Ich bin ein Rassist!
kondukteur July 2nd. 2007, 01:59Dies behauptete jedenfalls eine Kundin in meinem Zug. Weshalb sie so über mich denkt? Ganz einfach:
Die Dame (im nachfolgenden Dialog Furie genannt) sass neben einer dunkelhäutigen Dame (nachfolgend “Reisende ohne gültigen Fahrausweis, kurz RogF genannt). Diese dunkelhäutige Dame hatte ein Billett von Basel bis Lenzburg gelöst, fuhr nun jedoch weiter von Lenzburg nach Zürich. Selbstverständlich muss sie die fehlende Strecke Lenzburg - Zürich HB nachbezahlen. Ich nenne ihr den Betrag und sie nimmt auch schon das Portemonnaie hervor, um zu bezahlen. Da mischt sich ihre Nachbarin ein:
Furie: Spinnet Sie enart! Das isch doch sicher nid so tüür! Gaht’s Ihne denn na?!
Ich: Wüsset Sie, wenn Sie im Zug löset, zahlend Sie immer na än Zueschlag vo 5 Franke.
RogF: (Ist ganz verwirrt. Zögert, mir das Geld zu geben.)
Ich: (In Richtung RogF) So, das mächti denn 12.60 bitte.
RogF: Nein ich nünt bezahle muess isch zu tüür seit Frau. (Steckt ihr Geld wieder ein.)
Ich: (Halte immer noch das Halbtax von RogF in den Händen.) Denn muess ich Sie leider ufschriebe. Das würd denn aber dütlich tüürer!
Furie: Ja grad au na! Sind Sie enart nümm ganz dicht?! Denn schrieb ich Sie aber au uf, Sie!
Ich: Machend Sie das.
Furie: Wie würend Sie sich eigentli fühle, wenn me Sie in Afrika so behandle würd?!
Ich: Döt hi gang i sicher nid.
Furie: Ja genau so gsehnd Sie au us! Genau so, das säg ich Ihne! Än Rassist sind Sie!
Ich: Guät.
Ich: Also das mächt denn 12.60 bitte. Wenn Sie nid zahlend, schrieb ich Sie eifach uf. Chostet denn aber 30 Franke meh, das müend Sie wüsse. Zudem sind Sie denn registriert.
Furie: Jetzt platzt mir denn aber grad dä Grind!
Ich: Lieber nöd, git ä Sauerei.
Furie: Sie sind doch sicher eine vo dä SVP, gället Sie??
Ich: Nei bin eine vo dä SBB.
Furie: Jaja.
Ich: Ja, isch mini Lieblingspartei. In dä Nationalratswahle wähl i nur SBB.
Ich: (An RogF gewandt:) Zahlend Sie jetzt oder wenn Sie lieber, dass ich Sie ufschriebe?
RogF: Ok. Ich zahlend jetzt. Sie sind sehr streng infall.
Furie: Nei denn zahl i für die Frau! Diä tuet mir leid.
Furie: (Gibt mir das Geld.)
Ich: Merci und än schöne Tag na mitenand.

Ich bin also ein Rassist, weil ich nicht nach Afrika reisen will… Mmh…
Sorry, aber dieser Kontinent reizt mich einfach nicht. Vielleicht ändert sich das in der Zukunft, who knows. Im Moment jedoch reise ich nicht nach Afrika. Genau so wie ich nicht nach Asien reise. Und auch nicht nach China. Hawaii schon gar nicht.
Ich habe im Moment nicht vor, nach Hawaii zu reisen. Mmh… Bin ich jetzt ein Terrorist? Weil ich nicht in die USA reise? Ein Verbündeter Bin Ladens? Kommt bald Bush bei mir zu Besuch und bombardiert mein Haus? Stehen die Scharfschützen auf den Dächern der Nachbarhäuser schon bereit?
Nein jetzt im Ernst. Mir gefällt Spanien, vorallem Ibiza und Mallorca. Mir gefällt Griechenland mit seinen Inseln. Auch Italien ist nicht zu verachten. Nächste Woche schaue ich mir Paris mal an. Könnte mir auch gefallen. Am schönsten finde ich die Karibik. Aber einige Länder und Kontinente reizen mich einfach (zurzeit) nicht. Dazu gehört Afrika. Ist das schlimm???
