Bald SBB-Züge ohne Lokführer?

von Andreas Hobi am 22. August 2007 · 15 Kommentare

Christoph M. Schwarzer vom stern schreibt in einem Artikel über das VAG-Versuchsprojekt in Nürnberg. Dort testet man zurzeit Züge, die ohne Lokführer fahren.

VAG NürnbergBild © VAG Nürnberg

Gesteuert werden diese vom Computer. Bei den “grossen” Eisenbahnen wie SBB, DB und Co. wäre dies technisch auch möglich, sagen zumindest die Hersteller.

Natürlich gibt es auch hier – wie bei jeder grossen technischen Neuerung – Menschen, welche Probleme damit haben, dass alles vom Computer gesteuert wird. Doch hier kann ich Elisabeth Seitzinger von der VAG Nürnberg zustimmen: Diese Skepsis wird sich legen.

Dies sieht man zum Beispiel bei der Pariser Metro-Linie 14. Ich hatte diesen Sommer ein paar Mal das Vergnügen, mit dieser computergesteuerten Metro zu fahren. Die ersten paar Mal ist es schon ein wenig “komisch” und gewöhnungsbedürftig, vorallem wenn man ganz vorne hinter der Frontscheibe steht. Da, wo sonst der Lokführer sitzt. Doch man gewöhnt sich sehr rasch daran.

Die Vorteile dieser automatischen Züge liegt auf der Hand:

  • Höhere Taktzahl / Geringerer Abstand zwischen den Zügen
  • Hohe Flexibilität wenn zusätzliche Züge gebraucht werden

Doch trotz aller Begeisterung über diese Technik, stimme ich als Bähnler der Aussage der DB und der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) vollkommen zu:

“Es geht um Menschen und Güter. Die Koppelung von technischer und menschlicher Überwachung führt zur grösstmöglichen Sicherheit.”

Wie denkt ihr über das Thema? Seit ihr auch schon in führerlosen Zügen gefahren oder könnt euch dies vorstellen? Oder würdet ihr niemals in einen solchen Zug einsteigen? Ich bin gespannt auf eure Meinungen!

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Andreas Hobi arbeitet seit 2001 bei der SBB und dort seit 2004 beim Zugpersonal. In seiner Freizeit schreibt er auf schweizweit.net von seinen Erlebnissen und über andere spannende Stories aus der Welt des öffentlichen Verkehrs.

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Peter August 22, 2007 um 23:32

Das Gefühl der automatischen Züge lässt sich ja bald in der Schweiz mit der Metro Lausanne geniessen.

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Philipp August 13, 2008 um 02:04

Ich frage mich die der Computer reagiert wenn sich plötzlich eine Person vor ihm auf den Gleisen befindet. oder reagiert er etwa auf schläge und stösse?!
Ich Erlebe zudem jeden Tag das leute vor und hinter Fahrenden und stehenden Zügen über die Gleise Laufen. wie reagiert der Computer da? Was passiert wenn in einem tunnel Feuer an Bord ausbricht? Dies alles sind Fragen die man sich stellen sollte / muss. Ich habe gehört dass ein solcher Zug in Japan in Betrieb war. Eingestiegen ist NIEMAND. es msste ein Bordmechaniker her damit die leute wieder einstiegen. Und auch Ich Obwohl ich ebenfalls bei den SBB Arbeite würde NIE in einen solchen Zug einsteigen. Denn das Rationale denken eines Menschen hatt ein Computer nicht und wird es auch nie erlangen.

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Andreas Hobi August 13, 2008 um 08:40

Wie gesagt, ich durfte diese Erfahrungen bereits mit der Pariser Metro 14 machen. Es war zwar ein wenig “komisch” zu Beginn, aber man gewöhnt sich sehr rasch daran.

Auch wenn man Metros und Züge nicht ganz vergleichen kann, so denke ich doch, dass es bei Zügen gleich wäre. Nach einer Eingewöhnungsphase würde sie fast jeder wie ganz natürlich benutzen.

Nürnberg macht ja inzwischen auch schon mit Erfolg Erfahrungen mit einer computergesteuerten Bahn, die teilweise sogar das Trassee mit den menschgesteuerten Bahnen teilt.

Wenn man schaut, wie viele Aufgaben heute durch Computer übernommen werden, die noch vor 50 Jahren durch Menschen gemacht wurden, dann würde es mich nicht erstaunen, wenn bald auch Züge automatisch durch die Gegend fahren.

