Dies sollte einem zu denken geben…
thurgau October 2nd. 2007, 09:11Als ich vorgestern (Sonntag, 30. September) mit meinem ICN in Weinfelden hielt, war dort gerade Chilbi, es hatte viele Leute im und rund um den Bahnhof und es herrschte gute Stimmung.
Auf unserem Perron war auch eine Gruppe Jugendlicher. Der Grossteil dieser Jugendlichen schien ausländischer Abstammung zu sein. (Ex-Jugoslawien) Nach anderen Pöbeleien riefen sie mir zu, ob es mich nicht “anscheisse”, arbeiten zu gehen. Ich antwortete ihnen, dass das Geld ja schliesslich irgendwoher kommen müsse, worauf sie wiederum erwiderten, dass sie mit dem Geld von der Sozialhilfe bestimmt besser lebten als ich mit meinem Job. Ich sagte nichts mehr und ging meines Weges, um den Zug abzufertigen und weiter zu fahren.
Trotzdem muss ich diesen Jugendlichen ganz klar Recht geben: Wer unter 6500 Franken monatlich verdient, würde mit Vorteil seinen Job hinschmeissen und von der Sozialhilfe leben. Finanziell ginge es ihm dann spürbar besser. Nur wer Karriere machen will, sollte seinen Job behalten. Dies wird auch im unten stehenden Artikel angesprochen.
Da ich nicht schlecht verdiene und mir auch einiges leisten kann (ab und zu eine Karibik-Kreuzfahrt und ähnliches), hält sich mein Ärger über die Sozialschmarotzer und die Schweizerische Sozialhilfe in Grenzen. Trotzdem hoffe ich, dass in dieser Hinsicht bald mal etwas gemacht wird und wir uns mehr in Richtung Deutschland bewegen (natürlich nur, was die Soz.-Hilfe anbelangt), mit Hartz IV und so. Mehr haben diese Jugendlichen und die restlichen Schmarotzer auch gar nicht verdient. Und auch für die ehrlichen Sozialhilfebezüger wird das Geld gut zum Leben reichen.
Nachfolgend und zum Thema passend nochmals der Artikel, welchen ich vor einigen Tagen geschrieben habe, der dann jedoch aufgrund des Absturzes verschwunden ist.
Kürzlich hörte ich in einer Schweizer Zeitung von der Idee, den ÖV für Sozialhilfebezüger gratis anzubieten. Glücklicherweise zeigte eine Umfrage (siehe Bild links) auf der Internetseite der Zeitung, dass eine überdeutliche Mehrheit der Schweizer Bevölkerung gegen diesen Vorschlag ist.In meinen Augen eine völlig richtige Entscheidung. Sozialhilfe ist bereits heute sehr attraktiv und soll nicht noch mehr an Wert gewinnen. Vielmehr sollen sie Bezüger wieder dazu ermuntert werden, arbeiten zu gehen, etwas zu tun, ihren Arsch zu bewegen. Dieser Meinung sind Mitglieder aller Parteien. Erst kürzlich erschien die Zürcher Sozialvorsteherin Monika Stocker (Grüne Partei) in den Medien mit Aussagen wie: “Heute honorieren die sozialen Sicherungssysteme vielfach, dass ich mich nicht bewege, dass ich nicht flexibel bin, dass ich verharre.” (Quelle)In der Stadt Zürich erhält eine Familie mit drei Kindern monatlich 6031 Franken netto. Zusätzlich werden die Zahnarztkosten, Krankenversicherungen und mindestens ein Teil der Steuern bezahlt. Es gibt Familien, die kommen mit Arbeit auf weniger monatliches Einkommen. Der statistische Durchschnittslohn in der Schweiz betrug vergangenes Jahr 5700 Franken brutto (vor Abzug von Sozialabgaben und Steuern) (Quelle). Interessant auch die “Eigernordwand-Grafik”, welche Hansruedi Oetiker, Chef der Dorflinde in Zürich anspricht: In jeder Rezession steigt die Arbeitslosigkeit und somit auch die Zahl der Sozialhilfefälle. Sinkt die Arbeitslosigkeit wieder, bleibt die Zahl der Sozialhilfefälle so hoch, wie sie ist - um bei der nächsten Rezession auf ein noch höheres Plateau zu steigen.Ein Ausschnitt aus diesem Artikel:
Das Monatsbudget der Familie Zaki beläuft sich zurzeit auf 9121 Franken und 70 Rappen‚ Kinderbetreuung und IV-Rente inklusive, die er mittlerweile bezieht. Total wurde die pakistanisch-schweizerische Familie in den letzten vier Jahren mit 421735 Franken Steuergeldern unterstützt. Ein Ende ist nicht absehbar.
Entschuldigung, jetzt bin ich gerade ein wenig abgeschweift. Zurück zum Thema: Ein Gratis-ÖV für Sozialhilfebezüger ist in meinen Augen in Anbetracht dieser Tatsachen absoluter Unsinn. Die Bezüger “verdienen” - wie wir oben gesehen haben - genug, um sich sogar ein GA zu leisten. Es besteht also keine Notwendigkeit, denen noch mehr zu zahlen. Und wie wir gesehen haben, können jene, welche den ÖV nicht benutzen wollen, mit dem Mercedes herumkurven.
