Bei den Diskussionen rund um die Preiserhöhung der SBB stellen sich mir je länger je mehr Fragen. Der Bund verlangt von der SBB, dass sie einen “angemessenen Gewinn” erwirtschaftet, sprich möglichst auf eigenen Beinen stehen kann und weniger stark auf die öffentliche Hand angewiesen ist.
Nun stellt sich jedoch Preisüberwacher Rudolf Strahm quer. Er verbietet der SBB, auf den stark befahrenen Strecken Distanzzuschläge zu erheben, da die SBB sonst “zuviel Gewinn” macht. Dabei würde es doch nur den marktwirtschaftlichen Grundsätzen folgen, beliebte Angebote zu verteuern, um so das finanzielle Ergebnis zu verbessern. An der Börse funktioniert das schliesslich auch genau so. (Ausnahmen bilden Erzeugnisse, welche in beliebiger Stückzahl hergestellt werden könnnen. Dort werden die einzelnen Erzeugnisse günstiger, je mehr davon man produziert.)
Die SBB erhält vom Bund kein Geld für neue Fahrzeuge und die Erneuerung der Flotte. Sie muss diese aus eigenen Mitteln finanzieren. Wie soll die SBB nun bessere Angebote auf den Markt bringen und den Komfort (zum Beispiel die Anzahl der Sitzplätze) erhöhen, wenn sie keinen oder nur einen minimalen Gewinn einfahren darf? Die Kunden werden unter der Entscheidung von Rudolf Strahm leiden, was ich sehr bedaure.
Jedoch hat die SBB noch nicht aufgegeben. Für dieses Jahr verzichtet sie auf die Erhöhung der Distanzzuschläge. Sie nutzt diese Zeit, um mit dem Bund (der SBB-Eigentümer ist) abzuklären, welchen Gewinn sie einfahren darf. Danach wird sie die daraus resultierenden Schlüsse ziehen. Die SBB ist ganz klar der Meinung: Unterschiede bei Kosten, Angebot und Nachfrage müssen einen Einfluss auf den Preis haben.
Quelle: SBB-Zeitung