Vielleicht hätte ich die Furie mal fragen sollen, ob sie auch schon zwei Kreuzfahrten auf einem Luxusdampfer in der Karibik unternommen habe. Wenn nein, was sie denn gegen die Kariben (Einwohner der Karibik-Region) habe. Vielleicht hätte ich ihr sagen sollen, dass sie eine Rassistin sei. Schliesslich war sie noch nie in der Karibik. Schande!
Doch ich wollte die Situation nicht aufheizen. Sonst wäre ihr wirklich noch der “Grind” geplatzt. Zum Putzen hatte ich keine Lust. Reicht schon, wenn ich das in meiner Wohnung tagtäglich muss. ;o)
Übrigens: Es stimmt, tendenziell stehe ich eher auf der Seite des bürgerlichen Lagers. Die Personen, welche ich für Kantons-, Stände- und Nationalrat wähle, kommen zum grossen Teil aus der FDP und SVP. Bei den Urnenabstimmungen ist das Bild bereits weniger klar. Dort habe ich auch schon gegen die SVP-/FDP-Linie und im Sinne der SP und linken Parteien gestimmt. Kann vorkommen. Vorallem wenn es um den öffentlichen Verkehr geht. Ich bezeichne mich als “typischer Schweizer”, der rechts von der Mitte steht. Von Rassismus und Rechtsextremismus distanziere ich mich genau so wie vor Linksextremismus und ultralinken Parteien.
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July 2nd, 2007 at 06:56
Richtig so!
July 2nd, 2007 at 15:45
Kann man jetzt verstehen, wie man will… ;o)
July 2nd, 2007 at 23:43
Interessant ist nur, dass in deinen Erzählungen stets Asylanten und Schwarze vorkommen, welche in deinen Schwarzfahrer-Erlebnissen ausführlich behandelt werden.
July 3rd, 2007 at 01:30
Gerade für solche Leute wie den Autor des Betrags oben wäre eine Afrika-Reise mal was wert. Natürlich begleitet, möglichst von einem local. Denn Afrikaner in Afrika verhalten sich dort nämlich ganz anders als hier. Völlig normal sozusagen… Mit einem ausgebildeten Guide im Busch auf Spazier-Pirsch gehen, wobei er aufpassen muss, dass die Touris nicht von Löwen gefressen oder von Büffeln zertrampelt werden, das allein ist schon eine Reise wert: Da werden die Rollen mal vertauscht! Ausserdem gibts beispielsweise in Südafrika einen tollen (nicht ganz billigen) Luxuszug.
S.K.
July 3rd, 2007 at 01:36
Wie gesagt: Es gibt viele tolle Länder auf dieser Welt; einige davon habe ich schon bereist, andere werden noch folgen. Afrika interessiert mich im Moment (noch) nicht. Dies hat weder etwas mit seinen Einwohnern noch mit anderen Umständen zu tun. Ist einfach so.
@ 3. Kommentar: Ja genau, ich bedaure auch, dass viele Schwarzfahrer Asylanten sind. Würden mehr Schweizer (oder Deutsche, Franzosen, Spanier etc.) schwarz fahren, würden die ebenfalls entsprechend erwähnt. Doch ich will keine Geschichten über fiktive Schweizer Schwarzfahrer erfinden sondern hier von der Realität erzählen. Laut den Statistiken ist der durchschnittliche Schwarzfahrer:
- Jung
- Männlich
- Mit Migrationshintergrund
July 2nd, 2008 at 14:20
Letzte Woche erlebt: Regionalauszug aus der aargauischen Provinz nach Aarau. Der Zug ist fast leer, bis an einem Bahnhof zahlreiche Schwarze einsteigen. Wieso, weiss ich nicht, allenfalls gibt es dort ein Heim für Asylbewerber, jedenfalls war es Abend, es ging wohl in die Stadt. Traurig, aber wie schon häufiger beobachtet: Bei der Ticketkontrolle hatte kaum einer ein Ticket, die paar wenigen anderen Passagiere wurden angepöbelt, es ging laut her und zu, usw.