Grundsätzlich bezeichne ich meine Fahrgäste nicht als “dumm”. Aber bei dieser Kundin bleibt mir echt nichts anderes mehr übrig, denn so doof hat sich selten jemand angestellt:
Die junge Dame (um die 16-17 Jahre) sass im Zug von Zürich nach Luzern. Irgendwo vor Zug kontrollierte ich sie.
Die Dame schaute mich an und sagte: “Ich habe ein GA.”
Ich: “Schön. Darf ich es kurz sehen?”
Sie: “Ich habe es bestellt. Aber es ist noch nicht bei mir angekommen.”
Ich: “Ach so. Ok. Aber es wäre heute bereits gültig?”
Sie: “Genau!”
Ich: “Kein Problem. Ich bräuchte einfach einen Ausweis, dann kann ich die Angaben überprüfen.”
Sie gibt mir ihren Cablecom-Personalausweis und in dem Moment ahne ich schon, dass vielleicht etwas nicht stimmt. In den letzten paar Monaten hatte ich es bereits schon etwa fünf mal mit Mitarbeitern dieser Firma zu tun, welche keine Billette hatten und sich quer stellten, wenn es um das Nachzahlen ging. Ich frage mich, ob die Cablecom vielleicht so tiefe Löhne zahlt, dass die Mitarbeiter sich keine Billette mehr leisten können…?
Wie dem auch sei. Ich überprüfte ihre Angaben, verliess den Wagen im Bahnhof Zug kurz, um den Zug abzufertigen und nach der Abfahrt in Zug kehrte ich zu der Dame zurück.
Ich: “Also ich habe Ihre Angaben überprüft. Auf Ihren Namen ist ein Halbtax registriert; jedoch kein GA.”
Sie antwortet trotzig: “Aber ich habe ein GA.”
Ich: “Davon sehe ich leider nichts. Was ist das denn für ein GA?”
Sie: “Ein Monats-GA.”
Nun werde ich stutzig. Ein Monats-GA? Aber halt, das muss man doch gar nicht “bestellen”, wie sie es mir gesagt hat. Ein Monats-GA erhält man direkt am Schalter, weil man dazu weder ein Passfoto noch sonst etwas braucht. Das Monats-GA wird auf normalem Billett-Papier ausgestellt. Da stimmt doch was nicht mit der Frau!
Ich: “Ein Monats-GA muss man nicht bestellen. Das erhalten Sie direkt am Schalter.”
Sie: “Mann, aber ich habe es bestellt! Glauben Sie mir doch!”
Ich: “Ein Monats-GA.”
Sie: “Genau. Eines, welches ich monatlich in Raten abzahle.”
Ich: “Ach sooo sieht das aus. Ja das ist etwas anderes. Jetzt wird die Sache langsam klarer. Schauen Sie: Ich glaube Ihnen, dass Sie dieses GA haben. Leider gibt das System jedoch an, dass sie nichts dergleichen besitzen. Deshalb machen wir es am besten so: Sie bezahlen jetzt ein Billett. Nachher haben Sie zehn Tage Zeit, um mit dem Billett und Ihrem GA an einen SBB-Schalter zu gehen und das GA vorzuweisen. Wenn Sie dies tun, erhalten Sie Ihr Geld zurück. Abzüglich einem kleinen Selbstbehalt natürlich. Geht das für Sie so in Ordnung?”
Sie: “Ja, wenn’s sein muss…”
Da ich mir nicht sicher bin, ob sie nur bis Luzern oder noch weiter fährt, frage ich sie sicherheitshalber.
Ich: “Ein Billett von Zürich HB nach Luzern, sehe ich das richtig?”
Sie: “Nein. Von Zug nach Luzern.”
Ich: “Ach so. Sie sind in Zug eingestiegen?”
Sie: “Genau.”
Ich: “Mmh… Dann haben wir jetzt aber ein Problem.”
Sie: “Was ist denn jetzt wieder?!?”
Ich: “Jetzt habe ich doch tatsächlich geglaubt, ich sei schon vor Zug hier gestanden, hätte den Wagen in Zug rasch verlassen und sei danach wieder hierhin zurückgekehrt.”
Sie: “Ja man, für vorher habe ich ein Billett gekauft.”
Ich: “Das ist schön. Könnte ich denn das Billett “für vorher” noch kurz sehen?”
Sie zeigt mir ein Billett von Altdorf nach Zürich HB, welches bereits schon seit zwei Wochen abgelaufen ist. Wortlos gebe ich es ihr zurück und zeige mit dem Finger aufs Datum. Daraufhin nimmt sie ein anderes hervor, mit gültigem Datum. Ebenfalls Altdorf – Zürich HB.
Ich: “Das ist wunderbar. Leider ist das Billett nur von Altdorf nach Zürich gültig und nicht von Zürich nach Zug. Haben Sie noch ein anderes Billett?”
Sie: “Ja man tuen nid so blöd! Verkaufsch’mer halt das scheiss Billett wenn di dranne ufgeile chasch! Geld han i imfall kei derbi.”
Einen kurzen Moment noch überlege ich mir, ob ich für dieses ganze Lügenkonstrukt eine Missbrauchsgebühr von CHF 100.- erheben soll, verzichte dann jedoch darauf. Ich schreibe ihr eine Rechnung für die Strecke Zürich – Luzern und vermerke darauf, dass sie ihr Geld zurück erhält, wenn sie innerhalb von zehn Tagen ihr gültiges GA am Schalter vorweise.
