Personensuchmaschinen sind da natürlich probates Mittel. Das Thema zum sorgsamem Umgang mit Daten muss viel weiter verbreitet werden.

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Yanina Dezember 31, 2010 um 16:27

Hallo, ich kenne diesen Service nicht. Allerdings haben sich solche Services seid dieser Zeit extrem etabliert. Man denke z.B. an Facebook oder Xing. Wenn auch nicht spock, dann hat sich zumindest das Thema etabliert unter anderen Namen.

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