Kondukteure: “Die mit den roten Taschen”

von Andreas Hobi am 21. August 2007 · 7 Kommentare

Eine Umfrage, die von Paul Blumenthal (seines Zeichens Leiter Personenverkehr der SBB) in Auftrag gegeben wurde, brachte interessantes zu Tage. Auf die Frage, was ihnen zum Begriff “SBB” als Erstes in den Sinn komme, antworteten die meisten Befragten: “Das Personal mit den roten Taschen.” Damit ist das Zugpersonal gemeint. Dabei handelt es sich genau genommen gar nicht um eine “Tasche”, sondern um unser Zugpersonalgerät (ZPG).

Das ZPG: Aus dem Kondukteur-Alltag nicht mehr wegzudenken

Es hilft uns bei vielerlei Dingen. Unter anderem:

ZPG- Fahrplanauskünfte
- Billettverkauf
- Datenbank / Erfassungstool für Schwarzfahrer
- Tool zum Berechnen des Zuggewichts und des Bremsverhältnisses
- Tool zum Erstellen des Lastzettels für den Lokführer
- Prüfen von Online- und MMS-Tickets
- Fahrgastzahlen-Statistik und -Erfassung
- Datenbank der für Gruppen reservierten Plätze
- Telefonverzeichnis der wichtigsten Bahnhöfe und deren Öffnungszeiten
- Ausstellen von Gutscheinen für die Kunden

Übrigens: Den zweiten Rang in der Umfrage belegten “Brücken und Schluchten”, den dritten Rang das “SBB-Logo mit den Pfeilen”. Dass unsere Kunden beim Thema SBB gleich an zweiter Stelle an Brücken und Schluchten denken, hätte ich nicht vermutet. Anscheinend werden wir nach wie vor eher als Freizeitbahn angesehen denn als Transportmittel, das man für den Arbeitsweg benutzt. Denn bei letzterem hätten die Umfrageteilnehmer beim Stichwort “SBB” wohl eher an Arbeit gedacht. ;o)

Erfreulich ist auch, dass unter den Top 3-Antworten keine negativen Begriffe zu finden sind. (Wie zum Beispiel: defekte WC, Verspätungen, überfüllt…) Anscheinend ist das Image der SBB positiver als ich angenommen habe.

© Foto SBB


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Andi August 21, 2007 um 12:29

Ich würde eher sagen: “Das Personal mit der lustigsten Aussprache in Englisch und Französisch“!

Wir haben ja auch schon ansatzweise drüber diskutiert hier – das war zwar extrem lustig, aber nicht wirklich informativ für Gäste, die darauf angewiesen wären. Wieso müssen ZugbegleiterInnen nicht wenigstens einen Basic-Aussprachetest in zwei Fremdsprachen bestehen? Diese Frau wäre hochkant durchgerasselt…

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Andreas (schweizweit.net) August 21, 2007 um 12:44

Naja, eigentlich verfügen alle Zugbegleiter über Abschlüsse / Sprachdiplome in drei Sprachen (Muttersprache und zwei Fremdsprachen).

Was hier schief gelaufen ist, weiss ich auch nicht. Für mich tönt es eher gefakt, aber das wirst Du jetzt vermutlich abstreiten. :)

Antworten

Andi August 21, 2007 um 12:52

Nix fake… hörst Du die Hintergrundgeräusche? Wieso sollte ich einen Fake im Handy-Format AMR abspeichern? Nee im Ernst: Das war kurz vor dem Grauholz, Sonntagabend, 19. August 2007, ca. 23.20 Uhr.

Antworten

Roland August 21, 2007 um 13:11

- Tool zum Berechnen des Zuggewichts und des Bremsverhältnisses? Ich kann mir jetzt wirklich nicht vorstellen wie das in der Praxis funktioniert.
- Tool zum Erstellen des Lastzettels für den Lokführer? Auch dieser Punkt wirft bei mir irgendwie Frragen auf.
Ich stelle mir das in etwa so vor: Sie zählen bei der Billetkontrolle alle Reisenden und dann wird das Gewicht aller Reisenden an den Lok-Führer gesendet, damit der weis, wielange der Bremsweg bei diesem Gewicht sein wird? Bitte um Erklärung.

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Andreas (schweizweit.net) August 21, 2007 um 14:03

@ Andi: Ich frag mich echt, was denn in die gefahren ist. :) Ich habe auch schon schlimme Durchsagen gehört, als ich privat unterwegs war. Aber dieses Beispiel ist jetzt echt krass.

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Andreas (schweizweit.net) August 21, 2007 um 14:36

@ Roland: Nein, die Fahrgastzahlen und das Zuggewicht haben nichts miteinander zu tun. Ich versuche mal, es kurz zu erklären:

Fahrgastzahlen:
Die SBB will natürlich wissen, wie gut ihre Züge ausgelastet sind und allfällige Engpässe erkennen, so dass Züge mit Zusatzwagen ausgestattet werden können, wenn es regelmässig zu wenige Sitzplätze hat. Deshalb erfassen wir die Anzahl der Reisenden für jeden Zug und jedes Teilstück (z.Bsp: Zürich – Lenzburg; Lenzburg – Aarau; Aarau – Sissach; usw.). Nach Dienstschluss übermitteln wir diese Daten per LAN oder WLAN im Depot nach Bern.

Zuggewicht / Bremsverhältnis / Lastzettel:
Natürlich muss der Lokführer wissen, welche Last er hinter sich mitschleppt. Deshalb erstellen wir ihm eine Meldung mit folgenden Angaben:

- Höchstgeschwindigkeit
- Länge
- Achsen
- Gewicht
- Bremsgewicht

Mit “Gewicht” meinen wir dabei das Gesamtgewicht der Wagen. Mit “Bremsgewicht” ist das Gewicht gemeint, welches die Wagen unter bestimmten Voraussetzungen innerhalb einer bestimmten Strecke zum Anhalten bringen können. Ist schwierig zu erklären und sehr technisch. :)

Das “Bremsverhältnis” wiederum erklärt sich relativ einfach:

Bremsgewicht / Gewicht x 100
-> Gerundet auf ganze Zahlen

Mithilfe dieser Kennzahl weiss der Lokführer, welche Strecken er wie befahren darf.

Diese ganze Zahlen beruhen auf dem “Lastzettel”, den wir vor der Fahrt schreiben. Auf ihm sind alle Wagen einzeln notiert.

Fotos:

- Frequenz 1
- Frequenz 2 (unvollständig)
- Lastzettel
- Meldung an den Lokführer

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Andi August 21, 2007 um 17:01

@Andreas: Was Du in meinem AMR-Files hörst, ist noch gar nicht krass… Du hättest die ganze französische Ansage hören müssen! Die Leute haben sich echt nur noch gekugelt um mich herum.

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