Deutsche Bahn fährt in Saudi-Arabien
DB, saudi-arabien, öffentlicher verkehr June 13th. 2007, 01:57Die Deutsche Bahn (DB) ist schon heute ein riesiger Konzern und ein Global Player, wenn es um Transporte geht. Mit rund 230′000 Mitarbeitern ist er einer der grössten Arbeitgeber in Deutschland. Nun will der DB-Konzern nach Saudi-Arabien expandieren und dort Personen- und Güterzüge betreiben.
Wird die Deutsche Bahn in Zukunft also Hochgeschwindigkeits-Pilgerzüge über die Arabische Halbinsel düsen lassen, wie Financial Times Deutschland vermutet? Der DB-Konzern plant ernsthaft den Betrieb von Personen- als auch Güterzügen in Saudi-Arabien und will dort auch gleich einen neuen Frachtterminal in der neu entstandenen Stadt “King Abdullah Economic City” bewirtschaften.

Sollte das Experiment Saudi-Arabien funktionieren, wird die Bahn auch in andere Länder expandieren. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Denn in ihrem Heimatland Deutschland kann sie nicht expandieren. Ihr bleibt nur das Ausland. In Bezug auf Gütertransporte ist die DB bereits heute mit 1′500 Standorten in 150 Ländern vertreten. Zu diesem Vertriebsnetz gehören Railion (Produktion und Vertrieb auf der Schiene), Intermodal (kombinierter & kontinentaler Verkehr / Seehafenhinterlandverkehr) und Schenker (Landtransport, Luft- und Seefracht, Kontraktlogistik). Dass diese Unternehmen im Markt nicht unbedeutend sind, zeigen im Beispiel von Schenker folgende Spitzenplätze:
- Nr. 1 im europäischen Landtransport
- Nr. 2 in der weltweiten Luftfracht (nach DHL)
- Nr. 3 in der weltweiten Seefracht (nach Kühne + Nagel, DHL)
- Nr. 6 bei der weltweiten Kontraktlogistik (nach DHL, CEVA, Kühne + Nagel, Ryder, Wincanton)
Und die DB will noch weiter wachsen. Ziemlich sicher ist die Übernahme des US-Logistikkonzerns BAX für rund 1.65 Mia Franken nicht die letzte gewesen. Gerüchten zufolge will sie als nächstes rund 828 Mio Franken in zwei Güterbahnen in England (EWS) und Spanien (Transfesa) investieren.
Die Wachstumsgelüste des grossen Nachbarn bedrohen unter anderem auch die SBB. Diese wehrt sich, indem sie in die Stammlande der DB und in andere an die Schweiz grenzende Länder fährt. Mehr über diese internationalen Gütertransporte findet ihr auch im cargo-blog.
Auf eine Art erinnert mich diese Expansionslust der DB an den Fall Swissair. Andererseits bin ich jedoch auch davon überzeugt, dass es in der heutigen Zeit nicht reicht, einfach nur seinen Marktanteil verteidigen zu wollen. Ob die DB den goldenen Mittelweg für sich findet, wird sich zeigen.
Gespannt bin ich auch darauf, zu sehen, um sich dieser internationale Verdrängungswettkampf irgendwann mal auch im Personenverkehr auswirken wird. Für die DB wäre es ein leichtes, Personenzüge zum Beispiel von Basel Badischer Bahnhof aus nach Chur, St. Gallen, Erstfeld, Luzern oder Bern fahren zu lassen. Zeitlich wären diese Strecken (retour) in ungefähr 8-9 Stunden machbar, womit deutsche Zugbegleiter ihren Dienst in Deutschland beginnen und auch in Deutschland wieder beenden könnten. Durch die tieferen Löhne, welche die DB ihren Mitarbeitern zahlt, könnte sie die SBB konkurrieren und den Schweizern tiefere Preise anbieten.
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