Welche Sprache spricht man in der Deutschschweiz?
SBB, kondukteur August 7th. 2007, 09:00
Bild © photobucket.com - Nicolas89
Kürzlich im Zug: Eine Dame sitzt mit einem Zonenabo in der ersten Klasse. Ihr Zonenabo ist jedoch nur in der zweiten Klasse gültig. Somit hat sie den Aufpreis bis mindestens zur nächsten Station zu bezahlen, genau so wie alle anderen in der ersten Klasse auch mehr bezahlt haben. (1.6mal den Zweitklass-Preis)
Doch die Dame mit einem auf -ic endenden Nachnamen wehrt sich: “Ich nix versteh’n.” Ach sooo ist das. Da hast du seit über 8 Monaten ein Zonenabo und hast noch nicht mal gemerkt, dass es in der Schweiz zwei Klassen gibt… Naja, egal, jetzt weiss du’s. Macht dann fünf Franken bitte.
Als sie mein Hochdeutsch immer noch nicht verstehen will (und auch mein Französisch und Englisch nicht), beginne ich mit dem Aufschreiben Ihrer Adresse. Diese steht ja direkt neben dem Abo. Und oh Wunder, jetzt versteht sie mich plötzlich ein wenig und bezahlt die fünf Franken.
Ich hätt’ da mal ‘ne Frage: Welche Sprache spricht man hier in der Deutschschweiz eigentlich? Bisher ging ich davon aus, dass man hier Deutsch spricht. Naja, irren isch menschlich. Da habe ich mich wohl getäuscht. Welches ist denn nun die neue Amtsprache der Deutschschweiz? Kroatisch? Serbisch? Mazedonisch?
Vielleicht sollte ich demnächst mal in der Migros Klubschule einen entsprechenden Kurs besuchen und die neue Amtsprache lernen. Nicht dass ich mich plötzlich noch fremd fühle im eigenen Lande…
Nein, Spass beiseite; ich finde es in Ordnung wenn die Dame sich hier in der wunderschönen Schweiz niederlässt. Doch sollte sie dabei auch eine unserer Landessprachen lernen. Ansonsten müsste sie (wieder) dorthin, wo man sie auch versteht. Dies ist sicher nicht zuviel verlangt.
Gefällt Dir dieser Artikel? Dann werden Dich vielleicht auch andere Berichte interessieren. Hier sind die Top 10 der schweizweit.net-Artikel. Mehr über mich und diesen Blog erfährst Du unter About / Info.
Wurde Dein Interesse geweckt? Dann abonniere den kostenlosen E-Mail-Newsletter und wir schicken Dir zukünftige ähnliche Artikel per Email zu! (Bereits haben sich über 200 Personen eingetragen.)
Alternativ kannst Du auch den RSS-Feed abonnieren.
Mehr Informationen zu den Abonnements...
Ähnliche Artikel:
- Nette Anmache vor dem Zug…
- Zürich ist Wädenswil ist Thalwil ist Pfäffikon
- Der Sektenheini und sein wahrer Gott
- Verwirrter Fahrgast
- Landesweiter Streik bei der SBB?
- Nächste SBB-Preisanpassung: +100% ?
- SBB verschenkt Gratis-SMS!
- DB statt SBB: Eine Fahrt in DB-Wagen von Chur nach Basel
- Gratis SBB-Tageskarte! Nur in limitierter Auflage
- Die Voralpenexpress-Schwarzfahrerin


August 7th, 2007 at 14:12
Duuu… begibst Du dich nun auf die Wahlen hin ins Fahrwasser der SVP oder was? Mit solchen Aussagen wär ich extrem vorsichtig. Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass es für bestimmte Gruppen von Menschen gar nicht so einfach ist, Deutsch zu lernen, da sie z.B. in der Familie stark engagiert sind. Als Enkel ungarischer 1956er-Flüchtlinge weiss ich aus der Verwandtschaft, dass Integration (auch sprachliche) Pflicht ist und mit etwas Willen ganz einfach geht. Meine Grosseltern waren wahrscheinlich nach wenigen Jahren hier mehr “Schweizer” als ihre Nachbarn. Aber gerade bestimmte Leute in der Familie hatten rein von ihrem Sprachgefühl her, von ihrer Situation her einfach schlicht nicht die Möglichkeiten, gut Deutsch zu lernen. Und das ist heute noch so - auch bei einer Kollegin aus dem angelsächsichschen Sprachraum. Doppelt schwierig in der Deutschschweiz ist der Konflikt Dialekt-Hochsprache. Ich bin ein grosser Fan des Schweizerdeutschen und finde es schade, dass immer mehr Nachrichtensendungen auf Standardsprache umgestellt werden - das ist immer auch ein gewisser Kulturverlust.
