Probleme beim TGV Deutschland – Frankreich

von Andreas Hobi am 4. Mai 2007 · Kein Kommentar


Artikel aus der WAZ vom 27. April 2007:

Alle Signale stehen auf Grün für die schnelle Bahnverbindung nach Paris. Doch hinter den Kulissen wird zwischen Deutscher Bahn und Frankreichs SNCF noch immer um teilweise bizarre Details gerangelt. “Jeder hält den anderen für einen Stoffel. Egal, worum es geht.”

… Doch bis zuletzt wird noch gefeilscht. Umstritten etwa ist die Zahl der Kontrolleure an Bord. Die Bahn will einen Schaffner für drei Waggons, die SNCF hält einen im ganzen Zug für ausreichend. Und ob an Bord des Frankreich-ICE künftig Handschellen mitzuführen sind, wie es im TGV offenbar üblich ist, um notfalls renitente Passagiere zu bändigen, ist wohl ebenfalls noch ein delikates Thema. Durchgesetzt wiederum haben sich die französischen Zugbegleiter, die es als unter ihrer Würde empfanden, Fahrgästen Kaffee und Gerichte am Platz zu servieren.

Anscheinend gibt es zwischen den deutschen und französischen Zugbegleitern grössere Probleme als zwischen den SBB-Zugbegleitern und ihren Nachbarn. Soweit ich weiss, prallen ab und zu auch bei uns Kulturen zusammen, doch nie in der Art wie im erwähnten Artikel beschrieben.

Um was ich die deutschen jedoch beneide (darüber wollte ich schon lange mal schreiben): Sie haben deutlich mehr Zugbegleiter pro Zug als wir hier in der Schweiz. Ich sehe das am deutlichsten, wenn ich einen Zug von Chur nach Basel begleite, der dann nach Deutschland weiter fährt; während wir von Chur nach Basel bloss zwei Mann auf elf Wagen sind, wird der Zug in Basel oftmals von etwa vier DB-Mitarbeiter übernommen. Und das, obwohl der Zug innerhalb der Schweiz teilweise alle 5-10 Minuten hält, während in Deutschland die Strecken von einem Halt zum nächsten meistens etwa eine halbe Stunde dauern.

Gerüchteweise habe ich übrigens gehört, dass die SBB plant, bereits in wenigen Jahren nur noch einen Zugbegleiter pro Zug zu stellen. Dieser kontrolliert jedoch keine Fahrausweise, sondern macht nur sogenannte “Servicegänge”. Das heisst, er steht für Informationen zur Verfügung, ist für die Sicherheit im Zug zuständig und verkauft Billette, wenn jemand noch nachlösen will. Die Kontrollen selber werden durch “Schwerpunkt-Teams” durchgeführt, welche sporadisch und ohne Vorwarnung in einen Zug stürmen und mit etwa 5-10 Mann die Fahrgäste kontrollieren.

Solange das nicht mit Lohneinbussen verbunden wäre, würde ich es noch begrüssen, doch richtig optimistisch bin ich nicht.

Wie denkt ihr zu der Geschichte? Braucht es mehr / weniger Zugbegleiter? Was würdet ihr an der Art der Billettkontrolle im Zug ändern? Nutzt die Kommentar-Funktion für eure Antworten!

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Andreas Hobi arbeitet seit 2001 bei der SBB und dort seit 2004 beim Zugpersonal. In seiner Freizeit schreibt er auf schweizweit.net von seinen Erlebnissen und über andere spannende Stories aus der Welt des öffentlichen Verkehrs.

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