(Eigentlich bezahlt das Sozialamt bereits heute schon einen Teil der ÖV-Kosten ihrer Klienten: Immer mehr Menschen haben bei meiner Kontrolle kein Billett und geben als Adresse dann gleich
Anna Muster (Kunde)
c/o Sozialamt XY, Frau Meier (Sachbearbeiterin)
1234 Musterhausen
an. Selbst dann, wenn sie in der ersten Klasse reisen. Ich habe bis heute noch von keinem Fall gehört, bei dem die Rechung dann nicht bezahlt wurde.)
Medienberichte zum Thema Sozialhilfe:
- Finanzinspektorat durchleuchtet Sozialhilfe
- Sozialhilfe der Stadt Bern - alle 4000 Dossiers werden überprüft
- So sieht die Schweiz von unten aus
- Wenn Sozialhilfe mehr bringt als Arbeiten
- Frau Zaki braucht ein Dienstm√§dchen
- Persilschein in eigener Sache
- Sozialhilfe in der Pflicht
- Biel will weniger Sozialhilfebezüger
- Unverzeihliche Systemfehler
- Wenn sich Erwerbsarbeit nicht lohnt
- Risse im Packeis
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October 2nd, 2007 at 09:39
Die Story mit dem Gratis-öV für Sozialhilfeempfänger hat bei mir ebenfalls energisches Kopfschütteln hervorgerufen. Gerade in Bern werden zwischendurch gerne mal Trams als Aufwärmstübchen benutzt, besonders im hinteren Teil der Trams riecht und sieht man das zwischendurch auch. Von daher ein völlig unverständliches Erzeugnis eines Politikers.
Du hast schon recht mit deinem Beitrag, ich könnte jetzt auch mit dem Trend gehen und als Jugendlicher ein bisschen abstürzen, weil mir Arbeit und Weiterbildung auf die Nerven gehen. Doch wenn ich sehe, wie unterbelichtet man sich anschliessend verhalten sollte, verfliegen diese Gedanken gottseidank schnell einmal.
Jedenfalls bleibt zu hoffen, dass die Zahl der politischen Traumtänzer und Brandstifter bei den kommenden Wahlen mal ein wenig verkleinert wird.
October 2nd, 2007 at 11:45
Auf eine interessante Sache bin ich eben gerade gestossen. Darüber kann man geteilter Meinung sein: http://www.gulli.com/news/l-gendetektor-bei-sozialhilfe-2007-10-01/
October 2nd, 2007 at 14:10
Andreas, die Kosten für den öffentlichen Verkehr zählen zum Grundbedarf der Sozialhilfe gemäss SKOS-Richtlinien – heute schon!
October 2nd, 2007 at 20:04
Es zeigt sich wiedereinmal, dass es an der Zeit wäre, ein bedingungsloses Grundeinkommen einzuführen. Dann würden solche Fälle, wie sie oben im Artikel beschrieben sind, der Vergangenheit angehören.
October 2nd, 2007 at 22:56
Obwohl ich mich eigentlich politisch zur linken Seite zuordne geben auch mir die Beispiele zu denken. Und irgendwie komme ich mir dann auch etwas verarscht vor. Und ich frage mich wie dies Familien machen die noch weniger verdienen.
Zumal ich mich dann frage, wieso solche Geldempfänger nicht dafür verpflichtet werden können Arbeiten im Sinne der Allgemeinheit zu erledigen. Problematisch ist da immer wieder, dass bald argumentiert wird, die Privatwirtschaft dürfe nicht konkurenziert werden.
Aber es gäbe da aus meiner Sicht genügend Möglichkeiten. Die Autobahnausfahrten, Wälder etc strotzen an gewissen Orten vor Abfall. Das verrückte ist dann aber häufig, dass sich Geldemfänger auch weigern solchen Arbeiten nachzugehen.
Richtig betreut könnte es aber auch motivierend wirken etwas zu helfen.
Ich weiss ein nicht sehr einfaches Thema. Wichtig finde ich, dass eine seriöse und weniger populistische Diskussion in die Geschichte kommt.
October 3rd, 2007 at 00:24
Mmh… Dann frag ich mich aber ernsthaft, wieso so viele Sozialhilfebezüger ohne Billett unterwegs sind und auch nicht bereit sind, eines zu bezahlen, sondern eine Rechnung an das Amt schicken lassen… Sorry, aber was kaufen die dann mit dem für den ÖV vorgesehenen Geld??
Ich bin der Meinung, bevor der Ruf der ehrlichen Sozialhilfebezüger zu sehr in den Schmutz gezogen wird, muss endlich etwas geschehen und man müsste energischer gegen Missbrauch vorgehen!
In meinen Augen sind Detektive und unvorangemeldete Besuche ein legitimes Mittel, Missbrauch einzudämmen und sollten deshalb klar erlaubt sein.