Störungsanfällige SBB
SBB, kondukteur May 29th. 2007, 15:22Diverse Störungen prägten heute den Tag bei der SBB. Der grösste Zwischenfall war dabei wohl der im Gotthard-Tunnel blockierte Personenzug.
Ein vorausfahrender Güterzug verlor Blechstücke, auf welche der nachfolgende Personenzug kurz vor 14:15 Uhr auffuhr. Die Lokomotive wurde zwar beschädigt, jedoch kam niemand zu Schaden, was die Hauptsache ist. Der Bahnverkehr im Gotthard-Tunnel wurde für rund eine Stunde unterbrochen. Nach einer weiteren halben bis ganzen Stunde wurde der verunfallte Zug (oder “Ereigniszug”, wie man nach neuem Lötschberg-Basistunnel-Jargon heute sagen würde) abgeschleppt. Die Passagiere wurden in Göschenen mit einem Bus nach Erstfeld gebracht, wo sie auf einen weiteren Zug umstiegen.
Seit 19:30 Uhr sind beide Gotthard-Gleise wieder normal befahrbar und es bestehen keine Verspätungen mehr.
Mich würde es interessieren, wie es passieren konnte, dass sich Ladung von einem Güterzug lösen kann. Sowas darf nicht passieren, erst recht nicht in einem so langen Tunnel! Ob hier ein Visiteur geschlampt hat menschliches Versagen vorliegt oder ob die Ursache technischer Natur ist, wird sich vermutlich noch zeigen. In erster Linie bin ich froh, dass niemand zu Schaden gekommen ist und die Sache nochmals glimpflich ausging.
Ein weiterer Zwischenfall ereignete sich in Gümligen BE. Wegen einer Weichenstörung erhielten rund 50 Züge zwischen 5 und 15 Minuten Verspätung; der gesamte Verkehr lief nur noch einspurig. Diese Störung ist inzwischen auch schon wieder behoben.
Auch mein heutiger Kondukteur-Arbeitstag war von Störungen durchzogen: Angefangen hat es bereits in Chur, wo ein Wagen des ankommenden Zuges umgestellt werden musste. Da dieser Zug danach als Eurocity nach Hamburg fahren sollte, und da es in Eurocity-Zügen immer viele Platzreservationen gibt, gab es wegen der Wagenumstellung auch ein Durcheinander bei den Reservationen. Jene, die im hintersten Wagen reserviert hatten, durften ihre Plätze nun in einem Wagen im mittleren Teil des Zuges suchen und der vorher zweithinterste Wagen war nun am Schluss. Dass die meisten Plätze von Deutschen reserviert waren, welche sich oftmals extrem kompliziert anstellen, wenn es um Platzreservationen geht, erleichterte die Sache nicht wirklich. Nach einer kurzen Überprüfung der Magnetschienenbremsen ging es dann auch gleich los. Mit einer Verspätung von 7 Minuten…
Auf der Fahrt nach Basel standen wir dann auch öfters mal vor roten Signalen, wodurch wir die Verspätung kaum aufholen konnten. In Basel trafen wir schlussendlich mit einer Verspätung von 6 Minuten ein. Glücklicherweise hatte ich dort auch gleich eine Stunde Pause und drei deutsche Kollegen übernahmen den Zug. (Kann mir übrigens mal einer sagen, wieso die Zugchefs der Deutschen Bahn DB immer so eine rote Schleife am Armgelenk tragen müssen? Sieht aus wie das Ding, welche Blinde tragen…)
Das Essen in der Postkantine (betrieben durch die SV-Group ist oftmals nicht schlecht, doch heute war es nicht so wirklich der Hit. Aber immerhin machte es satt und ich konnte meinen Durst löschen. Dafür hat man von dort oben eine herrliche Aussicht über Basel, besonders im Sommer wenn die Terrasse geöffnet ist.
Die Rückreise gestaltete sich auch nicht ganz problemlos. Der Zug kam aus Hamburg mit einem Wagen weniger als üblich. Leider war der fehlende Wagen der Speisewagen, was die Pendler am Abend (16:07 ab Basel und 17:12 ab Zürich HB) nicht sehr erfreute. Auch von der Elvetino-RailBar war keine Spur, obwohl sie auf dem Zug hätte sein müssen.
Diese Störungen, einige etwas schwierige Fahrgäste und noch andere Dinge führten dann auch dazu, dass ich am Abend entsprechend müde und erschöpft war. Ich freue mich schon auf den morgigen Arbeitstag: Morgen habe ich nämlich wieder genau die gleiche Tour! ;o)
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May 29th, 2007 at 15:58
Grundsätzlich bewundere ich die Kondukteure immer, mit welcher Ruhe und manchmal auch mit Bestimmtheit da gewissen Hässlichkeiten begegnet wird.
(Bin heute übrigens wieder in einem ICE der DB gefahren, statt dem Transalpin aus Wien)
May 29th, 2007 at 16:22
Kam heute wieder ein ICE anstelle des Transalpin? Wie am 2. Mai schon?
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Nun ja, man gewöhnt sich an diese Art von Kunden, wenn man fast täglich mit bestimmten Ausdrücken tituliert wird und der eine oder andere schon fast handgreiflich zu werden scheint.
Personen mit einer niedrigen Reizschwelle wären beim Zugpersonal garantiert am falschen Platz. ;o)