Kleine Schweine!

von Andreas Hobi am 30. November 2007 · 8 Kommentare

Manche Fahrgäste vergessen ihr GA zu Hause. Andere gleich ihr ganzes Portemonnaie. Dies alles ist eigentlich auch nicht weiter schlimm. Es ist absolut harmlos im Vergleich zu jenen Gästen, welche ihren Anstand daheime lassen.

Denn immer wieder kommt es vor, dass Fahrgäste ihr Billett zwar rasch finden, jedoch noch ein paar Sekunden nach dem Halbtax oder einer anderen Karte suchen müssen. Anstatt mir das Billett schonmal zu geben oder es zumindest auf das Tischchen im Abteil zu legen, nehmen sie es in den Mund, bis sie das Halbtax gefunden haben. EKLIG! Denn ich sollte es ja nachher noch knipsen und dabei in die Finger nehmen. PFUI GRUUSIG!

Das gleiche Spiel auch bei einigen wenigen Reisenden mit internationalen Billetten. Meistens haben diese um die 5 verschiedene Karten (Billett, Fahrplan, Zuschläge für den ICE, Reservationen etc.) und nicht immer ist die gesuchte Karte zuoberst auf dem Stapel. Dann befeuchten sie jeweils ihre Finger mit Spucke, um so die Papiere besser durchsuchen zu können. Neee, das geht schon mal gar nicht!

Am liebsten ist es mir bei den nationalen Billetten, dass man mir das Billett einfach schon einmal gibt, während man noch nach dem Halbtax sucht. Je nachdem wie weit der Gast noch fährt, sage ich ohne weiteres auch mal, dass ich später nochmals vorbei komme.

Bei den internationalen Billetten ist es am besten, wenn man mir gleich den ganzen Stapel gibt. So kann ich die gewünschte Karte heraussuchen und sehe auch gleich, ob der Fahrgast noch zusätzliche Informationen benötigt, wie zum Beispiel Anschlüsse, Gleisangaben oder Angabe von Bahnhöfen, in welchen er nur wenig Zeit zum Umsteigen hat.

Ich frage mich, ob nicht die Gefahr besteht, dass ich mich mit einer Krankheit anstecke, wenn ich die mit Spucke befeuchteten Billette der Kundschaft am entsprechenden Ort berühre. Klar achte ich darauf, das Billett nicht dort anzulangen, wo der Kunde es in den Mund genommen hat; trotzdem kann es durchaus mal passieren, dass ich nicht darauf achte, wie er es im Mund hatte.

In einigen wenigen Extremfällen ging ich sogar so weit, dass ich das Billett gar nicht knipste, sondern nur genau anschaute. Es hätte mich zu sehr geekelt, es in die Finger zu nehmen.

Bild © (cc) bacondog (flickr.com)

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Andreas Hobi arbeitet seit 2001 bei der SBB und dort seit 2004 beim Zugpersonal. In seiner Freizeit schreibt er auf schweizweit.net von seinen Erlebnissen und über andere spannende Stories aus der Welt des öffentlichen Verkehrs.

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nomeez November 30, 2007 um 16:58

Und stell dir vor, all die Geländer und Griffe im Zug, wo die Leute sich festgehalten haben nachdem sie aus dem Klo kamen und die Hände nicht gewaschen haben, und dann all die kranken Menschen, die trotz Grippe zur Arbeit fahren und dich mit ihrem Niessen und Husten anstecken. Und dann werden die Bakterien in der Luft auch noch durch die Lüftung schön gleichmässig verteilt. Ich würd mich nach nem sicheren Bürojob umsehen.

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Fredi November 30, 2007 um 17:12

Ich würde mich auf Lokführer Umschulen lassen…

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Andreas (schweizweit.net) November 30, 2007 um 23:22

Ich würd mich nach nem sicheren Bürojob umsehen.

Das wäre mir zu langweilig. ;o) Nein, ich brauche die “Action” auf dem Zug und die verschiedenen Arbeitszeiten; nicht dass ich noch an Boreout erkranke… :)

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Peter Meyer Dezember 1, 2007 um 07:26

Arbeite doch mit Maske und Handschuhen, ganz in weiss, so richtig japanisch!

Immerhin sind Deine Passagiere nur kleine Schweine. Dein Arbeitgeber hingegen ist ein richtig grosses Schweiz und zockt ab.

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Andreas (schweizweit.net) Dezember 1, 2007 um 09:45

Wenn man bedenkt, dass die SBB mit der Bahn 2000 50% mehr Plätze anbietet als noch im Jahr 1999 und dass man inzwischen über die Neubaustrecke und durch den Lötschbergtunnel fahren kann, was die Reisezeit vermindert, relativiert sich die Preisanpassung wieder.

Hinzu kommt das modernere Rollmaterial, über welches wir bereits heute verfügen und welches wir in Zukunft kaufen werden. (Siehe Artikel “Alles über den neuen SBB-Fahrplan“)

Übrigens: Hast Du bemerkt, dass das Benzin in dieser Zeit um über 50% gestiegen ist?

(Ohne dass sichtbare Verbesserungen am Benzin vorgenommen wurden… ;o)

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Andreas (schweizweit.net) Dezember 1, 2007 um 10:47

Im Übrigen ist es fraglich, ob man ein Unternehmen als “Schwein” bezeichnen kann, wenn es seine Preise der Nachfrage anpasst.

Auf einigen Linien ist ein Ausbau der Taktfrequenz kaum mehr möglich. Und dies bei teilweise fast vollen Zügen. Eine Erhöhung der Fahrpreise macht in einem solchen Fall marktwirtschaftlich durchaus Sinn.

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Fredi Dezember 1, 2007 um 13:33

hmm.. die preise erhöhen um die leute zum autofahren zu bewegen?

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Andreas (schweizweit.net) Dezember 1, 2007 um 13:41

Nein, das natürlich nicht. Aber bringt ja momentan nichts, die Preise zu senken oder auf dem momentanen Stand zu lassen, nur damit die Züge von Jahr zu Jahr noch mehr überfüllt sind; so denkt die SBB im Moment vermutlich.

Und solange der Spritpreis stärker steigt als der Billettpreis, werden wohl sowieso nicht viele Leute vom Zug aufs Auto umsteigen wollen.

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