Schusswaffen für die Bahnpolizei
SBB, kondukteur September 3rd. 2007, 09:00Zurzeit tobt ein Streit über die Kompetenzen der privaten Sicherheitsdienste, die auf Bahnhöfen und in Zügen für Ruhe und Ordnung sorgen. Grund ist die Bahnreform, mit der unter anderem die Aufgaben und Kompetenzen der Bahnpolizei neu geregelt werden.
Bürgerliche Nationalräte wehren sich dagegen, dass der Bahnpolizei das Tragen von Schusswaffen verboten wird. Linke Gutmenschen jedoch wollen genau dies verbieten und die Kompetenzen der Bahnpolizei massiv reduzieren. Haben die Linken Angst, dass einer ihrer zukünftigen Wähler erschossen wird (schliesslich kann man die Wähler in einem Wahlkampf immer gut brauchen) oder die Bahnpolizei die Schusswaffe aus Spass einsetzt? Ich hoffe nicht. Wenn man bedenkt, dass die Bahnpolizisten ohne Ausnahme an einer Polizeischule ausgebildet wurden, müssten sich die Bedenken eigentlich in Luft auflösen. Die Bahnpolizei wurde an der Waffe ausgebildet. Sie weiss, wie man damit umgeht. Ein Verbot von Schusswaffen, wie dies die Linke forderte, lehnte die bürgerliche Kommissionsmehrheit daher mit 12 zu 9 Stimmen ab.
Im Zugverkehr gelten - wie in der Schifffahrt - hoheitliche Befugnisse: Weil die Züge permanent Gemeinde- und Kantonsgrenzen überqueren, sind die SBB während der Fahrt für die Gewährleistung der Sicherheit verantwortlich. Deshalb gibt es die Bahnpolizei. 2001 haben die SBB diese Aufgabe mit der Gründung der Firma Securitrans ausgelagert. Die Aktiengesellschaft gehört zwar zu 51 Prozent den SBB, die anderen 49 Prozent hält aber die Securitas. Diese Teilprivatisierung ist höchst umstritten.
beobachter.ch
Die “offizielle” Polizei sieht in der Bahnpolizei eine Konkurrenz. Deshalb wehrt sie sich dagegen, dass diese zuviele Kompetenzen erhalten. Ich sehe das ein wenig anders. Wenn ich auf einem Zug Hilfe brauche, ist die Bahnpolizei oftmals schneller vor Ort als die Stadt- oder Kantonspolizei. Vorallem wenn ich mich in einem grossen Bahnhof befinde. Eine Einschränkung der Kompetenzen der Bahnpolizei würde also auf Kosten der Sicherheit unserer Kunden gehen. Wer will das schon?
Wenn sich die Bahnpolizei wirklich zu einer Konkurrenz der anderen Polizeikorps entwickelt, dann nur deshalb, weil sie einfach besser ist. Schön, wenn der Wettbewerb spielt.
Max Hofmann, Generalsekretär des Verbands Schweizer Polizeibeamter (VSPB) stört sich auch daran, dass die Bahnpolizei Personen festhält und kontrolliert oder sogar abführt. Nun, was soll daran falsch sein? Die SBB hat auf ihrem Hoheitsgebiet (in den Zügen und Bahnhöfen) das Hausrecht. Niemand wird gezwungen, einen Bahnhof oder Zug zu betreten und wer sich auf SBB-Gebiet daneben benimmt, muss mit Konsequenzen rechnen. Daran ist nichts falsch. Die ehrlichen und anständigen Bahnkunden haben rein gar nichts zu befürchten. Im Gegenteil: Sie werden von der Bahnpolizei beschützt. Der SBB ist es ein Anliegen, dass sich die Kunden bei uns wohl fühlen.
Bild: © Foto SBB
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September 3rd, 2007 at 09:52
Schusswaffen gleich Sicherheit?
Haben Bahnpolizisten keine Schlagstöcke und Pfeffersprays?
Ein Zug scheint mir ein relativ heikler Einsatzort für Schusswaffen. Wenn keine DumDum-Munition eingesetzt wird noch mehr. Warnschüsse kommen ja wohl auch weniger in Frage..