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philipp August 13, 2008 um 17:33

Auch wenn sich die menschen daran gewöhnen steht imme noch die frage im Raum wie rational diese Computer entscheiden kann. Wie schon im letzen comment. erwähnt befinden sich immer wieder leute auf den gleisen. was mit denen passiert kümmert wohl niemanden?!Ich für meinen Teil habe keine lust irgendwan zuzuehen wie jemand no einem Computzerzug Überfahren wird wenn dies durch einen Lokführer ätte verhndert werden können.

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Adrian August 13, 2008 um 21:11

@Philipp: Wenn es soweit kommt, dass die Züge mit Computern verkehren, werden auch entsprechend die nötigen Sensoren für die Erkennung von möglichen Problemen eingebaut. Es ist schlussendlich eine Kostenfrage. Die Bahn hat im Gegensatz zur Strasse den Vorteil, dass es sich um ein spurgeführtes System handelt. Und das Problem vom überfahren werden, kann auch ein Lokführer nicht verhindern, wenn dieser an einem Bahnhof mit fast Streckengeschwindigkeit vorbeibrettert.
Ich denke eher, dass in erster Linie die Systeme zur Überwachung der Strecke oder auch Bahnhöfen zur Erkennung möglicher Probleme zuerst geschaffen werden, bevor alles automatisiert wird. Im Strassenbereich ist man jetzt bereits ja schon mit Forschungsarbeiten dran, dass Autos autonom auf einer Strasse verkehren können. Und dies ist einiges aufwändiger als auf einem Gleis. Wenn man gegen die Dummheit der Leute angehen will, dass diese nicht mehr das Gleis betreten können, müsste man bald dazu übergehen, dass das Perron nicht mehr betreten werden darf, bevor der Zug angekommen ist. Das ist sicher unrealistisch im normalen Eisenbahnverkehr.
Weiter kommt dazu, dass die Züge ja nicht vollständig autonom verkehren, sondern zentral überwacht werden und die Leitstelle jederzeit die Möglichkeit hat sich in den Zug einzuklinken um zu schauen, was effektiv los ist.
In Zukunft wird es sicher so sein, dass die Züge teilweise automatisch verkehren, aber noch eine Begleitung vorhanden ist und diese dann irgendwann vollautomatisch verkehren.
U-Bahnen sind sicher die am besten geeigneten Systeme, da diese nur im Haltestellenbereich gesichert sein müssen, dass niemand unbeachtet aufs Gleis laufen kann. Im Tunnel besteht ja die Möglichkeit über Infrarotsensoren die Strecke zu überwachen, damit sich niemand unberechtigt auf dem Gleis befindet.

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Peter August 13, 2008 um 21:16

Wenn Personen im gleis sind, kann der Lokführer höchstens warnen mit der Pfeiffe oder mit dem Horn. Reagieren die Personen nicht darauf, kann der Lokführer in den seltesten Fällen verhindern, dass es zur Kollision kommt – eines der übelsten Erlebnisse für einen Lokführer, dass durch einen Computer ohne Gefühle besser verarbeitet werden kann.

Bei Bränden oder technischen Störungen gebe ich euch Recht. Hier kann der Lokführer situativ entscheiden, was die beste Lösung für das Problem ist. Dies wird in Zukunft auch die Hauptaufgabe des Lokführers sein.

Das eigentliche Fahren besorgt schon heute oft der Computer. Wer in Deutschland ICE fährt oder in der Schweiz auf der Neubaustrecke, kann damit rechnen, dass der Lokführer nur noch die Strecke beobachtet, der Rest erledigt der automatich Fahr- und Bremsbetrieb in Zusammenarbeit mit dem Signalsystem.

… oder schon mal zwischen Moskau und St. Petersburg gefahren? Auch hier sorgt sich der Lokführer nur um die technischen Störungen, der Rest erfolgt mit dem “Autopilot”.

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Philipp August 17, 2008 um 08:59

Also nach meinen informationen muss der LF auf der Neubaustrecke noch selber fahren jedoch zeigt ihm das ETCS die signale im Führerstand auf dem Bildschirm an.

Und das die SBB bald Computerzüge haben wird bezweifle ich da unserer fasst 8’000 LF auch noch ein wörtchen mit zu reden haben.

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Peter August 17, 2008 um 14:59

@Philipp
Wie das bei der SBB bei der Neubaustrecke gemacht ist, weiss ich nicht genau, aber das Zugsicherungssystem ETCS auf Level 2 zusammen mit Automatic Train Operation würde es möglich machen. Dieses System wird in Zukunft z.B. auf den spanischen Hochgeschwindigkeitszügen benutzt werden.

