Bahn als Ozon-Schleuder?
SBB August 23rd. 2007, 14:00Gestern erreichte mich auf schweizweit.net folgender Kommentar von meinem treuen Leser Pascal:
Mich ganz persönlich (!!!) stört es, dass Du den ÖV in allen formen lobst und die Autofahrer “Umweltsünder” und ähnliches nennst. Dabei wird gerade von den Bähnlern auch immer gerne verschwiegen, dass der ÖV doch 18% der Feinstaubbelastung in der Schweiz ausmacht. Der Individualverkehr liegt nicht viel weiter vorne (25%). Die Quelle dieser Zahlen ist eine Zeitung - ich weiss aber nicht mehr, welche.
Irgendwie geht dieser Kommentar in die gleiche Richtung (aber nicht so weit) wie der Leserbrief, der gestern in der Automobil Revue erschien:
Nur Beschränkte fordern dauernd Tempobeschränkungen. Warum fordern sie nicht mal die Stilllegung der Eisenbahn bei Ozon-Alarm? Die Bahn ist die schlimmste Ozon-Schleuder, weil ständig Ozon entsteht, wenn ein Stromabnehmer über den Fahrleitungsdraht schleift. Sie könnten auch die Abschaltung der Ampeln, die Aufhebung von Fahrverboten und Tempobeschränkungen und ein Velofahrverbot fordern, damit es weniger Staus gibt.
MANFRED VON KÄNEL, ZÜRICH
Mmh… Andere Menschen, andere Ansichten. Pascal kann ich ja noch zustimmen. Auch der öV ist nicht 100% umweltfreundlich. Aber er verschmutzt unsere Welt bei weitem nicht so, wie der Individualverkehr. Zudem machen Feinstaubpartikel nur einen Teil der gesamten Palette an Umweltverschmutzungen aus. Trotzdem gibt sich die SBB Mühe, möglichst umweltschonend zu fahren und wenn möglich Strom aus (den eigenen) Wasserkraftwerken zu nutzen.
Beim Leserbrief von Manfred von Känel jedoch muss ich mir ernsthaft die Frage stellen, wer denn hier nun “beschränkt” ist. (Sorry Pascal, dass ich nun schon wieder auf euch Autofahrern herumreite, aber das muss jetzt sein!)
Stilllegung der Eisenbahn? Abschaltung der Ampeln? Aufhebung von Verkehrssignalen? Velofahrverbot? Junge, schalt mal Deinen Kopf ein!
Ich habe mal im Internet recherchiert und nach der Behauptung mit dem Ozon und den Stromabnehmern gesucht. Dabei habe ich bloss das gefunden:
Durch ein Gewitter: Durch den elektrischen Stromfluss zwischen Wolke und Erdboden bei der Blitzentladung entsteht Ozon (aber auch Salpetersäure und andere Stoffe).
(Quelle: Wikipedia)
Bisher wusste ich nichtmal, dass ein normaler Blitz Ozon erzeugt; demnach wird die Menge nicht allzu gross sein. Und wenn ein Blitz mit einer Stärke von einigen Mio Volt kaum Ozon produziert, wieviel ist es dann bei einem kleinen Funken zwischen Fahrleitung und Stromabnehmer?
Aber vielleicht weiss einer meiner Leser mehr darüber? Wie hoch ist die Ozonbelastung durch einen Blitz?
Bild © popsique (flickr.com)
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August 23rd, 2007 at 14:18
Hallo Andreas
Schade… ich hätte aufgrund meines Kommentars einen differenzierten Beitrag erwartet ;-)
Diesen Satz hingegen kann ich absolut NICHT so stehen lassen. Ich habe niemals gegen Bähnler in dieser Form gewettert. Ich habe lediglich geschrieben, dass man auch einmal die Umwelt-Belastungen der Bahn erwähnen dürfte, statt immer nur einseitig von den “Umweltsündern” (Autofahrer) zu sprechen. Diese sind nämlich auch vorhanden. Dass dazu nicht nur der Feinstaub zählt, ist mir auch bewusst.
Also, bitte, bitte, Andreas, stell nicht gleich einen extremisten mit mir gleich… denn ich glaube, wir haben hier noch genug Menschenverstand um darüber sachlich zu schreiben und zu diskutieren.
Danke vielmals.