Die von Dir beschriebene Person hätte z.B. auch meine Urgrossmutter nach 20 Jahren in der Schweiz sein können, die war geistig voll fit, aber eben sprachlich nicht überbegabt. Wäre ich daneben gesessen, hätte ich Dir also recht ausgeteilt, das kann ich Dir versprechen… Du hast keine Ahnung, was die Person für einen persönlichen Background hat, also hast Du auch kein Recht, solche Verdächtigungen anzustellen und subtil Menschen aus Ex-Jugoslawien in einen Topf zu werfen.
Wir sollten auch nicht auf dem hohen Ross sitzen und davon ausgehen, dass es voll easy ist, sich in der Deutschschweiz sprachlich schnell zu integrieren. In der Romandie oder dem Tessin geht das schneller.
Natürlich nerve ich mich auch über Leute, die auch nach Jahren keine Ahnung von Deutsch haben, obschon sie genügend Möglichkeiten hatten, es zu lernen. Über Leute, die arrogant sind und sich dumm stellen. Dein Fall *mag* in diese Richtung gehen. Gut möglich. Aber Deine Pauschalisierungen nerven nur. Das hätte genau so gut eine Schweizerin sein können. Oder willst Du einfach wieder mal eine Diskussion provozieren? Mit sowas von uralten Klischees der ach so bösen Menschen, deren Namen auf -ic enden?
*Beep*, Alarmstufe rot. Bünzli-Alarm!
Aussagen wie “müsste sie (wieder) dorthin, wo man sie auch versteht” tönen verdammt ähnlich wie “Moskau einfach” aus der Zeit des kalten Krieges. Letzteres ist vor allem eines: Primitiv und auch ein wenig dumm. “Fremd fühlen im eigenen Lande?” - Hört sich irgendwie nach Leuten mit sehr kurzen Haaren an, die kürzlich auf so einer Wiese am Vierwaldstättersee waren. Hässlich.
Das passt nicht zu Deinem Blog und - zumindest von dem her zu schliessen, was ich von Dir gelesen habe - auch ganz schlecht zu Dir. Minus 100 Punkte.
August 7th, 2007 at 19:03
Nein, dieser Artikel steht in keinem Zusammenhang mit den kommenden Wahlen.
Ja, es mag sein, dass die deutsche Sprache schwer zu erlernen ist. Aber es ist nicht unmöglich. Mein aus Sri Lanka stammender Kollege (mit 12 Jahren in die Schweiz gekommen) sagte dazu einmal: “Wer will, kann auch!”
Und ich denke, genau hier liegt das Problem. Viele wollen von unserem System profitieren, ohne dass sie bereit sind, sich auch in anderen Dingen anzupassen. Dazu gehört auch die Sprache. Ich will nicht, dass sich in der Schweiz in Zukunft einmal Ghettos bilden, wie wir sie von Städten in anderen Ländern kennen. Die Sprache spielt diesbezüglich eine sehr grosse Rolle. Nur durch diese können sich die Menschen von ihrem engsten Umfeld lösen und auch mal mit Schweizern oder Menschen aus anderen Ländern als dem ihrem in Kontakt treten.
Bezüglich dem Umstellen der Sprache im TV bin ich anderer Meinung als Du. Aus Rückmeldungen von diversen Personen, mit denen ich schon über das Thema gesprochen habe, weiss ich, dass Schweizerdeutsch um Welten schwieriger zu verstehen und erlernen ist, als Hochdeutsch. Von diesem Standpunkt aus betrachtet wird die Integration der Einwanderer unterstützt, wenn diese das TV-Programm auf Hochdeutsch schauen können. Dies erleichtert ihnen, die Sprache zu erlernen.
