In der Baselllandschaftlichen Zeitung bz erschien vergangene Woche ein Artikel über Suizide auf Bahngeleisen. In der Einleitung geht es um einen traumatisierten SBB-Kunden, welcher den Anblick einer verstümmelten Leiche mitansehen musste. Der Kunde aus Gelterkinden, welche in der Zeitung namentlich genannt wird, sass im “Flirt” mit Ziel Basel.

Als der Zug in einem Bahnhof hielt und er aus dem Fenster schaute, sah er einen “verstümmelten, nackten Körper”. Es sei ein grauenhafter Anblick gewesen, sagt er. Und er trage das Bild immer noch gedanklich mit sich herum. Ausserdem verstehe er nicht, warum die vielen SBB-Mitarbeiter welche das Areal absperrten, die Leiche nicht sofort zugedeckt haben.

Die SBB hat nicht das Recht, am Unfallort etwas zu verändern. Würde ich an einem Unfallort auch nur das kleinste Detail verändern, könnte ich mich schlimmstenfalls strafbar machen. Und wer ist schon gerne vorbestraft. Wir müssen die Polizei verständigen, deren Aufgabe es dann ist, den Unfallort zu sichern und die Leiche abzudecken. Auszug aus der bz:

“Unmittelbar nach dem Notruf wird via Alarmzentrale eine Polizeipatrouille aufgeboten”, sagt Meinrad Stöcklin, Sprecher der Baselbieter Polizei. Während die SBB für die Umlenkung des Bahnverkehrs verantwortlich ist, übernimmt die Polizei die Koordination mit weiteren Stellen wie Sanität, Feuerwehr, Kriminaltechnik oder Rechtsmedizin, stellt die Identität der Leiche fest und verständigt die Angehörigen. Ist der Unfallort gesichert, ermitteln Polizei und Statthalteramt den Ablauf des Ereignisses.

Suizide auf Schweizer Bahngeleisen (nur Suizide, Unfälle gehören hier nicht dazu) geschehen im Schnitt einmal täglich. Die bz schreibt, dass der Abschnitt zwischen Bern und Münsingen bei den SBB-Lokführern gefürchtet ist, weil sich dort neben der offenen Strecke eine Psychiatrische Klinik befindet. Ähnlich in Liestal. Bei den Ostschweizer Bähnlern ist auch Bad Ragaz - Maienfeld gefürchtet, wie ich aus eigener Erfahrung weiss. Hier kam es alleine dieses Jahr zu mehreren Personenunfällen.

Von einem traurigen Erlebnis weiss auch Chris zu berichten, welcher am Dienstag-Morgen folgenden Artikel schrieb: Und manchmal sind Bahnfahrten einfach nur traurig…
Lest in den Kommentaren zu seinem Artikel auch die Stellungnahme der betroffenen Zugbegleiterin.

Bevor die Frage in den Kommentaren kommt: Nein, ich hatte bisher das Glück, in keinen Suizid direkt involviert zu sein, fuhr aber schon öfters an einem vorbei. Jedoch musste ich schon den Notarzt oder die Ambulanz kommen lassen wegen Zwischenfällen im Zug:

  • 2 mal wegen vermuteter Alkoholvergiftung (Bewusstlosigkeit, starker Geruch nach Alkohol, nicht ansprechbar)
  • 1 mal wegen eines Sturzes eines älteren Herrn auf dem Weg zur Zugtoilette
  • 1 mal wegen einer älteren Dame, welche in Chur die Steintreppe im Bahnhof hinunterstürzte
  • 1 mal wegen einem jungen Herrn, der so unter Drogen stand, dass er nichts mehr kapierte
  • 1 mal weil mein Lokführer (leider während der Fahrt) einen Kreislaufkollaps hatte
  • 1 mal weil mein Zugchef bewusstlos wurde
  • andere Fälle

Im Schnitt brauche ich die Ambulanz rund 2-3 mal pro Jahr.