“Du Papi, was isch än Schwarzfahrer?”

Diese fragte stellte ein kleiner Junge seinem Vater in einem meiner Züge, als ein Herr ein Abteil nebenan mir gegenüber aus Spass sagte, er habe kein Billett und sei ein Schwarzfahrer. (Er zeigte mir danach jedoch sein GA.)

Der Vater wusste darauf keine Antwort und somit war klar: “Das muesch du dä Kondikteur fröge.” Ich erklärte es dem Jungen in kurzen und möglichst einfach Worten und er gab sich mit der Antwort zufrieden.

Für meine Leser folgt ihr die ausführlichere Antwort mit einigen Hintergrundinfos, bevor ich dann noch auf den Titel dieses Artikels zu sprechen komme.

Definition gemäss Onlline-Enzyklopädie Wikipedia:

Die Beförderungserschleichung (umgangssprachlich auch Schwarzfahren genannt) ist (…) ein vertypter Straftatbestand des Erschleichens von Leistungen (…). Systematisch gehört die Beförderungserschleichung zu den Betrugsdelikten. Vom Charakter her ist sie ein Vergehen. Die Einstufung als Beförderungserschleichung setzt Vorsatz voraus.

Wer fährt schwarz?

Gemäss Studien sind es vorallem Männer. Der Anteil der Frauen nimmt jedoch jährlich zu. Auffallend hoch ist der Anteil der Jugendlichen und Heranwachsenden. Diese machen rund 1/3 aller Schwarzfahrer aus.

Aus meiner Erfahrung weiss ich, dass der “typische Schwarzfahrer” unter 25 Jahre alt, männlich und ausländischer Abstammung ist.

Folgen des Schwarzfahrens

Wer zum ersten Mal beim Schwarzfahren erwischt wird, dürfte mit Milde von Seiten des Verkehrsunternehmens rechnen. Zwar werden seine Personalien notiert und er muss (im Regionalverkehr) CHF 80.- bezahlen (siehe unten), doch weiter geschieht nichts. Sollte man jedoch zum wiederholten Mal innert zwei Jahren erwischt werden, erstattet die SBB Anzeige und es drohen hohe Geldbussen und in Einzelfällen (oder wenn die Geldbussen nicht bezahlt werden) sogar Gefängnis.

Schwarzfahrer-Gebühren:

Barzahlung oder Rechnungsstellung beim ersten Mal: CHF 80.-
Barzahlung oder Rechnungsstellung beim zweiten Mal: CHF 120.-
Barzahlung oder Rechnungsstellung beim dritten Mal: CHF 150.-
Mahnung bei Nichteinhalten der Zahlungsfrist von 20 Tagen: CHF 50.-
Betreibungen und Strafanträge jeweils: CHF 20.-
Nachforschungen nach richtigen Personalien / Adressen je 15 Minuten: CHF 25.-

Vergessene Abos: CHF 5.-

Zuschläge, die wegen vergessener, verlorener oder nicht erneuerter Junior- bzw. Enkel-Karten oder Gleis 7 ausgestellt wurden, können nicht durch nachträgliches Vorweisen der Junior- bzw. Enkel-Karten oder Gleis 7 reduziert werden.

Bei Missbrauch von Tickets, Mithilfe zum Missbrauch sowie Angabe falscher Personalien und Adressen sind massiv höhere Gebühren zu bezahlen (mindestens CHF 180.- pro Person). Zudem bleibt eine strafrechtliche Verfolgung vorbehalten.

Das Vorweisen eines gefälschten Tickets hat neben hohen Gebühren (mindestens CHF 280.-) in jedem Fall strafrechtliche Konsequenzen.

Artikel über Schwarzfahren

Bei meiner Recherche stiess ich auf einen etwas speziellen und fast schon witzigen Artikel auf artikel-base.de. Der Autor des Artikels ist der Meinung, dass Schwarzfahrern die Zukunft des öffentlichen Verkehrs gehöre. Schliesslich seien es die Schwarzfahrer, welche den Verkehrsunternehmen einen grossen Teil an Einnahmen garantieren.

