Soeben bin ich auf eine Reportage gestossen, die aufzeigt, wie schlecht es um das Verkehrsnetz in der neuseeländischen Stadt Auckland bestellt ist. Zwar gibt es dort ein sehr stark ausgebautes Strassennetz, aber den öffentlichen Verkehr muss man in Auckland mit der Lupe suchen. Jeden Tag kommt es in verschiedenen Teilen der Stadt zu kilometerlangen Staus aufgrund des äusserst starken Verkehrsaufkommens.

Die Reportage zeigt, was passiert, wenn man 50 Jahre lang den Individualverkehr priorisiert und den öffentlichen Verkehr vernachlässigt.

Auckland - Das komplette Gegenstück zum modernen Verkehrsnetz der Schweiz

Teil 1 der Reportage zeigt, dass die Auckland zu den am meisten vom Individualverkehr abhängigen Städte der Welt gehört.

Jan Gehl, dänischer Berater für Stadtdesign sagt es im Video sehr treffend: “Wenn ich mir Auckland anschauen, fühle ich mich in die 60er- und 70er-Jahre zurückversetzt.”

Dr. Paul Mees von der Universität Melbourne sagt gleich darauf: “Auckland hat vermutlich das schlechteste ÖV-System der Welt.”

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Im zweiten Teil der Serie geht es um die Behauptung: “Auckland ist zu grossflächig, als dass der ÖV funktionieren würde.”

Am Beispiel von Perth wird detailliert dargestellt, dass es ohne weiteres möglich wäre, den öffentlichen Verkehr in Auckland zu etablieren. Perth ist weniger dicht bevölkert als Auckland und hat trotzdem ein beliebtes und erfolgreiches öffentliches Verkehrsnetz.

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Im dritten Teil wird schliesslich die Behauptung widerlegt, dass der öffentliche Verkehr unökonomisch sei, neue Strassen jedoch gut für die Wirtschaft.

Der Film zeigt, was nach dem Bau von neuen Strassen geschieht: Die Menschen merken, dass es nun noch einfacher ist, an einen anderen Ort zu fahren und deshalb wird es noch mehr Fahrten geben als zuvor. Bereits wenige Jahre nach dem Bau sind auch die neuen Strassen wieder verstopft. Auf ein höheres Angebot (an Strassen) folgt unweigerlich eine höhere Nachfrage (nach Fahrten). Ein Teufelskreis.

Interessant fand ich die Grafik von Peter Newman, welche aufzeigte, dass Länder, welche über ein gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz verfügen, weniger Ausgaben für das Verkehrsnetz insgesamt (sprich: ÖV + IV) haben.

Ebenfalls interessant sind folgende Zahlen:

Pendler, welche mit dem Velo zur Arbeit fahren:
Kopenhagen (Dänemark): 36%
Auckland (Australien): 1%

Pendler, welche mit dem Auto zur Arbeit fahren:
Kopenhagen: 23%
Auckland: über 80%

Pendler, welche mit dem öffentlichen Verkehr zur Arbeit fahren:
Kopenhagen: 33%
Auckland: 7%

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Erst wenn man sich anschaut, welche Probleme die Leute in Auckland haben, fällt einem auf, dass wir in der Schweiz (fast) kein Verkehrsproblem haben. Zwar wird täglich für die Verlagerung von der Strasse auf die Schiene gekämpft, doch noch sind die Strassen nur sehr selten überlastet.

Dies ist vor allem der ÖV-freundlichen Bevölkerung und Politik zu verdanken. Die Grünen, Sozialdemokraten, CVP und grosse Teile der FDP haben es geschafft, eine grossflächige Verkehrsüberlastung zu verhindern, indem sie die öffentlichen Verkehrsmittel konsequent gefördert haben. Nur die SVP hat noch nicht begriffen, wie wichtig der ÖV für die Schweiz ist.

Bei uns ist es ohne weiteres möglich, ohne Auto zu leben. In Auckland wäre dies ein Problem.

Nachtrag zu den Videos: Seit dem Dreh der Reportage “City of Cars” hat sich die Situation in Auckland leicht gebessert. Die Politik ist nun ÖV-freundlicher geworden und dieses Jahr wurde entschieden, dass die Vorortzüge von Auckland elektrifiziert werden. Beginn der Umbauten an Fahrleitungen, Stationen und Zügen ist Ende 2007. Bis ins Jahr 2013 soll das Projekt, welches 1 Milliarde Neuseeländische Dollar (846 Millionen CHF) kostet, abgeschlossen sein.

PS: Ich liebe das australische / neuseeländische Englisch! Der Akzent ist einfach genial! :)