Am 9. Oktober habe ich es schon einmal kurz angetönt (Interview mit Stadler Rail-Chef Peter Spuhler): Die SBB steht kurz vor der Vergabe des grössten Einzelauftrags ihrer Geschichte. 1.4 Milliarden Franken für 60 Doppelstockkompositionen der S-Bahn Zürich. Um den Auftrag beworben hat sich neben dem Konsortium von Siemens und Bombardier auch Peter Spuhlers Unternehmen Stadler Rail, welches bereits den äusserst erfolgreichen Regionalzug FLIRT in alle Welt verkauft.

Mit diesem Milliarden-Auftrag der SBB würde Stadler Rail absolutes Neuland betreten. Die Firma hat bisher nur wenig Erfahrung im Bau von Doppelstockzügen gewinnen können, das Konsortium Siemens / Bombardier hingegen kennt sich in diesem Bereich gut aus.
In den Medien tauchte nach Bekanntwerden der Stadler-Offerte die Frage auf, welche sich auch einige Bähnler und ÖV-Interessierte stellen: Überschätzt sich Spuhler bei diesem Auftrag? Ist er überhaupt in der Lage, ein so grosses Ding durchzuziehen?
Spuhler zeigte in der Vergangenheit wiederholt, dass er Grosses leisten und seine visionären Ziele erreichen und verwirklichen kann. Ich denke, er hätte keine Offerte für die S-Bahn-Doppelstockzüge eingereicht, wenn er sich nicht sicher wäre, den Auftrag zur vollsten Zufriedenheit der SBB und deren Kunden ausführen zu können.
Stadler Rail wuchs unter der Führung von SVP-Nationalrat Peter Spuhler von 18 Angestellten auf 2,500 Beschäftige (das 139-fache!) und von einem Umsatz von CHF 5 Millionen auf 1,1 Milliarden. Hätte man ihm 1989 geglaubt, wenn er behauptet hätte, innert 18 Jahren den Umsatz auf das 220-fache steigern zu können? Mal abgesehen davon, dass er wohl selbst nicht an einen solch riesigen Erfolg glaubte: Man hätte ihn vermutlich ausgelacht.
Nun sagt er, sein Unternehmen sei in der Lage, den 1.4 Milliardenauftrag der SBB durchführen zu können. Wir dürfen es ihm ruhig glauben.

Sollte Stadler den Auftrag erhalten, würde 80% der Wertschöpfung in der Schweiz bleiben. Ein Grossteil davon ginge an Schweizer Lieferanten. Nicht nur die Wirtschaft im St. Galler Rheintal würde davon profitieren. Gewinnt hingegen das Konsortium Siemens / Bombardier die Ausschreibung, geht ein grosser Teil der 1.4 Milliarden Franken nach Deutschland (Siemens) und Kanada (Bombardier).

Ich habe absolut nichts gegen diese beiden grossartigen Firmen. Beide haben in der Vergangenheit gezeigt, dass sie (nicht nur für die SBB) moderne und den Bedürfnissen der Kunden entsprechende Züge bauen können. Ich bin aber der Meinung, dass wir in erster Linie die Schweizer Wirtschaft stärken sollen, bevor wir uns um die Weltwirtschaft kümmern. Insbesonders dann, wenn ein Schweizer Unternehmen eine gute Offerte einreicht, wie es Stadler Rail bestimmt getan hat.
Im Falle einer Zusage würde Stadler Rail umgehend 20 Millionen Franken in eine grosse Fabrikhalle im St. Galler Rheintal investieren und zusätzliche Mitarbeiter einstellen. Es freut mich sehr, dass Spuhler trotz Produktionshallen im (günstigeren) Ausland den Auftrag zu einem grossen Teil in der (teureren) Schweiz ausführen möchte.
Das Werk im St. Galler Rheintal wäre für 10-12 Jahre ausgelastet. Sprich: Die Mitarbeiter hätten für die nächsten 10-12 Jahre eine garantierte Stelle. In der heutigen Zeit eine Seltenheit.
Noch ist Stadler Rail ein erfolgreiche Nischenanbieter für den Regionalverkehr. Ob die Firma in Zukunft zu den “Global Players” gehört, hängt sehr stark auch von der Entscheidung der SBB im 1.4 Milliarden-Geschäft ab.

