Hilfe! Uns rennen die Schwarzfahrer davon!
SBB, kondukteur August 17th. 2007, 09:00
© Foto SBB
Seit dem 1. Juli 2007 sind unsere SBB-Stichkontrolleure wieder in Uniform unterwegs. Als ich diesen Frühling zum ersten Mal von dieser geplanten Änderung hörte, schüttelte ich den Kopf. Ich ging davon aus, dass die Schwarzfahrer den Zug verlassen werden, sobald sie jemanden in Uniform sehen oder gar nicht einsteigen. Ein alter Schwarzfahrertrick: Man wartet am hinteren Ende des Perrons, lässt den Zug bei seiner Einfahrt an sich vorbeifahren und schaut in den Zug. Sieht man einen Kontrolleur, steigt man nicht ein. Dies wird durch die Uniform nun noch erleichtert, so war meine Befürchtung.
Anscheinend habe ich mich nicht getäuscht. Aussagen von Stichkontrolleuren in einer SBB-Publikation:
“Mir ist auch aufgefallen, dass viele potentielle Schwarzfahrer nach uns Ausschau halten. Wenn sie uns einsteigen sehen, steigen sie aus und warten auf den nächsten Zug. Vereinzelt gehen sie auch in letzter Sekunde abstempeln oder ein Billett lösen.”
(B. Russell, Zugbegleiterin Regionalverkehr)
“Einige Schwarzfahrer haben gemerkt, dass wir wieder Uniform tragen - sie liefen uns davon.”
(T. Holmgrenl & C. Fersini, Zugbegleiter Regionalverkehr)
“Vor allem Jugendliche hatten es plötzlich sehr eilig, am Automaten ein Billett zu kaufen, als sie uns sahen.”
(G. Zbinden, Chef Regionalverkehrspersonal)
Natürlich hat die Uniform auch Vorteile. So sind die SBB-Stichkontrolleure zum Beispiel leichter als Ansprechpersonen bei Fragen und Problemen erkennbar. Im Moment ist dieser Aspekt für die SBB wichtiger als die zusätzlichen Schwarzfahrer-Einnahmen, die sie generieren könnte. Mal schauen, wie lange diese Meinung anhält. Bereits heute behält sich die SBB das Recht vor, auf “Problemstrecken” vereinzelt wieder zivilie Kontrollen durchzuführen.
Wenn ich das nächste Mal auf einen Kollegen des Regionalverkehrs treffe, werde ich ihn mal fragen, ob und um wieviel seine Einnahmen zurück gegangen sind, seit er eine Uniform trage. Ich bin gespannt auf die Antwort! ;o)
Kürzlich hatte ich eine sogenannte “Dienstfahrt” in einem Regionalzug von St. Gallen nach Sargans (22:21 Uhr abends). Ich sass in Uniform im Zug, durfte jedoch nicht kontrollieren. Die Erfahrungen, welche ich dort gemacht habe und wie einzelne Leute reagiert haben, als sie einsteigen wollten und mich sahen, folgen in einem späteren Artikel.
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May 29th, 2008 at 12:09
Zu diesem Beitrag ein kurzes Feedback.
Da ich selbst im Regionalverkehr tätig bin, kann ich die oben angeführten Bemerkungen durchaus bestätigen.
Letztlich geht es im Stichkontroll-Bereich aber nicht vorrangig darum, möglichst viele Form7000 zu schreiben, sondern es ist ferner Ziel der SBB, diejenigen, die riskieren, ohne Billett zu fahren, dazu zu motivieren, ein Billett zu lösen. Dies wird durch vermehrte Präsenz in Uniform durchaus erzielt, da die Einsätze der Stichkontrolleure nicht immer an grossen Stationen beginnen, sondern man bewusst kleine Stationen zum Zusteigen wählt. Und wenn das Team gross genug ist, hat man durchaus die Gewähr, bis zur nächsten Haltestation einen ganzen Wagen oder auch eine komplette S-Bahn-Einheit kontrolliert zu haben.
Insgesamt bin ich der Meinung, dass die Einnahmen gleich hoch sind, unabhängig davon, ob in Zivil oder in Uniform kontrolliert wird. Lediglich das Verhältnis zwischen Einnahmen durch Form7000 und Billettkauf verschiebt sich etwas.
May 29th, 2008 at 12:22
Das würde also bedeuten, dass die Schwarzfahrerquote sinkt, verstehe ich das richtig? Falls dem so ist, war es also doch die richtige Entscheidung, die Uniform im RV wieder einzuführen.
May 29th, 2008 at 12:41
Vorübergehend ist es sicher eine gute Entscheidung gewesen, Stichkontrollen in Uniform durchzuführen. So ist es für den tatsächlichen Schwarzfahrer nicht mehr leicht zu unterscheiden, wenn er einen uniformierten SBB-Mitarbeiter sieht, ob es sich dabei um einen Kontrolleur handelt, der seinen Zug kontrollieren wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass er ein Billett löst oder gar nicht erst in den Zug einsteigt, ist logischerweise gross.
Falsch fände ich es aber, wenn Stichkontrollen ausschliesslich in Uniform durchgeführt werden. Denn die weiter oben genannten Faktoren sind nicht von der Hand zu weisen. Und mit Kontrollen in Zivl hätte man auch Zugriff auf diejenigen, die konkret Ausschau nach Personal in Uniform halten, bevor sie in einen Zug einsteigen