Lötschberg: Sicherster Tunnel der Welt
BLS, SBB, mgb, youtube, öffentlicher verkehr June 15th. 2007, 09:47Heute wurde der Lötschberg-Basistunnel eröffnet. Eine grossartige Leistung war es, dieses einmalige Bauwerk zu erstellen! Was man in den Medien jedoch eher selten hörte: Der Lötschberg-Basistunnel ist der sicherste Bahntunnel der Welt:
- Alle 330 Meter sind die beiden Stollen mit Querstollen verbunden, 104 insgesamt, was die Flucht in die jeweils andere Röhre erlaubt.
- Die Lokführer müssen, wenn immer möglich, einen brennenden Zug aus dem Tunnel fahren oder wenigstens bis zur Nothaltestelle. Die Züge sind so gebaut, dass sie selbst im Vollbrand noch 15 Minuten fahrtauglich sind. Die Nothaltestelle Ferden ist mit Frischluftzufuhr, Rauchabsaugung, Kommunikation ausgerüstet.
- Damit die Passagiere den Zug nicht an einer ungünstigen Stelle anhalten können, wird die Notbremse im Tunnel überbrückt. Der Lokomotivführer erhält einen Alarm und kann noch hinaus oder zur Nothaltestelle fahren.
- Der Tunnel hat drei Lüftungszentralen. Zwei Ventilationssysteme sorgen für Überdruck, damit kein Rauch in die Fluchträume gelangt. Ein Abluftsystem würde Rauchgase via einen Lüftungsschach ins Freie blasen. Die Lüftungszentralen werden von mehreren unabhängig funtionierenden Betriebszentralen gelenkt.
- Die Portale lassen sich schliessen, so dass der Luftfluss im Tunnelsystem gesteuert werden kann. Bei den Querstollen, Notausstiegen und Fluchtstollen sind 173 motorisierte Schutztüren angebracht, die den Brandherd abriegeln können.
- Alle 25 Meter leuchten im Notfall Lampen, die durch eine geschützte Stromversorgung gespeist werden.
- Neben dem Gleis hat es ein breites Trottoir. Insgesamt wurden 56 Kilometer Handläufe verlegt, damit sich die Flüchtenden orientieren können. 3′000 Schilder sollen sie zu den Schutzräumen leiten.
- 130 Kameras überwachen Portale, Tunnel und Stollen. Über Lautsprecher können Anweisungen an die auf Hilfe wartenden Menschen gegeben werden.
- Alle technischen Räume, Querverbindungen und Stollen sind je nach Ort mit Brand-, Gas- und Nässemeldern ausgestattet. Allein zur Brandmeldung wurden 3′200 Detektoren installiert. So kann ein Ereignis rasch lokalisiert und bekämpft werden.
- Gefürchtet sind heiss laufende Achslager und Räder. Um sie vor der Tunneleinfahrt zu entdecken, sind vor Reichenbach bei Frutigen und auf der Südseite des Simplons bei Varzo Detektoren installiert, die die Leitstelle alarmieren würden. Auch die Züge sind mit Brandmeldern ausgerüstet.
- Das wichtigste Mittel bei einem Notfall sind zwei Lösch- und Rettungszüge, einer im Norden unter der Regie der BLS, einer im Süden von der SBB. Sie wurden bei zwei Evakuationsübungen mit 350 Figuranten und Hunderten von Einsatzkräften Mitte Mai und Anfang Juni eingesetzt.
(Quelle: Tages-Anzeiger)
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June 17th, 2007 at 10:16
>> Die Züge sind so gebaut, dass sie selbst im Vollbrand noch 15 Minuten fahrtauglich sind.
Das ist in der Praxis so eine Sache. Ich denke nicht, dass es möglich ist einen Zug zu bauen, der im Brandfall 15 Minuten fahrtauglich bleibt.
Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass vitale Systeme gestört werden, so dass die Bremsen anlegen oder das Antriebssystem ausfällt. Die einzige Chance solches zu verhindern ist, die Fahrzeuge mit einer Löschanlage auszurüsten.
June 17th, 2007 at 11:57
Die Frage wäre dann, woher man das Löschwasser nimmt. Der bestehende Wassertank welcher für WC-Spülung und Lavabo verwendet wird, dürfte dafür wohl kaum ausreichen. Vorallem dann nicht, wenn er schon einen halben Tag benutzt wurde.
Ich denke schon, dass die Züge sicher sind; selbst in einem Brandfall. Das Personal ist für den Notfall ausgebildet und die Wagen sind mit mehreren Feuerlöschern ausgestattet, so dass man das Ausbreiten eines Feuers mehr oder weniger verhindern kann.
Das Antriebssystem wird nur dann ausfallen, wenn die Lokomotive in Brand steht. Bei Zügen wie ICN und teilweise auch Cisalpino dürften vermutlich die restlichen Wagen den Antrieb übernehmen können.
June 17th, 2007 at 14:48
Es gibt moderne Wassernebelanlagen, die sehr wenig Platz brauchen und äusserst Wirksam sind. Solche Systeme sind teilweise bereits in SBB Loks, Flirt Triebzügen und Desiro Triebwagen montiert. Das Wasser wird unter hohem Druck zwerstäubt so dass es ein Nebel bildet und das Feuer erstickt. Das System misst ca. 20 x 60 x 100.
June 17th, 2007 at 15:06
Man lernt nie aus! ;o)
Ein solches System wäre natürlich ideal für den Lötschberg-Basistunnel und zukünftige Projekte wie Gotthard-Basistunnel & Co.