Bild (Flirt) © (cc) lazytom (flickr.com)
Bild (Bombardier) © (cc) trancilien_sncf (flickr.com)
Bild (Siemens) © (cc) alangbrf (flickr.com)
Bild (Flirt / ICE) © (cc) lazytom (flickr.com)

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Mein Beitrag zum Thema ist hier.
Also wenn ich die Berichte auf diese Seite lese, bin ich mir sehr sicher, dass Sie vom Stadler gesponsort werden.
Ein grosser Teil der Komponenten beim DTZ kommen von Schweizer Unternehmen ( Kupplung, Trafos, Bremsen, Stromabnehmer, Fahrgastinformationssystem usw..).
Also ist die Aussage über die Wertschöpfung nicht richtig.
Wenn der Stadler im Ausland schlechte Geschäfte, aufgrund nationalistische Gedanken im jeweiligen Land, machen würde, währen Sie ja auch nicht begeistert.
Ich kann nur hier betonen ” Leben und Leben lassen”.
Viel Erfolg noch mit dieser Site und bleiben Sie “objektiv”.
Gruß
Urs
zur allgemeinen Aufklärung:
Kupplung: war früher Sécheron, wie die Firma heute heisst und ob es die noch gibt, entzieht sich meiner Kenntnis. Die Kupplungen müssen auf jeden Fall nachgebaut werden, damit die Züge mit den alten Doppelstöcker gekuppelt werden können.
Trafos: ABB Sécheron, Schweiz (mit Teilen aus Ungarn)
Bremsen: Weiss ich nicht. Dachte eher, dass das Knorr München drin ist.
Stromabnehmer: Fa. Richard, Murgenthal
Fahrgastinformationssystem: keine Ahnung
Wieviel Schweiz nun da wirklich noch drin ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Fakt ist aber, dass die Leute in der Schweiz nach der Schliessung der Adtranz Werke äusserst gereizt auf solche Themen reagieren. Obwohl schon fast zehn Jahre her, scheint das damals Geschehene noch nicht verdaut zu sein – hat man auch wieder bei der Diskussion um die IW Bellinzona gesehen.
@Urs Kalle
>> aufgrund nationalistische Gedanken im jeweiligen Land, machen würde
Genau dieser Nationalismus fehlt in der Schweiz, aber das haben noch nicht alle gemerkt.
Zur Erinnerung: Der groesste industrielle Arbeitgeber in der Schweiz ist die Siemens (Schweiz) AG. Doch ein Abbau von Schweizer Arbeitsplaetzen in einem deutschen Konzern faellt natuerlich weniger ins Gewicht als regionalpolitische Argumente. Der Artikel enthaelt leider keine detaillierteren Angaben darueber, wieviel vom Auftragsvolumen tatsaechlich in der Schweiz anfallen wuerde, falls der Auftrag an Siemens vergeben wuerde. Es duerfe nicht wenig sein, insbesondere auch unter dem Aspekt Wartung/Unterhalt/Ersatzteile. Doch freuen wir uns auf einen weitere unterschiedliche Zuercher S-Bahn-Zugskomposition im kunterbunten (kosteneffizienten?)Allerlei – zu denen ja auch Siemens-Zuege zaehlen …
Der Auftrag ist vergeben an … Stadler.
Ich frage mich ob sich deiser Eigensinn nicht rächen könnte. Bisher hatte doch Stadler in Deutschland doch bereits einige Aufträge, und der Markt dort ist bestimmt nicht zu unterschätzen ;-) Also wenn Stadler so inovativ ist, wird oderwürde Er sich in D und anderen Ländern auch ohne die zigg Aufträge der SBB durchsetzen, oder nicht?
