In meinem Job ist es sehr wichtig, dass man Lügner und unwahre Geschichten rasch erkennt. Nur so findet man heraus, wer die Wahrheit sagt und wer einem einen Bären aufbindet.
Dabei gibt es viele bekannte Tipps und Tricks, dank denen man Lügen entlarven kann. Viele Polizisten, Sicherheitsmitarbeiter und eben auch Zugbegleiter nutzen diese Anhaltspunkte:
Anzeichen für Nervosität
Es gibt bestimmte Verhaltensweisen, die unter Umständen auf Nervosität oder Stress schliessen lassen. Das heisst noch lange nicht, dass jemand lügt; aber in solchen Fällen muss man erhöht aufmerksam sein und vor allem auf bestimmte Verhaltens-Cluster achten. Mit gezielten Fragen kommt man der Sache häufig näher.
- Gesicht färbt sich rot
- Lippenlecken
- Augenkontakt wird vermieden oder nur aufs notwendigste reduziert
- Die Hände berühren sein Gesicht, seine Kehle oder seinen Mund
- Arme und Beine werden weniger stark bewegt
- Er kratzt sich an der Nase oder an den Ohren
Mögliche Anzeichen für eine Lüge
- Unnatürliches Tempo und Timing bei emotionalen Gesten
- Die passende Gestik kommt erst, nachdem er etwas gesagt hat oder stimmt nicht mit Text überein (Beispiel: Kopfnicken, nachdem die Person Ja sagte)
- Emotionen dauern länger an als üblich, stoppen urplötzlich
- Tonlage / Sprache verändert sich
- Wer erwischt wird, geht oft in die Defensive, ein Unschuldiger geht häufig in die Offensive
- Fühlt sich unwohl, will so schnell wie möglich weg, die Szenerie verlassen (Fussspitzen zeigen in Richtung des nächsten Ausganges)
- Will Distanz schaffen, platziert Gegenstände (zum Beispiel Taschen) zwischen sich und der anderen Person
Kommunikation eines mutmasslichen Lügners
- Benutzt die Wörter aus der Frage, wenn er antwortet (Beispiel bei jemandem, der sein Billett angeblich nicht findet: “Haben Sie im Hauptbahnhof Zürich ein Billett gelöst?” “Ja, ich habe im Hauptbahnhof Zürich ein Billett gelöst!”)
- Macht unklare Aussagen, vermeidet es, etwas abzustreiten und deutet lieber Antworten an, ohne sie jedoch wirklich zu geben.
- Stellt Gegenfragen anstatt Erklärungen zu liefern (Beispiel: Jemand fuhr 5 Stationen weit auf der Toilette mit und verlässt sie, als der Zug still steht und will auch gleich den Zug verlassen. Er hat jedoch kein Billett. Er streitet ab, dass er bewusst ohne Billett gefahren ist. Kondukteur fragt ihn: “Und wieso haben sie in der Toilette gewartet, bis der Zug still stand?” Anstatt eine Antwort zu geben, sagt ein Lügner dann zum Beispiel: “Denken Sie wirklich, ich fahre schwarz?!?”)
- Benutzt unterdurchschnittlich wenig Pronomen. Wer ehrlich ist benutzt mehr Pronomen und hebt sie gegenüber den anderen Wörtern im Satz deutlicher hervor.
- Es werden häufiger “Lückenfüller” verwendet: äh, öh, mmh… (Denn die Lüge muss ja laufend im Kopf konstruiert werden.)
Natürlich ist es nicht so, dass jemand automatisch ein Lügner ist, nur weil er eine oder mehrere der oben beschriebenen Verhaltensweisen an den Tag legt. Es gibt auch Menschen, bei denen einzelne der oben beschriebenen Verhaltensweisen zu ihrem Charakter gehören, die also immer so reagieren. Aber die Tipps können zeigen, ob einer Aussage eher geglaubt oder misstraut werden kann. Schlussendlich muss man sich jedoch auch auf sein Gefühl und seine Menschenkenntnis verlassen.
Am besten ist es sowieso immer, wenn man Beweise in der Hand hat.
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{ 3 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }
hm, laut deiner definition w¨rd ich relativ viel lügen.. nur eins is fakt, wenn du mich tatsächlich mal ohne fahrschein erwischen solltest, dann kannst du davon ausgehen, dass ich entweder mal wieder gegen Serviceabbau demonstriere, oder ein Automat defekt war. (oder beides) oder, dass ich kein passendes Geld für den vorkriegsautomaten in Langendorf hatte (nur 20er noten…))
Ich denke man braucht keine Beweise, wenn man über längere Zeit bemerkt immer belogen zu werden:
Wer sich übrigens näher für das Thema interessiert: Momentan läuft auf ATV (Österreich) die Sendung “Lie to me”, ab September (ich glaube, ab dem 19.09.) läuft dann auch wieder eine Staffel auf Vox (Deutschland).
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