Ich hätte gerne einen Campari Soda…

von Andreas Hobi am 29. April 2007 · 3 Kommentare

Ich betrat den Speisewagen, um die Billette meiner Fahrgäste zu kontrollieren: “Grüezi mitenand, alli Billett vorwiese bitte!”

Schon streckten mir die ersten Fahrgäste ihre Billette und Abos entgegen und ich kam rasch vorwärts. Am zweitletzten Tisch sass ein Mann, der soweit ich sehen konnte, sein Billett noch nicht hervorgenommen hatte. Als ich bei ihm war, sagte er:

“Morgen; ich bekomme bitte einen Campari Soda!” Aha, ein Deutscher, wie so oft im Befehlston.

Ich wusste nicht, ob ich das nun witzig finden oder mich ärgern sollte, jetzt hat der mich doch tatsächlich für den Kellner gehalten. Doch anstatt nun das Billett zu verlangen, liess ich mir nichts anmerken, kehrte um, ging in die Küche und bat das Personal um einen Campari Soda für den werten Herrn.

Ich stellte ihm sein Getränk hin: “So, und jetzt würde ich bitte noch gerne Ihre Fahrkarte sehen.” Er erwiderte: “Ach, und die Fahrkartenkontrolle machen Sie auch gleich? Gibt es denn keine Schaffner mehr?”

Doch, doch, die gibt es noch, man müsste nur die Augen öffnen…


Und weil’s so schön ist und gerade passt, hier noch der Swiss-Werbespot, den ich wegen dem Song so liebe:

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Andreas Hobi arbeitet seit 2001 bei der SBB und dort seit 2004 beim Zugpersonal. In seiner Freizeit schreibt er auf schweizweit.net von seinen Erlebnissen und über andere spannende Stories aus der Welt des öffentlichen Verkehrs.

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JeriC Juli 12, 2008 um 03:10

Ist der Ruf von “uns” Deutschen so schlimm (bzw sind WIR so schlimm)?
Vielleicht hat er es einfach nicht gerallt. Ich weiß nicht, wie bei euch die Kondukteure gekleidet sind, vielleicht ist die Bekleidung optisch ja näher an dem dran, was in Deutschland die Verkäufer (wie nennt man die? Es dürfte aber klar sein was ich meine) tragen als daran was die Schaffner tragen..

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Michael Juni 12, 2009 um 11:32

Zwar etwas arg spät, hab den Artikel jedoch erst jetzt entdeckt. Ich möchte als in Deutschland lebender Schweizer kurz noch was zu dem “ich bekomme bitte” sagen. Das hat keinstenfalls die Bedeutung eines Befehls. Das ist lediglich die in Deutschland vorallem im Gastgewerbe gebräuchliche Anwendung der Schweizer Aussage “i hätt gärn…”. Auch die Frage eines Kellners lautet hier in der Regel “Was bekommen Sie?”. Im geschilderten Fall hat es diese Nachfrage nicht gegeben (wie denn auch? ;-) ), die Antwort des Kunden bleibt aber – genau wie auch im Schweizerdeutschen Sprachgebrauch – die gleiche. Das Ganze hat aus Sicht des Gastgebers eine eigentlich sehr höfliche Note. Man zeigt dem Gast, das er König ist und frei seine Verpflegungswünsche äussern kann. Und sind wir mal ehrlich, wie oft hört man in der Schweiz von Schweizern den Ausdruck “I nime ds Menu XY”. Das ist eigentlich genau das Gleiche :-) . Und auch in Deutschland lautet die Aussage eines Schweizers oft genau so. Er erzählt dem Kellner seine Wünsche mit “Ich nehme…”. Nach Schweizer Freundlichkeitsvorgehen hiesse das aber eigentlich so (ist hier so übrigens auch gebräuchlich): “Für mich bitte einmal…”. Wie gesagt, unhöflich ist dieses “ich bekommen” im Deutschen Sprachgebrauch mitnichten. Den meisten Schweizern fehlt da einfach das nötige Hintergrundwissen. Man kann hier als Gegenbeispiels die oft benutzte Englische Übersetzung der Aussage “Sie müssen in Bern umsteigen”. Bekanntlich hiesse das korrekt “You have to change…”. Nicht selten hört man da aber das mit voller Überzeugung gesprochene “You must change…”. Auch wenn man gezwungenermassen umsteigen muss, es ist immer noch falsch ;-) . Das findet der Brite oder der Ami bestimmt auch unhöflich :-) .

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Andreas Hobi Juni 15, 2009 um 08:16

@ Michael:
Vielen Dank für die Erklärungen! Da wird einem einiges klarer. ;-)

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