Ja, absolut! Es ist wohl unbestritten, dass Stadler Rail auch ohne SBB existieren und gute Geschäfte machen könnte.
Na mag sein. ich bin einfach kein Fan des protektionismus.
Die deutsche bahn kauft übrigens möglicherweise demnächst ihre neue ICE-Reihe auch nicht mehr bei Siemens, sondern bei Alstom…
Hab soeben ein Bild der künftigen Stadler-doppelstockzüge gesehen; scheinen mir fast eine 1zu1-Kopie der bisherigen Siemens-doppelstöcker zu sein. War dies eine Forderung seitens der SBB, für einen einheitlichen Lock, oder was?
Was die Farbkombinationen anbelangt, denke ich schon, dass die SBB gerne möchte, dass alle Fahrzeuge sich ähneln. Die Doppelstock-Züge der ersten Generation werden unbestätigten Informationen zufolge ebenfalls umgespritzt, so dass sie dann zu den Siemens- und Stadler-Zügen passen.
Die Front des Doppelstock-Stadler-Zuges jedoch hat meiner Ansicht nach mehr Ähnlichkeiten mit den Stadler-Flirts als mit den Siemens-Dosto. :)
…Ja, die Lampen und und Frontscheiben, hab ich auch gemerkt. Mir gefallen optisch einstöckige Zugskompositionen wie der Flirt oder die Mirage, resp. ehemals Goldküstenexpress oder die 420/423/426er Baureihe (Siemens) der deutschen S-Bahnen grundsätzlich eh besser, wenn diese in Zürich auch niemals mehr diese Fahrgaststräme mehr aufnehmen könnten…
Zurück zum Thema, ich haffe die Siemens fühlt sich nun nicht alzu sehr vor den Kopf gestossen. Aber, sie stellen ja immer noch ein gewisses kontingent der zürcher S-Bahn. Ach ja und in Basel und Bern fahren ja auch die Combinos.
Jedenfalls denke ich das der Entscheid der SBB vielleicht doch auch etwas eine Entwicklungshilfe an das Stadler-doppelstock-experiment sein dürfte……
ich meinte einfach dass grundsätzlich ein grosser SBB-auftrag an Siemens auch eher wieder Aufträge aus Deutschland für Stadler-rail nach sich hätte ziehen können. Ein geben und nehemen halt…
@Sascha Hiltebrand
… und sie bestellte doch: die Deutsche Bahn hat sich heute mal zumindest die Option gesichert, 60 Regio Sprinter bei Stadler kaufen zu können. (Unternehmen.ch)
Ja. Also mal Hut ab vor Hr. Spuhler. Was Er erreicht hat verdient Respekt. Was mich bei Ihm allerdings stört ist; Weshalb ist Er Mitglied einer Partei welche, falls Sie denn die Macht hätte, sicherlich nicht zuletzt bei der Bahn sparen würde (Und wenn nicht, nur dank Stadlers Einfluss ;-))
Wenn Stadler rail aber wirklich nicht hauptsächlich auf den Schweizer Markt ausgerichtet wäre, würde Er doch auch anfangen Zugsformate für U- und Stadtbahnan (Premetros) und klassiche S-Bahnan herzustellen, welche es in der Schweiz (noch) nicht gibt…
Wir können in der Schweiz froh sein, dass es dank StadlerRail wieder einer gute Schweizerfirma gibt, welche sehr gute Züge herstellen kann. Ich bin ein Fan dieser Stadler-Züge und ich fahre sehr oft diese Züge, ob im Wallis, in der Zentralschweiz oder Ostschweiz. Aber sehr oft mit Lokalbahnen wie ganz neu beim RBS (Bern-Solothurn), Aare-Seeland-Verkehr. Ich schätze den Fahrkomfort und die Beschleunigung. Ich möcht gerne einmal ein Werk besichtigen.