Blog Action Day: Wie umweltfreundlich ist die SBB?
Heute ist Blog Action Day. Weltweit schreiben Blogger rund um das Thema Umwelt. Natürlich bleibt auch schweizweit.net da nicht aussen vor. In meinem Artikel geht es darum, was die SBB für die Umwelt tut und was sie in Zukunft noch besser machen könnte. Die meisten Informationen für diesen Artikel wurden dabei dem aktuellen Umweltbericht entnommen.
Es ist bekannt, dass die SBB bestrebt ist, den Umweltvorteil der Bahn gegenüber der Strasse zu erhalten. Sie nutzt den ihr zur Verfügung stehenden Strom sparsam und setzt bei dessen Produktion so oft als möglich auf Wasserkraft.
Die Bahnen bewältigen 32% des schweizerischen Güterverkehrs und 16% des Personenverkehrs. Sie beanspruchen dafür lediglich 3% der für den gesamten Verkehr benötigten Energie.
Die SBB produziert über 80% ihres Energiebedarfs selbst. Dies tut sie in ihren eigenen Wasserkraftwerken. Diesen Strom setzt sie sparsam ein, indem sie zum Beispiel das Rollmaterial laufend energietechnisch optimiert: Sie verstärkt die Isolation der Fenster und des Bodens, setzt sparsamere Beleuchtung ein und optimiert den Einsatz von Heizung und Lüftung.
Auch in ihren Gebäuden bleibt die SBB nicht untätig: Seit dem Umbau des Bahnhofs Bern wird die Abwärme der Berner Kehrrichtverbrennungsanlage zur Kühlung der Verkaufsflächen im Bahnhof verwendet. Zusammen mit Energierückgewinnungsanlagen sowie der umfassenden Sanierung der Wärmedämmung konnte der Energieverbrauch des Bahnhofs Bern um über die Hälfte reduziert werden.
Auch bezüglich Lärm-Reduktion ist die SBB am Ball. Laufend werden Bahnwagen mit lärmarmen Kunststoffbremsen ausgerüstet. Im Moment geben diese Kunststoffbremsen jedoch noch unangenehme Geruchsemissionen frei; die SBB arbeitet daran, dieses Problem zu beheben. Bezüglich dem Kurvenkreischen und möglichen Massnahmen wurden in einem internationalen Projekt unter der Federführung der SBB Lösungen gesucht. Weiters werden in Regionen, wo der Bahnlärm besonders intensiv ist, Gebäude durch die SBB mit Schallschutzfenstern ausgerüstet.
Was die Hygiene anbelangt, rüstet die SBB ihre Wagen laufend mit den neuen geschlossenen Zugstoiletten aus. Diese speziell für die Eisenbahn entwickelten Bioreaktor-WCs filtern und entkeimen die Ausscheidungen der Fahrgäste und lassen die Flüssigkeit danach während der Fahrt ab.
Bezüglich dem Abfall der bei der SBB entsteht, ist sie natürlich besorgt, diesen zu trennen und danach umweltgerecht zu entsorgen oder wiederzuverwenden.
Es wird bei der SBB darauf geachtet, dass alle Mitarbeiter sorgsam mit den ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen umgehen und “umweltfreundlich arbeiten”. Um ein Beispiel zu nennen: Die Mitarbeiter von RailClean werden im umweltfreundlichen Umgang mit den Reinigungsmitteln geschult. Ausserdem führte SBB Immobilien eine neu entwickelte gewässerfreundliche Reinigungsmethode ein, bei der mit Hilfe eine Spaltpapiers der Farbschlamm herausgefiltert und in einer Kehrrichtverbrennungsanlage separat verbrannt wird. Der Farbschlamm kann somit nicht mehr in die natürlichen Gewässer gelangen.
Die SBB realisierte im Rahmen der Bahn 2000 in der Brunnmatte bei Langenthal eines der grössten Renaturierungsprojekte der Schweiz.