Und auch ausserhalb der Züge auf den Bahnhöfen sehe ich im Gebrauch von Schusswaffen mehr Risiken als Nutzen. Oder in welchem Fall lässt sich in einer solchen Umgebung eine Schusswaffe gefahrlos einsezten. Je besser die Ausbildung umso mehr spricht dagegen.
September 3rd, 2007 at 10:39
Schusswaffe gleich Sicherheit? Ich denke ja, denn es gibt durchaus Situationen in denen die reine Anwesenheit einer Schusswaffe schon für mehr “Aufmerksamkeit” sowohl des Trägers als auch Dritten gegenüber sorgt.
Persönlich habe ich lange in einem privaten Sicherheitsdienst gearbeitet. Ich weiss aus persönlicher Erfahrung wie es ist wenn man 30 min und länger auf eine Polizeistreife warten muss. Wenn die Bahnpolizei zumindest in den Bereichen der SBB für mehr Sicherheit und Präsenz sorgt dann kann ich dem nur positiv zustimmen.
September 3rd, 2007 at 10:41
Nun, das sehe ich ein wenig anders. Zwar hat die SBB das Hausrecht in Zügen und Bahnhöfen. Dennoch ist sie eine öffentliche Institution welche auch von Steuergeldern (u.a.) mitfinanziert wird. Jeder, der keine andere Möglichkeit der Mobilität hat, ist GEZWUNGEN, mit einem Zug oder Bus zu fahren. HIer sehe ich klar einen öffentlichen Ort und keine “private Zone”. Immerhin möchte die SBB ja auch ganz klar “öffentlich”, also Staatlich, und nicht “privat” bleiben… also sollen auch die ganz normalen Polizeigesetze bleiben. Ich bin jetzt mal bös und behaupte, dass die BaPo-Ausbildung nicht so hart ist wie die “richtige” Polizei-Ausbildung und es deswegen auch eher zu Falscheinschätzungen kommt. Ich glaube auch nicht, dass eine Securitas-Ausbildung wirklich das volle Polizeiprogramm durchmacht, obschon dies in einer Polizeischule stattfindet.
Es wäre fatal, wenn BaPo’s (auch) in Zukunft mit Schusswaffen herumlaufen dürften. Dann könnte man jedem Securitas/Wache-Beschützer ebenfalls eine solche in die Hand drücken…
Normalerweise bin ich eher auf der Seite der bürgerlichen - in diesem Fall muss ich aber wiedersprechen.
September 3rd, 2007 at 18:16
Aus dem Anforderungsprofil für Bahnpolizisten, zu finden unter http://www.bahnpolizei.ch/d/verlangen.asp :
> Schweizer Staatsbürgerschaft
> abgeschlossene Polizeiausbildung
> gute Allgemeinbildung
Aspirantinnen und Aspiranten der Bahnpolizei schliessen ihre Ausbildung übrigens mit dem Titel “Polizistin / Polizist mit eidgenössischem Fachausweis” und einer kantonalen Vereidigung ab.
Sieht für mich nicht wie eine “Polizeiausbildung light” aus.
Die theoretische Grundausbildung beinhaltet unter anderem Gefahrenlehre, Recht, Personenkontrolle, Alarmierung, Konfliktbewältigung und Kommunikation.
Bahnpolizisten unterscheiden sich von der Ausbildung her also nicht von Polizisten anderer Korps.
Mit diesen Informationen wäre auch die Frage rund um die Waffe geklärt. Jeder, der eine abgeschlosssene Polizeiausbildung hinter sich hat, weiss mit der Waffe umzugehen. Man kann den Bahnpolizisten also guten Gewissens eine Schusswaffe in die Hand drücken.
Dass ein Einsatz der Waffe in einem Zug keinen Sinn macht, ist klar. Jedoch befinden sich die Polizisten oftmals auch in Bahnhöfen oder auf Bahnhofplätzen. Die “Kunden”, welche sie dort antreffen, tragen oftmals selber Waffen auf sich. Eine eigene Waffe zur Verteidigung wäre demnach sinnvoll. (Ich hoffe einfach nicht, dass dies dann zur gegenseitigen Aufrüstung führt…)