Swissmetro – So schnell wie ein Flugzeug

von Andreas Hobi am 10. September 2007 · 16 Kommentare

So schnell wie ein Flugzeug und in 12 Minuten von Zürich nach Bern! Welcher Pendler (oder auch andere Fahrgast) träumt nicht davon? Swissmetro will es ermöglichen und somit die Kapazitätsengpässe auf dem Schweizer Schienennetz beseitigen oder zumindest reduzieren.

In einem halben Jahr bereits könnte mit dem Bau der Swissmetro begonnen werden; grosse Firmen wie ABB, Alstom und die ETH sind in das Projekt involviert. Doch die Betonung liegt auf könnte, denn der Schweizer Wirtschaft fehlt es an Mut. 50 Mio Franken wurden bisher in die Swissmetro investiert, doch es scheint, als wird es noch Jahrzente dauern, bis sie realisiert wird. Falls sie jemals realisiert wird.

Auch in der Öffentlichkeit ist das Projekt höchstens unter Eisenbahn- und ÖV-Fans bekannt. Was nicht zuletzt auch ein Verschulden der Swissmetro AG selbst ist, welche einfach viel zu wenig unternimmt, um das Projekt bekannter zu machen und ihre Homepage nur alle paar Monate auf den neusten Stand bringt. (Beispiel: Am 20.08.07 erschien im St. Galler Tagblatt ein grösserer Artikel über das Projekt, doch bis heute wird der Artikel nicht auf der Presseschau auf swissmetro.ch aufgeführt.)

Auch nutzt die Swissmetro AG die heutigen Social-Media-Möglichkeiten viel zu wenig, um bei der jungen Bevölkerung bekannt zu werden. Schade, denn das Projekt ist natürlich absolut genial! In Zeiten des Klimawandels ist ein Verkehrsmittel, welche über folgende Eigenschaften verfügt, absolut passend:

  • lautlos
  • kein CO2-Emmissionen
  • keine Abgase
  • schont die Landschaft

Die Swissmetro könnte bei den kommenden und teilweise bereits heute schon bestehenden Schienenverkehrs-Engpässen Abhilfe schaffen und Auto-Staus vermindern. Die Haltestellen werden direkt unter die bestehenden SBB-Bahnhöfe gebaut, so dass ein Umsteigen problemlos möglich wäre. Doch wie schon gesagt: Leider wagt sich die Wirtschaft nicht an diese Herausforderung.

Denken wir doch mal zurück. Als es um den Bau des Gotthard-Tunnels ging (1882) oder um die Jungfraubahn (1912). Wie gross war damals das Geschrei der Leute, welche sich nicht mit diesen Projekten anfreunden konnten? Und wo wären wir heute, hätten wir auf diese Menschen gehört? Das gleiche gilt für die Swissmetro. Der Nutzen dieser Magnetschwebebahn für die Wirtschaft und die Bevölkerung ist gigantisch und die Schweiz würde wirtschaftlich und touristisch an Bedeutung gewinnen.

Um der Bevölkerung und nicht zuletzt auch der Wirtschaft zu zeigen, dass die Swissmetro ein realistisches Projekt ist, plant sie nun, im Versuchsstollen Hagerbach (Flums / Sargans) ein Stück Swissmetro-Tunnel im Massstab 1:1 zu bauen. Mit Hilfe einer Modellkabine im Tunnel soll man dann das magnetische Schweben testen können. Das unter dem Namen “Setup-Mini” laufende Projekt soll in einem Jahr fertig sein. Der Churer Bauingenieur Rudolf Mettler erklärt, dass man den Hochgeschwindigkeitszug bisher nur virtuell habe besichtigen können. Von der realen Demonstration des Systems erhofft man sich eine grössere Überzeugungskraft. So soll nun allen Skeptikern bewiesen werden, dass die Swissmetro machbar ist.

Links: (Dateien werden automatisch heruntergeladen)

YouTube Preview Image
Youtube
Die Swissmetro würde übrigens höchstwahrscheinlich durch einen Computer gesteuert verkehren. Ein Pilot wäre also nicht vonnöten. Jedoch ist vorgesehen, auf jedem Zug einen Begleiter einzusetzen (Betreuung der Fahrgäste, Ticketkontrolle o.ä.). Ein Job, auf den ich mich mit Sicherheit bewerben werde. :)


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Rasmus September 10, 2007 um 14:13
Andreas (schweizweit.net) September 10, 2007 um 15:06

Genial! ;o) Danke für den Hinweis.

