Eine Schoggi für den Kondukteur
Neulich fuhr ich mit meinem Zug in Sargans ein. Wir hatten ein paar Minuten Verspätung und mein Ziel war es, in Sargans möglichst 1-2 Minuten einzuholen. Sprich: Ich hoffte, dass die Fahrgäste schnell ein- und aussteigen. Dies taten sie dann auch, doch kurz bevor ich das Signal zur Weiterfahrt geben wollte, humpelte noch eine alte Dame auf das Perron. Sie winkte mir zu, um zu zeigen, dass sie auch noch mitkommen wollte.
Na gut, blieb mir ja nichts anderes übrig, als einfach zu warten. Sie war noch etwa 50 Meter vom Zug entfernt und so dauerte es eine Zeit, bis sie im Zug war. Ihr könnt euch ja denken, was ich während dem Warten so alles gedacht habe… :)
(Komm schon, mach schon, haben sie dich mal wieder nicht früher aus dem Altersheim rausgelassen? in deinem Alter hättest du auch Zeit, auf den nächsten Zug zu warten…)
Irgendwann hatte sie es dann auch geschafft und wir setzten unsere Fahrt mit einer grösseren Verspätung fort als vor der Ankunft in Sargans. Als ich die Dame kontrollierte, blieb ich natürlich freundlich und zuvorkommend (wie immer *g*) und liess meinen Ärger nicht anmerken.
Irgendwann kamen wir dann auch in Zürich HB an, wo ich eine halbe Stunde Pause hatte. Als ich den Zug verliess, um in die Kantine zu gehen, kam die Dame nochmals auf mich zu:
“Ja, das ist aber lieb von Ihnen, dass sie in Sargans auf mich gewartet haben! Wissen Sie, in meinem Alter ist man halt nicht mehr die Schnellste! (lacht) Aber, schauen Sie mal, ich hab’ da noch was für Sie! Weil Sie gewartet haben; einen Moment; ich habs gleich. Hier!”
Sie wollte mir eine Tafel Milchschokolade überreichen, die ich natürlich nicht annehmen wollte. Ich gab ihr zu verstehen, dass dies wirklich nicht nötig sei. Sie liess jedoch nicht locker und irgendwann hatte ich die Tafel in den Händen, ich wusste nicht, wie die dorthin gelangte. :)
Die Kollegen in der Kantine lachten nur, als sie mich mit der Schoggitafel kommen sahen und fragten, welche hübsche Dame ich diesmal bezirrzt habe. Sie sind es gewohnt, dass ich ab und zu mal etwas “nach Hause bringe”, das ich von einer Kundin (oder einem Kunden) erhalten habe. Schon die Geschichte mit dem Trinkgeld von 40 Franken (von vier Damen, die Zürich - Chur - St. Moritz fuhren) machte vor einiger Zeit die Runde. Damals war es Winter und ich half den Damen, ihr Gepäck vom SBB-Interregio auf den RhB-Schnellzug umzuladen.
Bild © pixelio.de | (Ja, ich weiss, das Signal steht für uns Schweizer auf der “falschen” Seite. Es müsste eigentlich links sein. Da dieses Bild jedoch in Deutschland geschossen wurde, steht es rechts.) ;o)