August 23rd, 2007 at 14:43
Mit “in die gleiche Richtung” meinte ich eigentlich die Aussage, dass man die Umweltsünder nicht immer nur bei den Autofahrern, sondern auch bei der Eisenbahn suchen soll. Dass Dein Kommentar gemässigter war als jener in der AR ist für jeden offensichtlich.
Deshalb auch die Betonung auch auf “Richtung“. Ich habe nie gesagt, dass es exakt das gleiche sei, was du und der Herr geschrieben haben.
Eigentlich ging ich davon aus, dass ich sehr wohl einen Unterschied zwischen Dir und Känel gemacht habe, in dem ich schrieb:
Entschuldige bitte, wenn da irgendwas falsch rüber gekommen sein sollte.
August 23rd, 2007 at 14:52
Danke für die Klärung… hab das “in die gleiche Richtung” ein wenig anders verstanden…
August 23rd, 2007 at 14:58
Ups!
“In die gleiche Richtung (aber nicht so weit)”
Um allfällige Missverständnissen aus dem Weg zu gehen, habe ich den Text jetzt doch noch ganz leicht angepasst. Etwas, das ich sonst eigentlich nie mache. :)
August 23rd, 2007 at 17:32
Ich habe letzthin auch eine Aufstellung gelesen, wie die SBB die Umwelt verschmutzt. Die genauen Zahlen weiss ich leider nicht mehr. Aber durch die Reibung zwischen Stromabnehmer / Fahrleitung oder Räder / Schiene wird eine nicht vernachlässigbare Menge von Feinstaub produziert. Ausserdem stand da, dass viele Tonnen Öle, Fette und Pflanzenvertilgungsmittel in den Boden gelangen.
August 23rd, 2007 at 18:05
Entscheidend bei solchen Betrachtungen ist doch wohl, dass man das immer pro Person berechnet. Sonst laesst sich das ja nicht vergleichen. Und da tippe ich mal darauf, dass die Eisenbahn (da in der Regel Massentransportmittel) doch besser abschneidet als der motorisierte Strassenverkehr.
Und von wegen Ozon: Computer und besonders Drucker produzieren auch Ozon. Also bitte auch alle diese abstellen …
August 23rd, 2007 at 18:06
PS. oder noch genauer, pro Personenkilometer bzw. Tonnenkilometer …
August 24th, 2007 at 00:43
Ich würde sagen, Marcel hat da einen interessanten Hinweis gegeben. Wer genaue Zahlen dazu hat (Verschmutzung pro Personenkilometer; oder ähnliches) darf hier gerne den Link zu den Fakten setzen.
In der Zwischenzeit lohnt es sich, den SBB-Umweltbericht anzuschauen:
http://mct.sbb.ch/mct/umweltbericht_02-03.pdf
(Achtung: PDF-Datei öffnet sich nach dem Klick automatisch.)
August 24th, 2007 at 00:49
Bezüglich dem Feinstaub auch gleich ein Auszug aus dem Umweltbericht:
August 24th, 2007 at 02:20
Und gleich nochmals ein Link zur Umweltfreundlichkeit der Eisenbahn:
http://eisenbahn.egghof.com/2007/08/dnische-bahn-mit-wasserstoffversuch.html
Ist zwar erst ein Versuch, aber tönt schon mal nicht schlecht. :)
August 24th, 2007 at 10:49
Ich pendle jeden Tag mit der Bahn von Brugg nach Basel. Ich fahre Zug weil es bequemer, schneller, billiger und umweltfreundlicher als mit dem Auto ist. Jeden Tag fahre ich also ca. 100 km zur Arbeit und zurück und genau hierin liegt das eigentliche ökologische Problem der heutigen Gesellschaft: Die Distanz zum Arbeitsplatz.
Ökologisch wäre ein Arbeitsplatz in der Nähe des Wohnortes, aber heute kann man sich das nur schwer aussuchen. Man müsste sich mehr darüber Gedanken machen wie man den Arbeitsort “näher an die Leute bringt” und nicht nur darüber mit welchem Verkehrsmittel man zur Arbeit fährt.
August 24th, 2007 at 17:57
@Raffaele - Arbeitsort naeher an die Leute oder Wohnort naeher an die Arbeit?
August 27th, 2007 at 12:34
Genau diese Frage sollten doch mal die Politiker angehen. Ich gebe zu das ich auch keine Lösung habe.