Ich sehe das leicht anders, denn der Aufwand der für die Kontrolle betrieben wird, wird durch die Bussen kaum gedeckt. Deshalb kann ich folgender Aussage auch nicht zustimmen, welche die Strafen betrifft:

“Das ist doch so, als würde ein Fischzüchter in die Teiche seiner wertvollsten Wasserbewohner Gift schütten. O nein, ein Verkehrsunternehmen hat ein natürliches Interesse an seinen täglichen Schwarzfahrern, ebenso wie eine Fischzucht an ihrem Fischbestand. Und es hat ein Interesse daran, möglichst häufig nach seinen Schwarzfahrern, seinen eigentlichen Platinkunden, fischen zu gehen.” (Aus artikel-base.de)

Der Artikel macht dann auch gleich einen Vorschlag, wie wir mit Schwarzfahrern umgehen könnten: “Von jedem gewonnenen “Neukunden” werden die Personalien erstmalig erfasst, woraufhin dieser in den darauffolgenden Tagen eine persönliche Kundenkarte mit Kundennummer erhält, die er beim nächsten Mal nur vorzeigen müsse.”

Ich hingegen wäre froh, die Schwarzfahrer hätten zumindest ihren Ausweis dabei. Da sollten wir diese nicht mit noch mehr Karten verwirren. Absoluter Humbug ist natürlich auch das Schwarzfahrer-Treuepunkte-System:

“Die kleine Treuekarte des Kunden erhält bei jedem Mal Erwischtwerden einen kleinen Stempel, z.B. in Form eines schwarzen Schafes. Beim zehnten Schaf gibt’s dann einmal Schwarzfahren gratis.”

Eine weitere Idee von Dominik Sedivy, dem Autor des Artikels: Der Schwarzfahrer-Premium-Service mit Sicherheitsgarantien für Pechvögel: “Einmal zahlen und für die nächsten 7 Tage 35% Nachlass auf jedes weitere Mal Erwischtwerden.”

Naja, Fantasie hat er ja, der Junge… ;o)


Schwarzfahren lohnt sich nicht - MyVideo


Auch die Schweizer Grossbank Credit Suisse
befasst sich mit dem Phänomen “Schwarzfahren” und will folgende Fragen beantworten:

- Was bringt die Leute zum Schwarzfahren?
- Welche Gegenmassnahmen machen für die Betreiber des öffentlichen Verkehrs Sinn?

Die CS versucht, den Konflikt zwischen Schwarzfahrern und öffentlichen Verkehrsbetrieben mit der Spieltheorie zu erklären: Das Unternehmen weiss grundsätzlich nicht, wer bezahlt hat; der Fahrgast weiss nicht, wann eine Kontrolle stattfindet. Der Schwarzfahrer hat ein Interesse, nicht zu bezahlen, sofern nicht generell eine Kontrolle stattfindet. Wie oft der Fahrgast ein Billett löst, hängt dabei von der Häufigkeit der Kontrollen ab. Dies haben die Verkehrsbetriebe inzwischen erkannt, und deshalb die Gebührenstaffelung eingeführt (siehe oben): Je häufiger jemand beim Schwarzfahren erwischt wird, desto mehr bezahlt er.

Interessant ist auch die These zum Gefangenendilemma, in der es um gestehen oder nicht gestehen geht, um Billett kaufen oder nicht kaufen. Die CS kommt zum gleichen Schluss wie ich: Über einen längeren Zeitraum gesehen lohnt es sich, ein Billett zu kaufen. Die CS meint, vielleicht bräuchten die Schwarzfahrer mal eine spieltheoretische Aufklärung über die Nutzlosigkeit ihres Tuns. ;o)

Somit ist klar: Schwarzfahren lohnt sich NICHT und der Titel dieses Posts entspricht nicht den Tatsachen.

Einige meiner Schwarzfahrer-Artikel:

- Notorischer Schwarzfahrer: Mark Fox
- Polizeieinsatz im Zug
- SBB befördert Asylanten im Gepäckwagen
- Teure Lügen
- Schwarzfahrer greift Polizei an
- Rabiater Schwarzfahrer
- Schwarzfahrer ergriffen Flucht
- Wüste Krawalle in Pariser Metro / Gewalt gegen Bahnmitarbeiter