Was ich sicher nicht will ist, alle Ex-Jugoslawen oder allgemein alle Ausländer in einen Topf zu werfen. Es ist mir bewusst, dass es unzählige Menschen gibt, welche sich super integriert haben, deshalb den Schweizerpass erhalten haben und sich aktiv in diversen Vereinen und Organisationen engagieren. (Siehe Suntharalingam Lathan, Grossrat aus Luzern.) Doch genau diese Menschen leiden unter dem Verhalten und Auftreten von solchen Personen wie die im Artikel erwähnte Dame.
Natürlich entspricht der Artikel grundsätzlich meiner Meinung, sonst hätte ich ihn ja nicht geschrieben. Mag jedoch sein, dass einzelne Passagen missverstanden werden können.
Regelmässig sehe ich, wie Freunde von mir, welche aus anderen Ländern stammen, immer wieder darunter leiden, dass einzelne ihrer Landsleute nicht wissen wie man sich hier zu benehmen hat. Deshalb habe ich wohl eine so strenge Meinung gegenüber Personen, welche aus anderen Kulturen, Ländern etc. kommen und nicht bereit sind sich zu integrieren, kriminell sind/werden oder sich sonstwie daneben benehmen. Ich werde immer der Meinung sein, dass man gegen diese Personen energisch vorgehen muss. Nur so wird sich das Image der Immigranten verbessern lassen.
Wie gesagt: Ich bin nicht daran interessiert, das Image der Zuwanderer in den Schmutz zu ziehen. Im Gegenteil! Doch wenn sich einzelne der Zuwanderer (und selbstverständlich auch der Schweizer) daneben benehmen, werde ich auch in Zukunft darüber schreiben. Vielleicht werde ich mich dann einfach ein wenig vorsichtiger ausdrücken müssen…
August 7th, 2007 at 21:43
Das hört sich etwa an wie das Parteiprogramm der Schweizer Demokraten: Austeilen, aber dann natürlich auf keinen Fall Ausländer diffamieren wollen. Wie wärs, einfach die Nationalitäten wegzulassen in so einem Fall, wie es viele Kantonspolizeien inzwischen auch tun? Deine Darstellung mit den Flaggen, den -ic und der Aufzählung der Länder ist sowas von klischiert bünzlig, wuah, das haut einem echt grad den Nuggi raus.
Die bösen Ausländer sind also selbst schuld, dass wir die bösen Ausländer böse finden. Wie wärs damit, wenn wir Einheimischen auch mal den Kopf schräg halten und uns bewusst werden “auch wenns so schön einfach wäre, ist es nicht so, dass alle Auswärtigen doof sind, nur weil ein paar sehr doof sind”? Au weia, ja, das wäre eine gewaltige Anstrengung, die Ueli Maurer & Co. zum Beispiel eben nicht beherrschen. Das führt dann zu einem Klima des Hasses und der Verunsicherung - da stehen SVP und Konsorten dem Schorsch Busch in nichts nach: Eine Stimmung der Angst schaffen, durch neue Terrorwarnungen immer wieder von neuem schüren und dafür sorgen, dass sie Leute allem gegenüber, was auch nur ein wenig fremd aussieht, skeptisch gegenüberstehen. (Nur fürs Protokoll: Selbstredend kann ich Islamisten und anderen Fanatikern aller Art ebenso wenig abgewinnen wie Bush, Blocher & Co.)
Solche Stimmungen schürst Du mich solch plakativen und reduzierten Postings.
Was für eine Rolle spielt es, was die Frau für eine Nationalität hatte? Es gibt vermutlich sogar noch mehr junge dumme Schweizer Hühner (und Hähne), die nicht gecheckt haben, dass es zwei Klassen gibt oder die sich einfach dumm stellen. Wäre ich in Japan, Nepal oder Peru in so eine Kontrolle geraten, hätte ich - selbst wenn ich die Landessprache allenfalls könnte - wohl gleich reagiert wie sie: Zuerst mal ein wenig Ausloten, die Situation abchecken, mit meiner Ortsfremdheit spielen. Das mach ich selbst in der Schweiz manchmal gerne: Wenn mich ein Strassenspammer anhaut, antworte ich auf Ungarisch oder Rätoromanisch - die lassen einen dann schnell in Ruhe. Oder einem Highway Patrol Officer in Arizona hab ich auch mal eine schöne Szene in Scheizerdeutsch gespielt - er hat mir daraufhin sogar die Busse erlassen und eine schöne Fahrt gewünscht, obschon ich viel zu schnell gefahren war.
