Immer das Gleiche mit dieser Art von Fahrgästen! Der Typ sass in meinem Rheintalexpress ab St. Gallen und wir bewegten uns gegen Rorschach zu. Nachdem er mich zuerst mal ein wenig ignorierte, antwortete er auf meine dritte Aufforderung, das Billett zu zeigen. Leider verstand ich seine Sprache nicht (es tönte osteuropäisch). Entweder er stellte sich einfach nur dumm, oder er sprach wirklich weder deutsch, noch englisch, noch französisch. Die beiden Wörter “Billett” und “Ticket” schien er nicht zu kennen. Anfangs sprach er noch mit eher leiser, ruhiger Stimme.

Urplötzlich jedoch stand er auf und schrie durch den ganzen Wagen “Arschloch” (anscheinend konnte er doch ein wenig deutsch) und beschimpfte mich in seiner Sprache. Gleichzeitig fuchtelte er mit seinen Händen durch die Gegend. Ich schätzte das Gefahrenpotential, welches von diesem Mann ausging, als hoch ein.

Ich verlangte einen Ausweis. Doch er spielte wieder das gleiche Spiel: “Ausweis”, “Passport”; diese Wörter schien er noch nie gehört zu haben. Mir wurde es allmählich zu doof und deshalb nahm ich mein Handy hervor. Ich wusste, dass es rein gar nichts bringen würde, die Bahnpolizei zu rufen, da diese eh nicht in der Nähe ist. Aber vielleicht konnte ich den Herrn damit zum Einlenken bewegen. Vielleicht würde er nachgeben, sobald er kapiert, dass ich mit der Polizei spreche. Leider bestätigte sich im Gespräch mit der Bapo-Zentrale, dass die Zeit nicht reicht, um bis Rorschach eine Bapo- oder Kapo-Patrouille zu organisieren. Auch liess sich der Schwarzfahrer von meinem Telefonat nicht beeindrucken. Ich überlegte mir, was ich nun tun könnte, als ein älterer Herr vorbei lief, um auf die Toilette zu gehen. Im Vorbeigehen sagte er nur: “Das huere Saupack müesst me verschüsse!”

Dadurch war der schwarz fahrende Herr für einen Moment abgelenkt und verwirrt. Ich nutzte den Moment aus, schnappte mir seinen Rucksach, begab mich in den nächsten Wagen, schloss die Übergangstüre und suchte nach einem Ausweis oder etwas ähnlichem. Leider befanden sich nur Bier- und Weinflaschen sowie ein paar Rüebli in dem Rucksack. In dem Moment fuhren wir auch schon in Rorschach ein. Ich ging zurück, um dem Schwarzfahrer klar zu machen, dass er nun auszusteigen habe. Als er dies nicht tat, schloss ich alle Reissverschlüsse des Rucksacks und beförderte diesen im hohen Bogen aus dem Zug. Man hörte, wie alle die Glasflaschen auf dem harten Perronboden zu Bruch gingen. Kurz darauf roch man auch schon den Alkohol. Nun wusste er, dass ich nicht spasse, nicht zimperlich bin und notfalls härter durchgreifen werde.

Noch immer machte der Schwarzfahrer keine Anstalten, auszusteigen. Doch dann kam der Herr von vorhin von der Toilette zurück. In der Hand hielt er einen Pfefferspray. “Wetsch selber usstiege oder muessder helfe?”, sagte er nur. Da stieg der Schwarzfahrer aus. Er fluchte lauthals in seiner Sprache, es fiel jedoch immer mal wieder das Wort “Schweiz”. Keine Ahnung, was er uns mitteilen wollte. ;o)

Gegen Ende des Tages stiess ich auf ein Zweierteam der Bahnpolizei. Ich kannte die beiden von früeheren Begegnungen und erzählte ihnen die Geschichte von A-Z. Ich erwähnte dabei auch das Durchsuchen des Rucksacks, das Hinauswerfen des Rucksacks in Rorschach und den Pfefferspray des anderen Fahrgastes. Sie lachten nur und erzählten von ähnlichen Geschichten, welche ihnen von anderen Kondukteuren zugetragen wurden.

Die Bahnpolizisten waren der Meinung, dass man nur durch hartes Durchgreifen das Tun dieser “saufrechen Typen” (Zitat Bapo) stoppen könne und gutierten, dass es solche Menschen wie mich gäbe, welche nicht einfach weiter gehen, sondern sich um diese Menschen “kümmern”. Dies motivierte mich natürlich, in zukünftigen ähnlichen Situationen wieder genau gleich zu handeln. :)

Übrigens: Wir vom Zugpersonal dürfen keine Pfeffersprays auf uns tragen. Weshalb die SBB nicht will, dass wir uns im Ernstfall verteidigen können, ist mir mehr als schleierhaft und ich bin der Meinung, wer gelernt hat, mit einem Pfefferspray umzugehen (was bei mir der Fall ist; ich besitze privat einen), sollte ihn auch während der Arbeit tragen dürfen.

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