Heute wurde der Lötschberg-Basistunnel eröffnet. Eine grossartige Leistung war es, dieses einmalige Bauwerk zu erstellen! Was man in den Medien jedoch eher selten hörte: Der Lötschberg-Basistunnel ist der sicherste Bahntunnel der Welt:

- Alle 330 Meter sind die beiden Stollen mit Querstollen verbunden, 104 insgesamt, was die Flucht in die jeweils andere Röhre erlaubt.

- Die Lokführer müssen, wenn immer möglich, einen brennenden Zug aus dem Tunnel fahren oder wenigstens bis zur Nothaltestelle. Die Züge sind so gebaut, dass sie selbst im Vollbrand noch 15 Minuten fahrtauglich sind. Die Nothaltestelle Ferden ist mit Frischluftzufuhr, Rauchabsaugung, Kommunikation ausgerüstet.

- Damit die Passagiere den Zug nicht an einer ungünstigen Stelle anhalten können, wird die Notbremse im Tunnel überbrückt. Der Lokomotivführer erhält einen Alarm und kann noch hinaus oder zur Nothaltestelle fahren.

- Der Tunnel hat drei Lüftungszentralen. Zwei Ventilationssysteme sorgen für Überdruck, damit kein Rauch in die Fluchträume gelangt. Ein Abluftsystem würde Rauchgase via einen Lüftungsschach ins Freie blasen. Die Lüftungszentralen werden von mehreren unabhängig funtionierenden Betriebszentralen gelenkt.

- Die Portale lassen sich schliessen, so dass der Luftfluss im Tunnelsystem gesteuert werden kann. Bei den Querstollen, Notausstiegen und Fluchtstollen sind 173 motorisierte Schutztüren angebracht, die den Brandherd abriegeln können.

- Alle 25 Meter leuchten im Notfall Lampen, die durch eine geschützte Stromversorgung gespeist werden.

- Neben dem Gleis hat es ein breites Trottoir. Insgesamt wurden 56 Kilometer Handläufe verlegt, damit sich die Flüchtenden orientieren können. 3′000 Schilder sollen sie zu den Schutzräumen leiten.

- 130 Kameras überwachen Portale, Tunnel und Stollen. Über Lautsprecher können Anweisungen an die auf Hilfe wartenden Menschen gegeben werden.

- Alle technischen Räume, Querverbindungen und Stollen sind je nach Ort mit Brand-, Gas- und Nässemeldern ausgestattet. Allein zur Brandmeldung wurden 3′200 Detektoren installiert. So kann ein Ereignis rasch lokalisiert und bekämpft werden.

- Gefürchtet sind heiss laufende Achslager und Räder. Um sie vor der Tunneleinfahrt zu entdecken, sind vor Reichenbach bei Frutigen und auf der Südseite des Simplons bei Varzo Detektoren installiert, die die Leitstelle alarmieren würden. Auch die Züge sind mit Brandmeldern ausgerüstet.

- Das wichtigste Mittel bei einem Notfall sind zwei Lösch- und Rettungszüge, einer im Norden unter der Regie der BLS, einer im Süden von der SBB. Sie wurden bei zwei Evakuationsübungen mit 350 Figuranten und Hunderten von Einsatzkräften Mitte Mai und Anfang Juni eingesetzt.

(Quelle: Tages-Anzeiger)