Nano Valley in Graubünden und St. Gallen
Fast jeder von uns kennt das weltbekannte Silicon Valley im sonnigen Kalifornien. Für jene, welche es nicht kennen, hier eine kurze Wikipedia-Beschreibung:
Silicon Valley ist die umgangssprachliche Bezeichnung für das Gebiet südwestlich der Südhälfte der „San Francisco Bay“ Die Entwicklung der Region zu einem wirtschaftlichen Zentrum begann 1951 mit der Einrichtung eines Forschungs- und Industriegebiets, dem Stanford Industrial Park, neben der Stanford University. Nach und nach gründeten ehemalige Mitarbeiter der Elektrofirmen und Absolventen der Universitäten Kleinunternehmen und entwickelten neue Ideen und Produkte. Zu den bekanntesten gehören unter anderem Google, Yahoo, Hewlett-Packard oder Apple. Seit den 1960er und 1970er Jahren entstanden mit der Verbreitung der Computertechnik immer mehr Unternehmen der Hochtechnologie im Silicon Valley.
Wie der NZZ zu entnehmen ist, plant man jetzt auch im Schweizer Rheintal etwas ähnliches: Das Nano-Valley. Dabei geht es um die Ansiedlung einer Chip-Fabrik mit 500 neuen Arbeitsplätzen. Peter Seitz, der Initiator der Idee, will zudem aus dem Tal zwischen Chur und Bodensee ein Netzwerk von Unternehmen, Ausbildungs- und Forschungsstätten im Hochtechnologiebereich machen.
Den Anfang hat er schon gemacht, indem er in der Nähe des Bahnhofs Landquart den Testbetrieb des Innovationszentrums für Nanomedizin einrichtete. Dieses Zentrum gehört zum CSEM (Centre Suisse d’Electronique et de Microtechnique) welches vom Bund jährlich mit 20 Mio Franken unterstützt wird und 500 Mitarbeiter beschäftigt.
Nebst dem Engagement bei CSEM ist Seitz auch Verwaltungsratsmitglied der Espros Photonics AG (epc), welche Halbleiter herstellen wird und vom Unternehmer Beat De Coi geleitet wird, welcher vor allem durch seine Firma Cedes (optoelektronische Sensoren) bekannt ist.
Noch sucht die Espros Photonics AG einen Platz für eine Fabrik welche 100 Mio Franken kosten und 500 Personen beschäftigen soll. Im Rennen waren anfangs 20 verschiedene Standorte zwischen Domat/Ems (GR) und St. Margrethen (SG). Inzwischen sind 18 ausgeschieden. Es verbleiben noch Sargans und Landquart. Die Produktion von Halbleiter-Chips stellt besondere Anforderungen an die geologisch-morphologischen Eigenschaften des Baugrundes. Denn die Fabrikation dieser Produkte basiert auf Nanotechnologie und ist dadurch sehr erschütterungsempfindlich. Schwingungen, wie sie z.B. vom Strassen- und Schienenverkehr verursacht werden, dürfen nicht auf das Fabrikationsgebäude übertragen werden. Die 18 ausgeschiedenen Standorte sind aus diesen Gründen nicht benutzbar und werden deshalb nicht mehr weiter verfolgt.
Die Chip-Produktion ist hochsensibel und auf einen möglichst erschütterungsfreien Standort angewiesen. Am möglichen Standort in Landquart wurden Erschütterungen gemessen, die sich um den zulässigen Grenzwert bewegen. Um hier genügend stabile Verhältnisse zu erreichen, wären zusätzliche bauliche Massnahmen mit Mehrkosten in Millionenhöhe nötig. Anders im sankt-gallischen Sargans: In Kavernen des Bergwerks im Gonzen, wo bis 1966 Eisenerz abgebaut wurde, lagen die Messresultate bei einem Zehntel des Grenzwerts.
nzz.ch
Ich gehe davon aus, dass Sargans das Rennen machen wird. Der Entscheid soll noch dieses Jahr fallen, wie Espros Photonics mitteilt. Nächstes Jahr soll dann bereits gebaut werden und 2009 will die epc mit der Massenproduktion loslegen. Ob es dann jemals ein Nano Valley geben wird, steht wohl noch in den Sternen. Nichtsdestotrotz finde ich es toll, dass es noch so innovative Personen gibt, die grosses wagen wollen. Und dies nicht etwa in den Wirtschaftszentren Zürich & Co., sondern in der Ostschweiz.
Wer steckt eigentlich hinter epc? Für Interessierte habe ich hier ein paar Worte zu den genannten Personen:
BEAT DE COI
Beat De Coi ist Gründer, CEO und Verwaltungsratspräsident von CEDES. Das Unternehmen entwickelt und produziert optoelektronische Sensoren. Im Frühjahr 2007 gründete der Diplomingenieur HTL und Absolvent eines Masterstudiums in «Operations Management & Logistik» zudem den Halbleiterhersteller epc. Er präsidiert das Jungunternehmen. De Coi wurde 1998 zum Unternehmer des Jahres gekürt und ein Jahr später mit dem KMU-Oscar als innovativster Unternehmer des Kantons Graubünden ausgezeichnet. Für CEDES konnte er 2004 den international renommierten «IST-Grand Prize» in Empfang nehmen, der die bahnbrechende Entwicklung der miniaturisierten 3D-Kamera honorierte. Dieses Forschungsprojekt war eine Zusammenarbeit zwischen CSEM und CEDES. De Coi ist zudem Hochschulrat der HTW Chur, Mitglied der Finanzkommission der Evanglischen Mittelschule Schiers und Member of IAEE (International Association of Elevator Engineers).
PROF. DR. PETER SEITZ
Peter Seitz ist promovierter Physiker ETHZ und ausserordentlicher Professor für Optoelektronik am Institut für Mikrotechnologie der Universität Neuenburg. Er ist zudem Vizepräsident für akademische Beziehungen des CSEM SA und zudem Vorstandsmitglied der Europäischen Kommission “Board of Stakeholders in Photonics Technologies - Photonics 21″. Für CSEM konnte er 2004 den international renommierten «IST-Grand Prize» in Empfang nehmen, der die bahnbrechende Entwicklung der miniaturisierten 3D-Kamera honorierte. Dieses Forschungsprojekt war eine Zusammenarbeit zwischen CSEM und CEDES.
Weshalb ich als Zugbegleiter über dieses Unternehmen schreibe? Ganz einfach: Genau wie die Grosssägerei Stallinger in Domat/Ems Auswirkungen auf die SBB hat (dutzende von Güterwagen von und nach Domat/Ems pro Tag) so wird auch die epc einen Mehrverkehr auslösen. Einerseits bei SBB Cargo, welche bestimmt einen Teil der Produkte transportieren wird, andererseits auch im Personenverkehr, da kaum alle 500 Mitarbeiter in Sargans / Landquart wohnen werden.
UPDATE 11.10.2007 | 12:37 UHR:
Nun steht es fest: Die Chipfabrik wird in Sargans gebaut, und zwar im Berginnern des Gonzen. Die ESPROS Photonics Corporation (epc) wird 120 Mio Franken investieren und es sollen 500 Arbeitsplätze entstehen. Noch 2007 wird mit dem Bau begonnen.