Die Neubaustrecke Mattstetten–Rothrist führt bei Langenthal durch die Brunnmatte – eine bedeutende, geschützte Wässermatte. Die SBB erhielt die Baugenehmigung nur mit der ausdrücklichen Auflage, die teilweise Zerstörung der Wässermatte durch ökologische Ausgleichsmassnahmen zu kompensieren. Die SBB setzte diese Auflage wie folgt um: Zwischen der alten Stammlinie und der Neubaustrecke wurde die Wässermatte neu belebt. Diverse neu errichtete Feucht- und Flachwasserbiotope sowie Trockenstandorte erhöhen die Vielfalt an Pflanzen und Tieren. Der 1,5 Kilometer lange Damm aus Steinblöcken schützt einerseits die Bevölkerung in Roggwil vor Lärm, andererseits können sich hier verschiedene Reptilien und andere Kleinlebewesen ansiedeln. Dank einer alle 50 Meter durch den Damm gezogenen Fluchtröhre finden Tiere aus dem Bahntrassee den Weg in die naturnah gestaltete Brunnmatte zurück.
Was ist noch zu tun?
Es gibt diverse Ideen, wie die SBB den Umweltschutz noch stärker fördern kann. Ich denke, eine Möglichkeit wären Hybridfahrzeuge für die Strassenflotte der SBB. Sämtliche Geschäftsautos, Busse und andere Fahrzeuge sollten durch Hybridfahrzeuge ersetzt werden. Dies würde der Öffentlichkeit noch stärker zeigen, dass die SBB ein umweltfreundlicher Betrieb ist.
Wo es auch noch Verbesserungspotential gibt: Bei der Papierverschwendung. Wöchentlich werden Tausende von Reglementen, Vorschriften, Hinweise, Informationen etc auf Papier gedruckt und an die Mitarbeiter verteilt. Vieles davon könnte man auch auf elektronischem Weg versenden. Statt dass wir hunderte von Reglementen mit uns mitschleppen müssen, könnte man diese zum Beispiel alle als PDF auf unsere Zugpersonalgeräte speichern. So hätten wir sie immer gleich zur Hand und die SBB spart nebenbei noch die Kosten für das Papier und den Druck.
Ausserdem könnte die SBB ihren Mitarbeitern die Möglichkeit bieten, betriebsinterne Informationen zukünftig wahlweise auf Papier oder per Email zu erhalten. Ich denke mal, die meisten SBB-Mitarbeiter haben inzwischen eine eigene Email-Adresse. Auf diese kann man dann die Lohnzettel und -ausweise, die Newsletter und vieles andere schicken. Wiederum spart die SBB an Papier, Druck und Portokosten.
Natürlich gibt es noch hunderte von weiteren Verbesserungsvorschlägen. Man kann jedoch mit gutem Gewissen sagen: Die SBB ist auf einem sehr guten Weg und schont die Umwelt in ausserordentlichem Masse.
Bild © woodleywonderworks (flickr.com)

mds am 04.11.2007 um 10:27
Passend zum Thema: Klimabilanz der Bahn – Noch eine unbequeme Wahrheit in der FAZ.
Andreas (schweizweit.net) am 04.11.2007 um 10:51
Ich kenne mich mit den genauen Zahlen und Berechnungen zu wenig aus. Nehmen wir nun aber mal an, die FAZ hat richtig gerechnet:
Der Energieverbrauch von PKW und Zug ist also in etwa gleich gross. Ok. Nun müssen wir nur noch schauen, woher die Energie kommt:
- Beim PKW kommt sie (bis auf sehr wenige Ausnahmen) aus dem Erdöl
- Bei der Bahn kommt sie (ebenfalls von Ausnahmen abgesehen) hauptsächlich von elektrischem Strom, in der Schweiz zum grossen Teil aus eigenen Wasserkraftwerken
Der Energieverbrauch in Kilowattstunden, Joule oder was auch immer mag zwar gleich gross sein; jedoch muss man auch berücksichtigen, woher die Energie kommt und wie sie produziert wird.
Andreas (schweizweit.net) am 04.11.2007 um 15:53
Übrigens (ist mir jetzt gerade in den Sinn gekommen): Bei vielen Lokomotiven wird beim Bremsen Strom erzeugt, welcher wieder in den Kreislauf zurück fliesst. Somit dürfte nach Abzug dieser “regenerierten Energie” der wirkliche Energiebedarf der Züge leicht tiefer liegen als in der FAZ dargestellt.
PS: Natürlich verstehe ich die Autolobby; infolge der Klimadiskussion sehen die ihre Brötchen davon schwimmen und anscheinend haben sie nach Journalisten gesucht, welche bereit sind (natürlich gegen ein kleines Honorar) positiv über den Individualverkehr zu schreiben und den ÖV zu diskreditieren. Schade, dass sich die FAZ auf solches Niveau herunterlässt.