Auch wenn ich Leute, die den öV betrügen, grundsätzlich nicht nett finde, wird mir die junge Frau im Spiegel Deiner nationalistischen Argumentation immer sympathischer…
Dein Jahrgang rettet Dich knapp - ich habe mit 22 auch Dinge erzählt, die ich heute wohl zumindest anders formulieren würde. Wir reden dann über diese Sache besser in ein paar Jahren wieder.
August 7th, 2007 at 22:27
Bin Da bis zu einem gewissen Mass einverstanden - jedermann sollte sich etwas bemuehen sich dem Umfeld wo man sich niederlaestt anzupassen. Das beinhaltet auch die Sprache. ist hier ein Kalifornien auch ein grosses Problem, wo viele Leute die aus einem Nachbarland hierhergezogen sind kein Englisch sprechen und sich offenbar auch gar nicht darum bemuehen, dies zu tun. Bei aelteren Leuten verstehe ich das ja noch, die moegen so ganz gut zurechtkommen, aber meiner Ansicht nach hoert der Spass bei der Schule auf. Es geht einfach nicht, dass der groesste Teil der Kinder in einer Klasse die allgemein gebraeuchliche Sprache (Amtssprache gibts hier ja nicht …) nicht spricht. Das gibt Riesenprobleme … Und das wird zu einem grossen Teil auch toleriert oder etwa unter dem Vorwand von “No Child Left Behind” gefoerdert, indem auf Spanisch unterrichtet wird! Statt dass man diese Kinder in einen Intensivenglischkurs schicken wuerde - das wuerde ihnen fuer die Zukunft viel mehr nuetzen - lernen sie es jetzt nicht, dann lernen sie es nie oder viel schwerer.
Ich darf das sagen, denn wir sind hier auch Auslaender und meine Tochter ist auch fremdsprachig in der Schule, aber wir geben uns Muehe, dass sie Englisch lernt und so in der Schule mithalten kann…
August 7th, 2007 at 22:29
PS. Kuerzlich war in der Zeitung ein Beispiel: ein Mann konnte in Mexiko keine Stelle finden, weil er kein Englisch sprach - da kam er hierher nach Kalifornien, hier ist das kein Problem …
August 8th, 2007 at 00:09
Und ich dachte, in den Staaten würde man ohne Englisch nicht sehr weit kommen… Naja, irren ist menschlich. :)
Das Mexiko-Beispiel finde ich dann aber doch ein wenig gar krass…
Wegem dem Spanisch: Ich war mal kurz in Miami und wie ich erfahren habe, werden dort in diversen Schulen auch einzelne Klassen auf Spanisch unterrichtet. Ich ging damals davon aus, dies habe mit der Nähe zu Kuba, Puerto Rico etc zu tun. Deshalb erstaunt es mich, aus dem Golden State ähnliches zu hören.
August 8th, 2007 at 05:51
Andreas - Golden State = Naehe zu Mexiko … ;-)
August 8th, 2007 at 09:18
Ups, da habe ich wohl zu wenig weit gedacht! :) Naja, war ja (hier in der Schweiz) schon kurz nach Mitternacht und ich war schon seit 20½ Stunden auf den Beinen…
Übrigens: Ich hoffe, ich habe Dich in diesem Beitrag richtig verstanden. (Siehe Kommentare zum verlinkten Artikel.)
April 19th, 2008 at 23:43
Andi
Versuch mal, in London ohne Englich zu wohnen und zu arbeiten.
Oder in Chicago. Dort heisst es: Es ist dein Problem, ob du die lokale Sprache sprichst oder nicht.
Ich war genügend lang in fremdsprachigen Ländern, nicht nur als Tourist. Nur die Schweizer sind so tolerant mit den Einwanderern.
Gumbo