Gewerkschaft fordert: Auf jedem Zug muss ein Heizer mitfahren
Als ich zum ersten Mal davon hörte, konnte ich es kaum glauben: Auf amerikanischen Zügen muss bis heute musste bis vor kurzem immer noch ein Heizer (fireman) mitfahren; dies, obwohl Dampfzüge schon lange aus dem fahrplanmässigen Verkehr genommen wurden.
Andere Länder, andere Sitten, könnte man da sagen. Die amerikanischen Eisenbahner-Gewerkschaften verhinderten, dass der Heizer abgeschafft wird.
Aufgabe das Heizers
In Dampfzeiten war es noch klar: Der Heizer - wie es der Name schon sagt - sorgte für das Feuer und für genügend Druck im Dampfkessel. Als die elektrischen Loks kamen, verschwand dieser Teil des Jobs. Seither amtierte der Heizer als “rechte Hand” des Lokführers, behielt die Strecke im Auge, schaute auf die Signale und gab seine Sichtungen mündlich an den Lokführer weiter. Ausserdem durften Heizer den Zug steuern, dies jedoch nur unter Aufsicht des Lokführers, damit sie im Ernstfall den Zug selber zum stehen bringen konnten. Oftmals waren die Heizer auch für das An- und Abhängen von Waggons zuständig.
Weshalb wir keinen Heizer brauchen
Bei der SBB und bei den meisten anderen Eisenbahngesellschaften übernehmen heute die Technik oder andere Berufsgruppen die Funktionen, welche in den Staaten bis vor kurzem vom Heizer ausgeführt wurden. Zum Beispiel wird bei uns ein Zug automatisch zum Stehen gebracht, wenn er über ein rotes Signal fährt. In Amerika ist war der Heizer dafür zuständig. Natürlich geht letzteres zulasten der Sicherheit, denn Menschen haben grundsätzlich eine langsamere Reaktionsgeschwindigkeit als die moderne Technik.
Im Artikel “Great Moments in Labor Relations” des Coyoteblogs wird die Sache mit dem Heizer und die Hintergründe dazu gut beschrieben:
Früher hatten die Eisenbahngesellschaften in Amerika eine riesige Lobby und eine grosse Macht. Dies führte dazu, dass das Arbeitsrecht bezüglich den Bähnlern deutlich besser ausfiel als jenes für die restliche Industrie.
Zum Beispiel bestand ein “Arbeitstag” nicht etwa aus einer bestimmten Anzahl Stunden, sondern aus der Strecke, welche eine Dampflokomotive anno dazumal zurücklegen konnte, ohne Wasser nachzufüllen. Diese Distanz betrug 100 Meilen (161 Kilometer), also ungefähr die Distanz zwischen Zürich und Fribourg. Sobald das Zugteam diese Strecke zurückgelegt hatte, wurde ihm ein “Arbeitstag” gutgeschrieben.
Zwischen 1930 und 1940 wurde dann begonnen, die Dampflokomotiven durch Dieselloks zu ersetzen. Diese sind zuverlässiger, günstiger im Unterhalt und können weitere Strecken am Stück zurücklegen. Unter diesen Umständen erschien die 100-Meilen-Regel als absurd. Ein moderner Zug konnte die Strecke von 100 Meilen in rund zwei Stunden zurücklegen. Trotzdem hielten die Gewerkschaften daran fest. Nachdem jahrzehntelang gekämpft und verhandelt wurde, entschloss man sich, die Anzahl Meilen zu erhöhen: Von 100 auf 108 Meilen…
Was die amerikanischen Gewerkschaften zustande brachten:
- Bähnler erhalten einen Tageslohn, sobald sie 108 Meilen zurückgelegt haben
- Einige Gewerkschaftsmitglieder haben garantierten Lohn auf Lebzeiten, auch wenn sie nur wenige Tage im Monat arbeiten
- Bis 1987 erhielten Mitarbeiter der Burlington Northern “Schmerzzulagen”, wenn sie durch indianisches Gebiet in Montana fuhren
- Studien ergaben, dass die Anzahl Arbeitskräfte um die Hälfte reduziert werden könnte und die etwas speziellen Bähnler-Arbeitsgesetze die Industrie jährlich 4 Milliarden US-Dollar kosten
Quelle: Coyote Blog
Funktionen im Zugsteam: TRAINS Magazine

Andi am 17.10.2007 um 11:37
Hallo Andi
Gemäss den von Dir zitierten Quellen wurden die Firemen bereits abgeschafft.
Coyote Blog schreibt:
Until just the last few years, most railroads continued …
Ich würde das mit “Bis vor wenigen Jahren…” übersetzen.
Und in trains.com steht:
…but only in recent years has the fireman’s job been eliminated.
Somit dürften die Firemen auch auf Güterzügen der Vergangenheit angehören.
Gruss
ein weiterer “Andi”
Andreas (schweizweit.net) am 17.10.2007 um 11:55
Danke für den Hinweis! Wurde natürlich gleich korrigiert. :)
Andreas (schweizweit.net) am 17.10.2007 um 14:44
Und bei den Franzosen gibt es noch den Kohlezuschlag, wie ich soeben gesehen habe… ;o)
Pligg am 17.10.2007 um 21:33
Bahngewerkschaft fordert: Auf jedem Zug muss ein Heizer mitfahren!…
Auf amerikanischen Zügen muss noch auf jedem Zug ein Heizer mitfahren; dies, obwohl Dampfzüge schon lange aus dem fahrplanmässigen Verkehr genommen wurden. Ausserdem konnten die Gewerkschaften für ihre Bahnmitarbeiter nach zahlreiche andere Besonde…
Rick am 18.10.2007 um 08:55
Mit Verlaub, bei aller Sympathie für die Stoßrichtung des Artikels - er ist ein wenig unglücklich. Die Heizergeschichte (und ein paar andere Kuriositäten) hätte man besser an der britischen Eisenbahn demonstrieren sollen. Und da ich hoffe dass schweizweit deutschweit gelesen wird: die eidgenössischen staatlichen Zugchauffeure zählen zu den bestverdienendsten in der Welt, der Lohn liegt weiter über dem landesüblichen Durchschnittseinkommen. Der Blick nach Amerika wo die Eisenbahnen anders als im alten Europa schon sehr marktwirtschaftlich unterwegs sind war vielleicht nicht die allerallerbeste Variante *zwinker*
Freundlicher Gruß aus Unterneuntupfing
Rick
Andreas (schweizweit.net) am 18.10.2007 um 17:10
In der Schweiz sind die Löhne generell höher als in anderen Ländern. Dafür sind jedoch auch die Lebenshaltungskosten ziemlich hoch.
Wenn man nun beides berücksichtigt, Lohn und Kosten für das tägliche Leben, bleibt “nur” noch ein ganz kleines Plus auf der Seite der Eidgenossen.
Adrian am 20.10.2007 um 11:22
Und es ist dann immer wieder erstaunlich, dass dann trotzdem solche Geschichten passieren können:
http://www.youtube.com/watch?v=g4ASTQBe9U0
http://www.youtube.com/watch?v=5BC3qzm41e8
http://www.youtube.com/watch?v=jmJQU3IVjeU
Andreas (schweizweit.net) am 20.10.2007 um 18:38
Verkehrsunfälle wird es wohl immer geben; ob nun auf der Strasse, auf der Schiene, in der Luft oder auf dem Seeweg. Dies können auch die modernste Technik und noch so gut ausgebildete Mitarbeiter nicht verhindern.