Unter Automatic Train Operation versteht man alle Systeme, welche Züge automatisch fahren lassen ohne dass der Lokführer fährt und bremst. Die U-Bahn London nutzt solche Systeme seit Ende der sechziger Jahre. Bei den meisten Systemn fährt trotzdem ein Lokführer mit – zur Beruhigung der Leute und zum Eingreifen bei Störungsfällen.

In Nürnberg ist neu, dass führerlose und normale Züge die gleichen Gleise benutzen. Die neue automatisch betriebene U3 enutzt in der Innenstadt die Bahnhöfe der bestehenden U2, so dass führerlose und normale Züge an der gleichen Bahnsteigkante halten.

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Egli, Othmar November 26, 2008 um 23:43

Wieder typisch für die Schweiz, da wird gerühmt was im Ausland (Metro Paris) schon vorhanden sei. Dabei verkehrt mit Erfolg die Metro in Lausanne ohne Personal. Dabei noch auf Schienen- wie auf Pneuräder, damit die Steigungen schnell gefahren werden können. Geht hin, besichtigt die Metro, es ist interessant.

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Andreas Hobi November 27, 2008 um 00:32

Die Métro Lausanne kenne ich. Der oben stehende Artikel hingegen wurde vor der Westschweizer Metro geschrieben. ;)

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Peter November 27, 2008 um 23:16

In Madrid habe ich schon oft beobachtet, dass die Metrofahrer am Zeitung lesen sind. Die Bahn fährt im Newspapermode auch vollautomatisch und der Wagenführer überwacht nur noch Fahrgastwechsel vor Ort.

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Philipp November 28, 2008 um 18:11

Naja. Wenigstens fährt da noch einer mit. und hatt die fahrt unter “kontrolle”. mein haupt anliegen besteht ja darin dass der Computer Falsch reagieren könnte wenn sich etwas im oder am Gleis befindet das gefährdet werden könnte. O.k. ich geb zu auch unsere lokführer sehen nicht immer alles auf den Gleisen. Gerade passiert in Chur bei einer ausfahrt. Der Lokführer stellte nur ein Rumpel fest, der Lokführer des nächsten Zuges sah dann die Leiche einer Frau im Gleis Liegen. Wie gesagt der mensch wird immernoch benötigt um den Computer zu kontrollieren und ich hoffe das wird sich in den nächste 50 Jahren nicht ändern.

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Sandra-Lia November 29, 2008 um 12:51

ja, ist klar.. noch mehr Arbeitslose, damit der Gewinn einzelner weniger noch höher wird. JA, so was nennt man doch heutzutage normal. Eigentlich ist das total krank. Wir müssten uns nicht fragen, was ist Technisch möglich, sondern was ist das beste für die Menschen, und eine Maschine ist keine Antwort darauf!

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Peter Dezember 1, 2008 um 21:58

>> sondern was ist das beste für die Menschen, und eine Maschine ist keine Antwort darauf!

Stimmt nicht, denn eine Maschine wird nie müde, kann schneller reagieren und macht weniger Fehler als ein Mensch. Macht sie trotzdem einen Fehler, dann liegt es meist daran, dass sie der Mensch nicht ganz richtig programmiert hat. Der Fehler ist meist so spektakulär, dass er in den Medien lange diskutiert wird.

Die Eisenbahn ist heute schon ein System, das weitestgehendst von Maschinen bestimmt und bedient wird. Der Strassenverkehr ist vor allem abhängig vom Mensch. Da ja jeder das Gefühl hat dass er selber richtig fahren würde und bei einem Unfall ausweichen könne hat der einzelne das Gefühl, dass dieses System viel sicherer ist als der Schienenverkehr, wo der böse Computer die Bahn fährt und man tatenlos zuschauen muss wie vom Bahnsteig fallende Leute platt gefahren werden … und trotzdem, die Bahn ist das sicherere Verkehrsmittel als die Strasse.

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Martin März 15, 2009 um 14:53

Es ist kaum mehr erträglich wie sich Laien anmassen die Aufgaben des Lokführers zu Beschreiben und zu Bewerten. Vorurteil werden wie üblich als Tatsachen angenomen.
Heute noch werden Züge wie vor 100 Jahren geführt (ausser ETCS Strecken). Der Unterschied besteht darin das heute schneller gefahren wird, die Signaldichte zugenomen hat, dass Trasse stärker befahren ist und der Lokführer eine Menge zusätzliche Arbeiten von Zugbegleitern und Bahnhofspersonal übernomen hat.

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