Es war mal wieder einer dieser gut frequentierten Pendlerzüge von Chur nach Zürich. Unmöglich, bei dieser Menschenmasse alle Reisenden kontrollieren zu können. Umso wichtiger ist es, darauf zu achten, dass sich keiner vor der Kontrolle drückt und dass niemand mit einem fremden Abo fährt.

Kurz nachdem ich den oberen Stock des Bistrowagens betrat, kam mir eine Dame entgegen. “Komisch”, denke ich mir. “Kaum betrete ich den Wagen, will sie ihn auf schnellstem Weg verlassen.” Gut möglich, dass ihr der Wagen zu voll ist und sie sich einen besseren Platz suchen möchte, trotzdem lasse ich sie nicht unkontrolliert an mir vorbei.

Gemäss ihrem Tempo, mit welchem sie sich auf mich zubewegt, geht sie wohl davon aus, dass ich sie an mir vorbeilasse. Dem ist aber nicht so. “Grüezi wohl, chönt i na gschwind z’Billett gseh.”, begrüsse ich sie freundlich.

“Ja nur ungärn”, erwidert sie schnippisch. “Sorry, aber wenn sie mit uns mitfahren wollen, brauchen sie ein Billett. Das würde ich nun bitte gerne sehen.”

Nach ein paar Sekunden zaubert sie dann auch ein Billett hervor und ich lasse sie an mir vorbei.

Später erfahre ich von einem zufällig mitfahrenden Bekannten, dass sie sich im nächsten Wagen mit jemandem getroffen habe (deshalb der Sitzplatzwechsel) und sich lautstark über den “blöden” Kondukteur beschwerte.

Nun, was hätte ich tun sollen? Schliesslich mache ich auch nur meine Arbeit. Wenn sich ein Fahrgast komisch verhält oder sich scheinbar vor der Kontrolle drücken will, schaue ich natürlich genauer hin. Besonders in Pendlerzügen, wo es oftmals schwer ist, den Überblick zu behalten.