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Adrian September 10, 2007 um 22:38

Etwas mehr Visionen wären in der Politik sicher angebracht. Aber ich schätze die Realisierung der Vision der Swissmetro werden wir nur noch miterleben wenn wir selber unter dem Boden sind.
Wenn man nur schon anschaut, wie für die Finanzierung des ZEB (auch wegen der NEAT) grosse Diskussionen ausbrechen bin ich mir nicht sicher wie ein solch visionäres Projekt überhaupt finanziert werden soll. Zumal es heute ja sehr populär ist Steuern zu sparen.

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Adrian September 10, 2007 um 22:59

Mir ist gerade noch etwas in den Sinn gekommen: Wir werden je länger je mehr gerade oder trotz NEAT in das Problem laufen, dass wir zu wenig Gütertrassen haben. Wobei dies weniger für die Ost-West Achse als mehr für die Nord-Süd Achse zutrifft. Swissmetro wäre eine Alternative um mehr Trassen zu gewinnen. Wobei dies im Nahverkehr trotzdem ein Problem geben wird, bzw für beides (Nah- und Fernverkehr) jetzt schon teilweise der Fall ist. Ich frage mich aber ob die Reisezeit so kurz gehalten werden kann. Ich schätze die Kontrolle der Passagiere wird vermutlich hier eine grössere Rolle spielen als dies bei der normalen Eisenbahn der Fall ist. Denn ein Attentat hätte hier grössere Auswirkungen.
Auch die Anbindung ans Ausland erscheint zwar schön, aber wie realistisch ist dies. Dann müsste sich die EU schon auf das gleiche System einigen. Und Deutschland wird wohl mit dem Transrapid ein kleines Problem haben. Und vermutlich wollen dann auch die anderen Länder irgendwie mitreden. Bevor also etwas gebaut wird müsste man sich schon einigen, wie es mit der Kompatibilität aussieht.

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Chris September 11, 2007 um 00:05

Danke für den Beitrag.
Endlich hört man wieder mal was von dem Projekt.
Ich persönlich würde es gerne realisiert sehen. Immerhin weiss ich doch schon gut 6 Jahre über die Existenz der Idee..

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Adrian September 11, 2007 um 00:57

@Chris: Mir kommt gerade noch etwas zur Idee in den Sinn. Ich hatte vor sehr vielen Jahren, als ich noch sehr Jung war, einen Artikel im P.M. zu einer im (Teil-)Vakuum betriebenen Magnetbahn gelesen. Das muss etwa um 1980 bis ca. 85 herum gewesen sein. Ich weiss es nicht mehr so genau.

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Dominik September 11, 2007 um 01:09

@Adrian: warum meinst du müssten die Sicherheitskontrollen stärker sein? Weils unterirdisch ist? Jede Métro ist unterirdisch und geht ohne Sicherheitskontrolle. Und selbst die Sicherheits- und Grenz-Kontrollen in Paris und London vor der Fahrt mit dem Eurostar sind sehr rasch überstanden.

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Chris September 11, 2007 um 01:18

@Adrian: Ich glaube, meine Info hatte ich aus einem Geo- oder Geschichtsbuch im Gymer… aber eben: ganz sicher bin ich auch nicht.
Aber man sieht: Swissmetro ist schon eine alte Idee. Hmm, die Frage ist nur, wie lange es dauern würde, das alles auszuheben :D

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Andreas (schweizweit.net) September 11, 2007 um 05:15

Hmm, die Frage ist nur, wie lange es dauern würde, das alles auszuheben

Wann man es eilig hat, kann man ja auch an mehreren Orten gleichzeitig ausheben. ;o)

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spot September 11, 2007 um 08:23

ja, 12 Minuten für Bern Zürich, da kann man gut vorher noch eine halbe Stunde für einen Sicherheits-Check dazu nehmen, und ist immer noch fast eine Viertelstunde schneller dort *g*

Und sooo teuer kann das wohl nicht sein, wir bezahlen sicher gern 150 statt 50 Franken für so ein Ticket.

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theswiss September 11, 2007 um 11:51

hmm .. die Strecke Basel-Bern ist wohl zu unrentabel.

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Andreas (schweizweit.net) September 11, 2007 um 15:44

@ Adrian: Ich hoffe doch sehr, dass wir die Swissmetro noch miterleben dürfen! ;o) Naja, die Hoffnung stirbt zuletzt…

Terroranschlag: Befürchte ich weniger. Ziel der Terroristen ist es doch, möglichst viele Opfer zu treffen. Ich weiss nicht, ob sich bei der Swissmetro mehr Personen an einem Ort befinden als bei den bestehenden Eisenbahnen.

