Gute PR muss nicht teuer sein!
St. Gallen November 27th. 2007, 16:11Letzte Woche sass ein “Wirtschaftskapitän” in meinem Zug. Jemand, der eine gewichtige Rolle in der Schweizer Wirtschaft spielt und ein grosses Unternehmen führt. Seinen Namen werde ich hier jetzt nicht nennen, da ich keine Ahnung habe, ob ihm das gefallen würde und ich mich nicht mit seiner Rechtsabteilung anlegen will. ;o)
(Das oben stehende Bild hat übrigens nichts mit ihm oder seinem Unternehmen zu tun.)
Mich erstaunte es, dass er den Zug benutzt, um von A nach B zu gelangen. Bestimmt hat er einen noblen Wagen mit eigenen Fahrer, auf den er jederzeit zugreifen könnte. An diesem Tag (wenn nicht auch an vielen anderen) bevorzugte er jedoch den Zug.
Er reiste mit meinem Zug nach St. Margrethen und von dort aus via Bregenz in eine deutsche Stadt. In der Hand hielt er einen Internet-Ausdruck seines Fahrplans, auf dem ersichtlich war, dass er drei mal umzusteigen hatte und davon zweimal über eine Viertelstunde an einem Umsteigebahnhof auf den Anschlusszug warten muss. Keine wirklich gute Verbindung also.
Deshalb fragte er mich, ob es nicht eine bessere Verbindung gebe, allenfalls über eine andere Route. Ich überprüfte dies, musste jedoch leider verneinen. Ich befürchtete schon, dass ihm dies nicht gefallen würde und war darauf gefasst, dass nun die üblichen Sprüche folgen werden:
- Das nächste Mal nehme ich das Auto!
- Und für diese unmögliche Verbindung bezahle ich auch noch soviel?!
- Kein Wunder fährt niemand Zug!
Doch nichts dergleichen geschah. Der Unternehmer blieb weiterhin äusserst freundlich und entschuldigte sich sogar noch dafür, dass er mich wegen seiner Fahrplanauskunft aufgehalten habe. Daran könnten sich viele “Normalsterbliche” ein Beispiel nehmen! Dann zeigte er auch noch Interesse an mir, wollte wissen, wie lange ich den Job schon mache (weil ich so jung aussehe vermutlich…), welche Ausbildung ich genossen habe und was so meine Pläne sind. Wer weiss, vielleicht wollte er damit eruieren, ob ich in sein Unternehmen passe. ;)
Schlussendlich wünschte der Herr mir einen angenehmen restlichen Tag und dankte mir für die Auskünfte. Dieses sehr freundliche und zuvorkommende Verhalten erstaunte mich in äusserst positiver Weise!
Als ich zwei Stationen später wieder in den Erstklasswagen kam, sassen in seinem Abteil noch zwei weitere Herren, welche sich angeregt mit ihm unterhielten. Bei der Kontrolle dieser beiden Herren fand ich nicht heraus, ob sie Geschäftspartner des Unternehmers oder nur zufällig anwesend sind.
Später, als wir bereits an St. Margrethen vorbei waren und der Unternehmer den Zug verlassen hatte, sassen sie immer noch auf ihren Plätzen. Als ich vorbeiging, fragte mich einer der Herren: “Sie, fährt der öfters Zug?” Gemeint war natürlich der Unternehmer. Ich antwortete den beiden Herren, dass ich ihn heute auch zum ersten Mal im Zug gesehen hätte und ihn ansonsten nur aus dem Fernsehen und aus der Zeitung kenne. Ihnen erging es genau gleich.
Wir drei waren uns daraufhin einig, dass das Image des Unternehmens dieses Mannes bei uns eine Menge Pluspunkte gewonnen hat. Die Freundlichkeit und Bodenständigkeit des Mannes war beste PR für sein gesamtes Unternehmen und falls ich jemals eines der Produkte benötigen würde, die das Unternehmen herstellt: Ich weiss jetzt schon, bei welcher Firma ich die Produkte kaufen würde, selbst wenn sie leicht teurer wären als anderswo.
Was lernen wir daraus? Gute PR muss nicht teuer sein und man kann nur schon durch nettes und zuvorkommendes Verhalten sehr viel bewirken!
Bild © (cc) Toni_V (flickr.com)
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November 27th, 2007 at 17:30
Vorbildlich, so muss eine Elite sein.
November 27th, 2007 at 18:06
Vasella?
November 28th, 2007 at 21:57
Hmm… Grosse Schweizer Firma, von der Andreas aber eher weniger was benötigt…
Es wäre noch mehr PR für ihn, wenn du den Namen nennen würdest^^
November 28th, 2007 at 22:59
Das wäre es auf jeden Fall! Vielleicht hätte er auch gar nichts dagegen, wenn ich seine Firma nenne.
Eine andere Frage ist aber auch, wie die SBB reagieren würde, wenn ich so freimütig die Namen der Kunden nenne…
Ich will das Risiko einfach nicht eingehen, mich mit der Firma oder der SBB zu verkrachen, bloss wegen einem einzigen Artikel. Neee… ;o)
Aber wer weiss, vielleicht werde ich ab und zu einen bestimmten Firmennamen positiv in meinen Artikeln erwähnen… :) So “ganz per Zufall” und völlig unauffällig. *g*