Leben ohne Auto

von Andreas Hobi am 25. Oktober 2007 · 4 Kommentare

Ein interessanter Artikel ist im Beobachter (21/07) erschienen. Unter dem Titel “Probiers mal mit Gemütlichkeit” erzählen drei Familien, wie sie ohne eigenes Auto leben können. Wie es scheint, leben sie sogar sehr gut damit!

Zum Beispiel Katharina Weber. Sie sagt: “Ein Auto wäre mir viel zu stressig.” Und sie weiss, wovon sie spricht; hatte sie doch bis vor einigen Jahren noch ein eigenes Auto. Ihrer Aussage nach ist das Leben ohne Auto geruhsamer als die frühere Zeit mit Auto.

Einer Aussage das Beobachter-Artikels kann ich voll und ganz zustimmen: Nebst Umweltfreundlichkeit ist es für ihn vor allem eine Frage der Gewohnheit.

Ich selber habe noch nie ein Auto besessen und vermisse ehrlich gesagt rein gar nichts. Ich gehe einkaufen, wie alle anderen auch, gehe in den Ausgang wie alle anderen auch und alle meine Termine kann ich problemlos auch ohne Auto einhalten. Wozu also ein zusätzlicher Budgetposten? Da gebe ich das Geld doch lieber für schöneres aus.

Ausserdem fahren Kinder lieber Zug als Auto. Im Zug sind sie nicht angeschnallt, können frei herumlaufen und ab und zu hat der Zug auch einen Familienwagen, wo sie im Spielecken herumtollen können. Der Zug ist also auch für Familien das ideale Fortbewegungsmittel.

Autos sind teurer als der öffentliche Verkehr

Eine Familie ohne Auto gibt viel Geld aus für den öffentlichen Verkehr. Trotzdem: Ein Auto wäre noch deutlich teurer! Ein Durchschnittsauto kostet pro Jahr CHF 10,700.- (gemäss TCS). Davon müssen 60% auch dann bezahlt werden, wenn das Auto nur in der Garage steht. Die achtköpfige Familie Spaars, welche im Beobachter erwähnt wird, zahlt jährlich für den öffentlichen Verkehr CHF 6,800 und spart somit rund 36% gegenüber dem Auto.

Wie kann man die Leute zum Umsteigen auf den ÖV bewegen?

Vielleicht müsste man in alle Autos Taxameter einbauen, um den Autofahrern vor Augen zu führen, wieviel eine Fahrt kostet. Viele sind sich dessen gar nicht bewusst oder schauen nur die Spritpreise als Ausgabeposten an.

Weniger Freizeit ohne Auto?

Gegner des öffentlichen Verkehrs mögen jetzt vielleicht das Argument bringen, mit dem Auto komme man schneller von A nach B. Gut, das mag vielleicht in Einzelfällen zutreffen, jedoch liegt es an jeder Person selbst, wie sie die Zeit im ÖV nutzt. Wer im Zug Zeitung liest oder sich auf den bevorstehenden Arbeitstag vorbereitet, hat schlussendlich vermutlich mehr Freizeit als ein Autofahrer. Wenn man dann auch noch die vielen Staus rund um die Schweizer Städte in Betracht zieht, ist der ÖV zeitsparender als jedes Auto.

Helicopter Parenting

Was man auch nicht vergessen darf laut Beobachter:

Damit verfügen sie (die Kinder der autofreien Familien) über ein Können, das immer mehr Kindern fehlt, weil die Eltern sie stets chauffieren. Das sogenannte «helicopter parenting» führt laut Fachkreisen zu einem bedeutenden Entwicklungsverlust. Die Kinder verlieren Möglichkeiten, ihre weitere Umgebung selbständig kennenzulernen und soziales Verhalten zu lernen.

Alles in allem spricht vieles für den öffentlichen Verkehr und wenig für das Auto. Damit will ich den Individualverkehr jetzt nicht verteufeln; es geht mir mehr darum, aufzuzeigen, dass es oftmals auch ohne geht, auch wenn man dann auf ein wenig Bequemlichkeit verzichten muss.

Bild © Humanoide (flickr.com)

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Andreas Hobi arbeitet seit 2001 bei der SBB und dort seit 2004 beim Zugpersonal. In seiner Freizeit schreibt er auf schweizweit.net von seinen Erlebnissen und über andere spannende Stories aus der Welt des öffentlichen Verkehrs.

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FLOG Januar 15, 2008 um 11:18

Im Zusammenhang mit den postings von CHM und dem Thema “Leben ohne Auto” würde ich gerne ein kollaborativen Blog starten, vielleicht können wir Bastien Girod, Franziska vom VCS und ein paar andere für die Idee begeistern. Was ist mit dir? Was meinst du zu dieser Idee? Freue mich auf dein feedback!

Antworten

Beate Guthke Juli 8, 2009 um 15:34

ob es schon zu spät ist, weiß ich nicht, aber ich habe mein Bestes
getan. Will sagen, ich habe einen sehr aktuellen Umweltroman
veröffentlicht, der komplett, umsonst und für alle unter
http//www.katzen-gegen-klimawandel.de zum Lesen bereit liegt.

Dies ist eine Info, keine WERBUNG!

Hier ein Klappentext:

Sisyphus ist ein mallorquinischer Hund, der sich für eine Katze
hält. Unter seiner Führung gelingt einer Gruppe Katzen das Unfassbare:
fast alle Autos der Insel auf die Größe von Spielzeugmodellen zu
verkleinern. Damit rächen sie den Tod von Helena, der schönsten Katze
von allen. Auf Mallorca gerät zwangsläufig einiges durcheinander. Eine
Handvoll Kinder, die auf Mallorca ihre Ferien verbringt, ist den Katzen
jedoch auf die Schliche gekommen. Angesichts der Extremsituation
beginnen sie, die Autos vor allem im Hinblick auf den KLIMAWANDEL zu
hinterfragen. Dabei sind sie stets entgegengesetzter Meinung. 100%
antiautoritär, antifaschistisch und antirassistisch. Die Menschen, auch
die Touristen (!) werden aus der Sicht der Katzen beschrieben! Sie
nennen sich selbst Automobile oder Selbstläufer, die Menschen
bezeichnen sie als Notorisch Unzufriedene.
Ein Umweltroman, in dem auch die Schönheiten der Insel nicht zu kurz
kommen. Für Menschen ab 12 Jahren.

Für die Freunde traditioneller Bücher: erschienen als DIE TRAUMINSEL von
N.Tropia bei BoD (Books on Demand).

Mit freundlichen Grüßen
Beate Guthke

Antworten

Yves Dezember 30, 2009 um 19:10

Auch wir leben seit heute Autofrei. Das GA ist zwar nicht unbedingt billiger als unser Kleinwagen. Dafür ist es aber gemütlicher. Ausserdem wenn ich lese was heute auf den Strassen los ist, abdrängen, nötigen, schikanieren….. bin ich froh das Kapitel hinter mir zu haben und gleichzeitig noch was für die Umwelt zu tun.
Es guets neus, Yves

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