PS: Ich liebe solche Fahrgäste! (Die dümmsten Fahrgäste machen immer am meisten Freude.) ;o)

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Oh, diese Kundin hat dein “doof”-Titel redlich verdient. Wie kann man nur so unkooperativ sein? Warum können gewisse Leute nich einfach zugeben, dass sie kein Billet haben…
Ob sie sich mit ihrem GA wohl gemeldet hat? :-)
PS: Ich gehe davon aus, dass ihr in eurem Gerät alle Daten von Kunden gespeichert habt, also auch diese von “Monats-GA’s”?
sah sie wenigstens gut aus?^^
Cabelcom … das muss an dieser Firma liegen. Ein Kollege von mir wollte dort sein Anschluss künden. Es war fast ein Ding der unmöglichkeit wegen nicht sehr kooperativem Personal.
@ Silvan: Ich habe nachgefragt. Anscheinend ist es tatsächlich so, dass wir nicht auf die Daten jener Kunden zugreifen können, welche ein Monats-GA haben. So gesehen habe ich richtig gehandelt, indem ich nicht behauptet habe, sie habe gar kein GA, sondern einfach sagte, es sei in meinen Daten nicht vorhanden und sie solle sich am Schalter melden.
Anmerken muss ich auch noch, dass keine Stammkundendaten direkt auf unseren Geräten gespeichert sind, sondern wir in einem solchen Fall eine Anfrage starten, womit das Gerät wie Handy-Netz die Daten vom Server in Bern abfragt. Nur die Personalien der notorischen Schwarzfahrer sind auf unseren Geräten fest abgespeichert.
@ Fredi: Worauf willst Du hinaus?? ;o)
Ich sag’s mal so: Mein Typ war sie nicht, aber die Mehrheit der Männer würde sie als gut aussehend bezeichnen. (Südamerikanischer Typ)
@ Peter: Ähnliche Geschichten hörte man ja bis vor einiger Zeit auch aus der Presse. In letzter Zeit jedoch ist es (verdächtig) still geworden um die Firma. Keine Ahnung, wieviel Cablecom den Verlagen für das Schweigen zahlt. ;o)
Genau wegen solchen Geschichten lese ich hier gerne mit – herrlich… und wenn auch noch meine Lieblingsfirma was abbekommt, umso besser :)
..und genau deshalb bin ich begeisterter Autofahrer…
>>Ich habe nachgefragt. Anscheinend ist es tatsächlich so, dass wir nicht auf die Daten jener Kunden zugreifen können, welche ein Monats-GA haben….
aber Hauptsache als doof hinstellen!!!!
Also wenn man einmal zwangsweise Zug-fahren muss, gerät man sicher an solche Kontrolleure, und wenn die endlich gecheckt haben, wann und wo man vielleicht doch gezahlt hat (was nach eigener Erfahrung nicht immer einfach nachzuweisen ist, v.a. wenn das über andere und Internet läuft), sitzt sicher neben einem ein Schwarzfahrer (natürlich wesentlich frecher, als die arme Dame in obiger Geschichte), der endlos diskutiert und zum Schluss auch nicht mehr bezahlt (Ticket-kauf + Zuschlag???Keine Ahnung, wie hoch ist der?) als wenn man “nachweisen” muss, dass man – oder ev. die Firma – bezahlt hat, und Bearbeitungsgebühren fällig werden….
:(
Elli
P.S.: sehe gerade dies ist eine Schweizer Seite, meine Zug-Fahr-Erlebnisse stammen nur aus Österreich, Deutschland und Italien, aber denke, es läuft ähnlich…..
du bist also nur um die Schweiz herum gefahren? (-:
@ Elli: Nun, wir werden dafür bezahlt, dass wir unseren Job machen. Ansonsten könnten wir genau so gut zu Hause bleiben und Däumchen drehen.
Ich habe die Dame bewusst nicht als Schwarzfahrerin hingestellt, sondern klar gesagt, dass ich ihre Angaben nicht überprüfen könne und sie sich bitte am Schalter melden soll. Dies wäre grundsätzlich auch ohne grosses Aufsehen über die Bühne gegangen, wenn sie nicht ein solches “Theater” veranstaltet hätte.
Es kommt ab und zu vor, dass jemand sein GA oder Abo vergisst. Wenn es mir möglich ist, dies ruhig zu lösen, bekommen die umstehenden (bzw sitzenden) Fahrgäste davon praktisch gar nichts mit.
PS: Wenn Du das nächste Mal von Deutschland nach Italien fährst, darfst du ruhig auch die Abkürzung durch die Schweiz nehmen. Dies ist mit Sicherheit schneller als der Umweg via Österreich. ;o)
…nein, ich bin aus Österreich! :)
Also habe ich die Schweiz – und die Schweizer Züge – nicht absichtlich vermieden: Ich muss sogar zugeben, dass ich überhaupt noch nie in der Schweiz war – auch nicht per Auto!
@andreas: Viel Erfolg noch beim Kontrollieren – Stimmt eh, es ist Dein Job: Und es gibt wirklich nette Kontrolleure auch. Kommt – genauso wie bei den Fahrgästen – manchmal einfach auf den Tag an: und, wenn gernervt auf genervt trifft….
;)
Ich liebe solche Geschichten. Sie sind so amüsant. Ich arbeite am Schalter. Auch dort erlebe ich super lustige Geschichten.
PS: die Homepage ist hammer!
Danke für das Kompliment! ;)
Du darfst gerne mal eine Deiner Geschichten als Gast-Autorin hier auf schweizweit.net veröffentlichen.