Kompatibilität: Die werden sich ja wohl einigen können…! ;o)

@ Chris: Seit Jahrzenten gibt es diese Idee schon, (fast) alle, die davon gehört haben, schwärmen davon. Doch niemand will sie auch umsetzen. Tja, das liebe Geld…

@ spot: Angeblich soll der Fahrpreis im ähnlichen Bereich liegen wie heute bei der SBB.


Was die Finanzierung anbelangt: Wenn die Wirtschaft nicht genügend Mut hat, müsste man die Swissmetro vielleicht über private Aktionäre und Kleinaktionöre finanzieren. Aktien für jeweils CHF 100.- Nennwert; jeder Schweizer und Nichtschweizer der am Projekt interessiert ist, kann beliebig viele kaufen und wird am Gewinn beteiligt. Ich würde auf jeden Fall investieren, wenn ein Baubeginn absehbar wäre! :)

In meinen Augen wäre dies ein lohnendes Investment.

Das bestehende System unter dem Namen “Pro Swissmetro” hingegen spricht mich nicht an. Jahresbeiträge von CHF 20.- bis 100.- ohne Gewinnbeteiligung. Neee!

(Jetzt werden einige bestimmt wieder reklamieren, dass es bei mir immer nur um den schnöden Mammon geht… Aber sorry, ich bin nun mal ein Kaufmann! ;o)

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Adrian September 11, 2007 um 21:16

@Andreas: Vermutlich hast du wegen den Anschlägen recht. Wenn ein Flugzeug runter kommt, hat es automatisch eine grössere Auswirkung.

Um möglichst schnell zu Bauen müsste sicher an mehreren Orten mit dem Bau gestartet werden und vermutlich in den meisten Fällen mit einer Tunnelbohrmaschine.
Aber die Neat ist noch nicht mal fertig gebaut, da ist ein solches Projekt eher unrealistisch.

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Andreas (schweizweit.net) September 12, 2007 um 15:46

Ich werde auf jeden Fall immer mal wieder über die Swissmetro schreiben. Mein Beitrag, um das Projekt vorwärts zu bringen. ;o)

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Walter Oktober 22, 2007 um 00:57

Bisher fehlen in dieser Diskussion die Argumente gegen dieses Projekt vollständig. Kurz zusammengefasst:
- Eine Swissmetro mag pro Personenkilometer tatsächlich einen relativ geringen Energieverbrauch aufweisen, insgesamt würde aber die Realisierung des Projekts dennoch eine massive Zunahme des Verbrauchs (und damit auch der CO2-Emissionen) bewirken. Dies deshalb, weil die kürzeren Reisezeiten eine massive Zunahme der Mobilität zur Folge hätten. Oder anders gesagt: Die eingesparte Zeit wird ganz oder teilweise wieder in die Fortbewegung investiert. (So besagt etwa die “Theorie des konstanten Zeitbudgets”, dass die Menschen immer etwa gleichviel Zeit mit Umherreisen verbringen.
- Diese Mobilitätszunahme wäre gemäss den Ergebnissen einer Nationalfondsstudie auch mit Veränderungen im sozialen Gefüge (hin zu einer Zweiklassengesellschaft) verbunden: Die Reichen wohnen in der Nähe eines SM-Haltepunkts, die Anderen werden in die Peripherie verdrängt.
- Reisen hat etwas anregendes, wenn man den Blick aus dem Zugfenster schweifen lassen kann. Reisen im Tunnel ist öde und macht aggressiv (oder depressiv). SM als “Vision”, das kommt mir ein wenig so vor wie die Vorstellung, die man vor etwa 50 Jahren hatte, im Jahr 2000 würden sich die Menschen nur noch mit Pillen ernähren.

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Elmar Hutter Mai 19, 2008 um 21:01

Im Gegensatz zu einer nur auf die Grossstädte der Schweiz konzentrierten Swissmetro macht eine Eurometro als Alter- native zum kontinentalen Flugverkehr ökologisch durchaus Sinn. Bei möglichst direkten Flughafenverbindungen wird die moderne Eisenbahn nicht konkurrenziert, sondern ergänzt. Der Flugverkehr kann im Interesse des Klimaschutzes mit marktge- rechten Mitteln und landschaftsschonend reduziert werden.

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